Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Hochzeitsmusik zur Hansezeit
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Hochzeitsmusik zur Hansezeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:28 27.05.2019
Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen spielte Hochzeitsmusik zur Hansezeit. Quelle: hfr
Anzeige
Lübeck

Wie wurde Hochzeit vor 400 Jahren gefeiert? Dem Geldbeutel angemessen mehr oder weniger prunkvoll – wer es sich leisten konnte, ließ eigens Festmusik komponieren. Am Sonntag war in St. Jakobi eine Aufführung solcher Hochzeitsmusiken zu erleben.

In Kooperation mit dem Hansemuseum und der Bremer Musikhochschule spielte das Ensemble Weser-Renaissance Bremen eine großzügige Auswahl von Originalwerken aus der Blütezeit der Hanse. Unter der Leitung von Manfred Cordes musizierten sechs Sängerinnen und Sänger und eine Auswahl historischer Zupf-, Blas-, Streich- und Tasteninstrumente, im Kirchraum sorgte das farbigen Timbre der teilweise jahrhundertealten Instrumente im Zusammenspiel für einen tragfähigen Klang, der die Verständlichkeit des gesungenen Textes unterstützte und die Musik bis in die letzte Reihe klar verständlich transportierte.

Anzeige

Die Auswahl der Texte sorgte für Amüsement unter den jüngeren Zuhörern, denn neben Chorälen aus der Reformationszeit und speziell auf die Brautleute zugedichteten Versen, die dem Paar als „Täubchen und Täuberich“ schmeicheln, standen auch Auszüge aus dem teilweise explizit erotischen Hohelied Salomos oder belehrende Strophen über die Eigenschaften des ehrbaren Weibes: „Mehr als an Tugend und Liebreiz hat die Zukünftige reich an Keuschheit zu sein!“ Weil letztere Werke sich heutzutage zur musikalischen Ausstattung einer Hochzeit nicht mehr anbieten und eigentlich nur noch in konzertantem Rahmen erlebt werden können, muss man Cordes für die Wiederbelebung dieser vergessenen Zeugnisse hanseatischer Lebenskultur danken. In einem angegliederten Vortrag in der Musikhochschule Lübeck berichtete er von seinen Forschungen in alten Quellen und seinen Bestrebungen, in Zukunft weitere Werke aufzuführen.

Ein Mitschnitt des Konzertes wird am 12. Juni ab 20 Uhr im DeutschlandRadio und am 23. Juni ab 22 Uhr auf NDR Kultur ausgestrahlt.

Jakob Rieke

Anzeige