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Kultur im Norden Als das Kunstgewerbe weiblich wurde
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17:24 07.06.2019
Sie waren Teil der deutschen Designgeschichte: Frauen in den Deutschen Werkstätten Hellerau.
Hamburg

Alle Welt feiert zurzeit das 1919 gegründete Bauhaus, seine Architekten, Künstler und Lehrer. Kaum jemand erinnert an den Vorläufer, die Deutschen Werkstätten, 1898 von einem gewissen Karl Schmidt, Tischler von Beruf und Sozialreformer von Passion, in Dresden gegründet und 1910 in die Gartenstadt Hellerau umgezogen. Hier wurden Möbel und Mode entworfen und gefertigt, Tapeten- und Textilmuster geschaffen, Spielzeug, Keramik und Porzellan fabriziert – alles von zeitloser Klarheit, doch auch bis heute von moderner Anmutung. Die serielle Fertigung garantierte, dass sich auch das mittlere Bürgertum sorgsam gestalteten Komfort leisten konnte.

Im Jahr des Bauhaus-Jubiläums wollte Tulga Beyerle, bis Ende des vergangenen Jahres Direktorin des Dresdner Kunstgewerbemuseums, auch an die Gestalter aus Hellerau erinnern, genauer: an die Frauen, die dort arbeiteten. Weil Beyerle seit kurzem Chefin des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg ist, kann man nun auch hier die Ausstellung „Gegen die Unsichtbarkeit – Designerinnen der Deutschen Werkstätten 1898 bis 1938“ sehen.

Kunsthochschulen waren Frauen verschlossen

Werkstätten-Gründer Karl Schmidt war ein früher Förderer von Frauen, die sich in den Metiers zwischen Bildender Kunst, Design und Kunstgewerbe hervortaten, obwohl ihnen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Kunsthochschulen und die meisten anderen Ausbildungsstätten noch verschlossen waren. Namen und Werk von 19 Mitarbeiterinnen der Werkstätten hat Kuratorin Klara Nemeckova aus dem Vergessen gerissen. „Diese Frauen wollten einerseits kreativ tätig sein, vor allem aber wollten sie ein selbstbestimmtes Leben führen“, sagt Nemeckova.

So wie Margarete Junge (1874-1966), deren schlichte, aber anspruchsvolle Gestaltung den Stil der Deutschen Werkstätten prägte. Sie nahm an der Weltausstellung 1904 in St. Louis (USA) teil – und sie war die erste Professorin an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden. Von den Nationalsozialisten wurde sie 1934 gefeuert. Mit ihrer Lebensgefährtin zog sie danach in die Gartenstadt Hellerau und lebte dort bis zu ihrem Tod.

Eine Frau richtete den Doppelstockwagen „Lübeck“ ein

Oder Lisl Kampferseck (1902-1978). Die Architektentochter aus München, Absolventin der dortigen Kunstgewerbeschule, konnte bereits als 20-Jährige ihre Design-Ideen vermarkten. Sie wurde die Frau des Schmidt-Partners Karl Bertsch, was vermutlich bei diversen Großaufträgen half, die sie durchführen konnte: die Innengestaltung eines Mitropa-Schlafwagens und der Überseedampfer „Hamburg“ und „New York“ oder die Einrichtung des Doppelstocksteuerwagen „Lübeck“ der Lübeck-Büchener Eisenbahn (ja, in den 1930er Jahren verkehrten bereits doppelstöckige Züge zwischen Hamburg und Lübeck).

Die Entwürfe und Objekte der Designerinnen aus Hellerau waren so vielfältig wie die der männlichen Avantgarde. Leichtigkeit gepaart mit Funktionalität und Solidität prägten ihr Kunsthandwerk. Es verabschiedete sich von der Ornament-Verliebtheit des Jugendstils und verabscheute die Schwere der altdeutschen Möbelmode, die später als Gelsenkirchener Barock notorisch wurde.

Designerinnen wurden später künstlerisch abgewertet

Und warum sind die Namen der weiblichen Mitglieder der Hellerau-Gemeinde längst vergessen, obwohl sie Design-Geschichte geschrieben haben? Kuratorin Klara Nemeckova: „Die Frauen wurden später künstlerisch abgewertet, sie wurden zum Beispiel als des räumlichen Denkens nicht fähig bezeichnet.“ Auch seien die Nachlässe der Künstlerinnen als weniger interessant angesehen und kaum museal bewahrt worden. Die Ausstellung „Gegen die Unsichtbarkeit“ macht zumindest einige wieder sichtbar.

„Gegen die Unsichtbarkeit – Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938“, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, bis 18. August

Michael Berger

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