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Kultur im Norden Das sind die schönsten Bauten im Norden
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19:57 14.06.2019
Lübsche Giebel: Das Motel One am Markt in Lübeck hat vor einem Jahr geöffnet. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Das Motel One im Herzen der Lübecker Altstadt wurde im vergangenen Jahr eröffnet. „Als Neuinterpretation des lübschen Giebelhauses“ haben Experten die Gestaltung bezeichnet. Entworfen hat es der Lübecker Architekt Helmut Riemann. In Anlehnung an die historische Bebauung am Markt wurde die Form der steil geneigten Dächer aufgegriffen. Sie bilden ein Pendant zu den Firstlinien des Rathauses, während die Fassade zum Schüsselbuden dem historischen Vorbild entspricht. Die als geschützte Freizone vor der Lounge angeordnete Kolonnade ist ein Zitat der Rathausarkade. Ortstypisch zeigt sich das neue Gebäudeensemble als geschlämmter Klinkerbau, ergänzt durch Sockel, Fensterbänke, Trauf- und Giebelabschlüsse in Naturstein. Der Innenhof des Gebäudekomplexes bietet den Gästen einen intimen Raum inmitten der Altstadt (Schüsselbuden 15, Führungen am Sonnabend und Sonntag um 12 Uhr).

Hoch-Häuser: Die Pfahlbauten auf dem weiten Strand von St. Peter-Ording sind eine Besonderheit an der Westküste. Die erste „Giftbude“, eine Erfrischungshalle, entstand 1911, und weitere folgten. Drei jüngere dieser Bauten, immerhin auch schon bis zu 50 Jahre alt, mussten nun weichen, weil ihre Standsicherheit gefährdet war. Außerdem steigt der Meeresspiegel, und in diesem Strandabschnitt wird die Wasserkante voraussichtlich jedes Jahr sechs bis acht Meter höher reichen. Ein Neubau mit vier „Häusern“ entstand deshalb weiter Richtung Landesinnere und bündelt mehrere Funktionen. Die Wasserrettung hat hier einen hervorragenden Platz, es gibt die Strandkorbvermietung, eine Ausstellung zum Wattenmeer, und natürlich die WC-Anlagen. Den Architekten Limbrecht Jensen Rudolph aus Niebüll / Rantrum gelang es, mit einer einfachen, klaren Architektursprache das Improvisierte und die Schlichtheit der alten Bauten in eine heutige Form zu überführen. Durch die Verschränkung der Häuser entstehen unterschiedliche Räume auch außen, die wechselnde Aussichten und Windschutz bieten. (St. Peter-Ording. Führung Sonntag 15 Uhr)

Sechs Beispiele für wegweisendes Bauen, die an diesem Wochenende besichtigt werden können.

Lernlandschaft: Das räumlich streng gegliederte Gebäudeensemble des Hofes Louisenlund erhielt einen passgenauen Neubau an Stelle einer abgebrannten Remise. Er gibt der neuen „Forscherwelt“ der Grundschule innerhalb der pädagogischen Stiftung Louisenlund viel offenen Raum. Gelber Backstein und ein graues Blechdach prägen die traditionelle Erscheinung des großen Hauses, entworfen von Sunder-Plassmann Architekten aus Kappeln. Ein Schwarm schmaler, scheinbar frei in das Dach eingefügter Fensterbänder belichtet die große, zusammenhängende, abwechslungsreich gegliederte Lernlandschaft. Im Erdgeschoss mit bodentiefen Fenstertüren geht es mit dem Laborbereich, den Garderoben und den Lehrerzimmern etwas kleinteiliger zu. Im Rahmen einer vertrauten Form eröffnet sich hier eine besondere Verbindung von Pädagogik und Architektur. (Grundschule / Forscherwelt Güby. Louisenlund 7, Führung Sonnabend 11 Uhr)

Ordnungshalber: Die Giebelhäuser der Nachbarschaft gaben den städtebaulichen Takt vor. Jebens Schoof Architekten aus Heide nahmen ihn auf und formten daraus durch Reduktion auf das Wesentliche etwas unverkennbar Eigenes. Die beiden schmalen, langen, in der Mitte miteinander verbundenen Häuser aus grauem Klinker und Dächern aus grauen Flachziegeln sind in ihrer klaren Form und Zeichenhaftigkeit Urhaus, Normerfüllung und Abweichung davon in Einem. Zur Straße schotten sie sich dezent ab, zum Garten öffnen sie sich mit einem geschützten Freisitz und dem anschließenden großen, haushohen Wohn- und Essraum. Die architektonische Schönheit dieses kleinen Hausensembles ruht in der Ordnung. (Ferien- und Wohnhaus, Hans-Reiher-Str. 10 -12, 25761 Büsum, Führung: Sonntag 11 Uhr.

Vielfalt: Es ist ein Glück, dass Kiel sich beim Neuaufbau des Schlossquartiers am historischen Stadtgrundriss und Straßenverlauf orientiert hat und dabei einer Architektur von heute den Vorzug gab. Anders als in Frankfurt entstanden hier keine romantisierenden neuen Altbauten, die über die Kriegsverluste hinwegtrösten sollen, sondern eine von Haus zu Haus differenzierte, im Einzelnen vielfältige und im Ganzen klar gegliederte Architektur der Gegenwartsmoderne. Die Entwürfe der Arbeitsgemeinschaft Schnittger Architekten und bbp Architekten, beide aus Kiel, fügen sich in das Bild Kiels als Aufbaustadt ein und beweisen, dass auch mit neuer, frischer Architektur ein verlorener Stadtraum wiederzugewinnen ist. Erker, Balkone und Loggien prägen die Ansichten der bis zu achtgeschossigen Häuser mit über 200 Miet- und Eigentumswohnungen sowie Läden und Gastronomie in den Erdgeschossen. Zusätzlich wurde dank der Auflösung des oberen Teils der nach dem Krieg neu angelegten Eggerstedtstraße der Schlossplatz erweitert und als gefasster Freiraum aufgewertet. (Wohnbebauung Schlossquartier, Schlossstraße 2 - 10, 24103 Kiel, Führung: Sonnabend und Sonntag 10 Uhr)

Inklusiv: Das Marine- und Garnisonslazarett in Kiel-Wik entstand 1903-1907 als eine technisch und funktional moderne Anlage aus gut 20 Bauten, verkleidet allerdings in einem historistischen Gewand. In den 1990er-Jahren wurde die letzte Nutzung aufgegeben. Der Verfall der Häuser begann, und einige wurden abgerissen. Die verbliebenen, dann sanierten denkmalgeschützten Altbauten und deren Freiflächen bilden jetzt den willkommenen historischen Rahmen für neun Neubauten im „Anscharpark“ mit ausschließlich Mietwohnungen. Entworfen wurden sie von der Arbeitsgemeinschaft Schnittger Architekten und BSP Architekten, beide aus Kiel. Die roten, viergeschossigen Klinkerbauten, deren Scharfkantigkeit durch Staffelungen, Balkone und Zierstreifen im Mauerwerk aufgelockert wird, fügen sich wie große Pavillons in das vorhandene städtebauliche System ein und profitieren von dessen weiten Freiräumen. Der Anteil geförderter Wohnungen ist hoch. Zudem gibt es ein „inklusives Wohnhaus“, ein anderes für „inklusives Studentenwohnen“. (Genossenschaftliches Wohnen im Anscharpark, Heiligendammer Straße, 24106 Kiel. Führung: Haus 3, Sonnabend und Sonntag 10 Uhr.

Ulrich Höhns/LN

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