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07:57 14.04.2019
Verleger Vito von Eichborn mit einem alten Band seines absoluten Lieblingsbuches Don Quijote.
Verleger Vito von Eichborn mit einem alten Band seines absoluten Lieblingsbuches Don Quijote. Quelle: Fotos: Lutz Roessler 
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Malente

Einmal in die Pampa, bitte. Über die Hügel der Holsteinischen Schweiz, vorbei an den frühlingsgeküssten Feldern und Gutshöfen, hin zum Ortsschild von Malente – und noch ein Stück weiter, bis es irgendwo im Nirgendwo nach links geht.

Hier, wo die erschlagendeIdylle ihren festen Wohnsitz hat, wo die Vögel um die Wette zwitschern und der Dieksee sich von seiner schönsten Seite zeigt, genau hier wohnt Vito von Eichborn. Genauer Vito Eckart Eduard Moriz von Eichborn. Er wartet schon an der Haustür, der Verleger aus dem Paradies.

„Schau an, der Herr Dompfaff ist auch da“, freut sich der 75-Jährige und zeigt auf den Buttscher mit dem roten Bauch in seinem Garten. „Seine Frau ist heute noch nicht hier gewesen.“ Dafür ist „Socke“ da. Der Kater mit den weißen Pfoten schaut prüfend auf sein Revier, schnurrt zum Zeichen der Zufriedenheit und geht weiter auf seine obligatorische Runde, während Vito von Eichborn in sein Büro im ersten Stock bittet.

Eine Chance für Walter Moers

Hier stapeln sich all die Schätze, die er im Laufe der Zeit herausgebracht hat und die Schätze, die eines Tages vielleicht noch große Literatur werden. Bücher, so weit das Auge reicht. Notizen, Akten und Ordner liegen über- und nebeneinander – und der Blick durch das Fenster führt auf den Dieksee, der so traumhaft ist, dass er besser geheim bliebe.

„Das Kleine Arschloch hätte woanders keine Chance gehabt“, erzählt von Eichborn und meint nicht den Blick aus dem Fenster sondern die kleine, kurzsichtige Comicfigur von Autor Walter Moers, die der Ende der 80er Jahre erschaffen und die Vito von Eichborn in seinem damaligen Verlag gedruckt hat. „Der Moers ist einfach genial“, das wusste von Eichborn schon damals – und er wurde bestätigt, denn Moers’ Karriere nahm von da an ihren Lauf. Aktuell ist er mit seinem Roman „Der Bücherdrache“ (Penguin-Verlag) auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste.

Autor Walter Moers hat Familie von Eichborn seinen neuen Band „Der Bücherdrache“ mit einer persönlichen Widmung geschickt. Quelle: Lutz Roeßler

Aber beim „Kleinen Arschloch“ sollte es in von Eichborns Karriere nicht bleiben, er hat noch mehr entdeckt und verlegt. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. „Natürlich sind auch immer wieder Flops dabei“, sagt er. Ein gutes Buch müsse klassisch, zeitlos, intelligent, rührend und witzig sein, sagt der Verleger. „Gute Bücher sind immer die, mit denen man nicht rechnet“ – aber auch dafür gebe es keine Garantie. Man muss sich dem Bauchgefühl hingeben und am Ende schauen, ob die Leserschaft dieses eben genauso empfindet.

Ein Leben für die Literatur

Vito von Eichborn hat sich voll und ganz den Büchern verschrieben. Sogar selbst welche geschrieben, wie zum Beispiel „111 Orte zwischen Lübeck und Kiel, die man gesehen haben muss“. Der gelernte Journalist blickt im Laufe seiner Karriere auf viele Tätigkeiten bei verschiedenen Verlagen zurück und ist nun mit seinem Ein-Mann-Verlag „Vitolibro“ in Malente ansässig, von wo er weiter und weiter nach literarischen Schätzen sucht.

Das betrifft Neuentdeckungen wie vergriffene Werke, die von Eichborn so gut findet, dass er sie wiederbelebt. Zum Beispiel „Millionen Katzen“, eines der ältesten Kinderbücher aus den USA, das jetzt im Vitolibro-Verlag erschienen ist. Oder , neu übersetzt und illustriert, „Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling. Oder das neue erotische Kochbuch von Lilo Wanders. Oder die Reihe der plattdeutschen Literatur. Oder. Oder. Oder.

Auch eine Reihe großer Klassiker in plattdeutscher Sprache sind im Vitolibro Verlag aus Malente erschienen. Quelle: Lutz Roeßler

Von Eichborn sucht in allen Genres – immer mit einem Blick auf das „Andersartige“, das ihn an Büchern so reizt. Das „x-te Kochbuch“ brauche er nicht und überhaupt sei der größte Teil der Texte, die er eingereicht bekomme „unbrauchbar“ – aber ab und zu sei auch mal was richtig Tolles dabei.

Ein grüner Ledersessel, in dem von Eichborn viel Zeit zum Lesen verbringt, ist bei der „Käseprobe“ behilflich, die der „Büchermacher“ mit den Bewerbungen macht. Und das heißt? „Du musst nur zwei Seiten aus dem Skript lesen und weißt, wie der ganze Käse schmeckt.“ Das Meiste seien „Kann-Bücher“, erzählt von Eichborn – und dann gebe es noch die „Muss-Bücher“, die den Verleger nicht mehr loslassen – so wie „Tante Linas Kriegskochbuch“, von dem von Eichborn jetzt erneut eine Neuausgabe macht.

Vito von Eichborn in seinem grünen Arbeitssessel –hier verbringt er täglich viele Stunden und liest in Büchern oder Bewerbungen. Quelle: Lutz Roeßler

Stößt von Eichborn auf ein Muss-Buch, wird es besprochen, aufgenommen, verlegt, gedruckt, beworben und im Handel untergebracht. „Natürlich haben die großen Verlage mehr Geld und mehr Möglichkeiten“, sagt er, aber „sie haben auch mehr Zwänge aller Art“ – das Extreme und Originelle habe es bei denen schwerer.

Hauptsache besonders gut

In seinem kleinen „Wunderbüchlein“, in dem von Eichborn für Mittwoch „Doppelkopf“ eingetragen hat, stehen neben privaten Terminen viele kleine Notizen, die er während seiner Arbeit macht. Und nein, von Eichborn macht sich überhaupt keinen Kopf, dass das Buch eines Tages ausstirbt. „Lesen ist lesen“, sagt er. Ein Buch sei immer ein Ausflug in einer andere Welt. „Das kann das Internet nicht ersetzen.“

Auch die E-Books machen von Eichborn keine Sorgen. „Ach was“, winkt er ab. „Dieser Katastrophismus rund um den Niedergang des Buches ist übertrieben.“ Das Gedruckte werde bleiben. Und auch, was die Themen angeht, ist von Eichborn zuversichtlich. „Es gibt so viel Vielfalt wie noch nie.“ Und genau deshalb komme es immer auf das Andersartige an. „Und das entsteht immer am Rand.“ So wie am Rand von Malente, wo die Vögel um die Wette zwitschern und der „Herr Dompfaff“  mit seiner Frau wohnt.

Wo ist der Kater überhaupt?

Bücher, die man gelesen haben muss

Auf die Frage nach Weltliteratur und drei Werken, die man in seinem Leben gelesen haben sollte, hat Verleger Vito von Eichborn diese Empfehlung:

1.„Don Quijote“ von Miguel de Cervantes

2.„Die Odyssee“ von Homer

3. „Faust“von Johann Wolfgang von Goethe

Weitere Infos zum Verlag Vitolibro gibt es unter www.vitolibro.de.

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