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Kultur im Norden Ein Wochenende mit Daniel Hope
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Ein Wochenende mit Daniel Hope
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15:05 05.08.2019
Vier Tage – elf Konzerte. Ein Rückblick auf das Wochenende von und mit Daniel Hope. Quelle: Axel Nickolaus
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Lübeck

Ein volles Programm hatte Daniel Hope am Sonnabend zu absolvieren. Nach der Vorführung eines Films über seinen Mentor Yehudi Menuhin im Filmhaus ging es im Scharbausaal der Stadtbibliothek weiter. Musikalisch umrahmt sollte aus den Memoiren Menuhins gelesen werden. „Lebenserinnerungen“ lautete die Überschrift.

Hier erinnert sich Daniel Hope an seinen Mentor Yehudi Menuhin

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SHMF: Freunde erinnerten sich an Yehudi Menuhin

Lebenserinnerungen wurden es auch. Allerdings nicht von Yehudi Menuhin. Vielmehr erinnerten Freunde an ihren Meister. Hope betätigte sich als Moderator, der teils deutsch, teils englisch die Kollegen Ikki Opitz, CarlaMaria Rodrigues und Philip Dukes interviewte. Musiziert wurde kaum, lediglich ein paar Takte Mozart zum Beginn und eine Kostprobe Bela Bartok am Schluss.

Volles Haus beim Polnischen Kammerorchester

Ein volles Haus gab es beim Auftritt des Polnischen Kammerorchesters und gleich drei Violinsolisten im Saal der Musikhochschule. Daniel Hope trat hier gleich viermal solistisch in Erscheinung. In Bachs d-Moll-Konzert für zwei Violinen und Orchester (BWV 1043) überließ Hope dem Konzertmeister der Gäste, Jakub Haufa, die erste Geige. Schwungvoll und mitreißend wurde musiziert. Danach erklang ein kurzes Stück von Philip Glass, ein Auftrag Menuhins, mit Ikki Opitz und Daniel Hope als Solisten. Das von Menuhin 1952 entdeckte Jugendwerk des 13jährigen Mendelssohn schloss sich an, und auch die Solozugabe bestritt Gastgeber Daniel Hope selber.

Sphärische Klänge in der MuK

Zu 21.30 Uhr wurden die Zuhörer auf der Bühne des Konzertsaals der MuK erwartet. Sphärenklänge waren angekündigt. Die Schlange im Foyer schien endlos. Nicht nur die Bühne, auch der Bühnenrang war geöffnet. Zarte, intime Klänge waren zu hören. Zunächst spielte Cellistin Josephine Knight Supermodernes vom Italiener Giovanni Sollima. Danach bot Pianist Jacques Ammon einige der Kinderlieder des US-Jazzers Chick Corea. Den Rest des Programms bestritten Ammon und Daniel Hope gemeinsam. Mit Lera Auerbach und Elena Kats-Chernin wurden Komponistinnen präsentiert. Außerdem verneigten sich die beiden Musiker vor Arvo Pärt, dem bekanntesten Komponisten Estlands. Den ersten Applaus hatte übrigens um 21.37 Uhr ein solider Handwerker bekommen. Der kroch unter dem Flügel hervor, dem er ein Quietschen abgewöhnen sollte. Es hätte die leisen Sphärentöne womöglich verfälscht, erklärte Daniel Hope.

Zwei Konzerte am Sonntag

Am frühen Sonntag Nachmittag traten im Lübecker Hansemuseum das Quartett Levár: (Theresa Reustle, Jule Pünjer, Violinen, Caroline Spengler, Viola, Mona Ernst, Violoncello)] auf. Die vier Musikerinnen spielten Hugo Wolfs „Italienische Serenade“ dynamisch sehr fein ausbalanciert und mit augenzwinkerndem Humor, tauchen in diesem Stück doch immer wieder auch opernhafte Züge auf. Dass der Schönberg-Schüler Anton Webern auch spätromantisch komponieren konnte, erfuhren wir in seinem Langsamen Satz für Streichquartett, der auftakt-selig seine Wiener Herkunft nicht verleugnen konnte, die das Ensemble mit dem nötigen „Schmäh“ ausführte. Abschließend erklang der Finalsatz aus Haydns „Reiterquartett“ g-moll op. 74 No. 3, mit Lust an den hineinkomponierten Überraschungen musiziert.

Astor Piazzollas „Gran Tango“ - das Publikum war begeistert

Im zweiten Teil traten Daniel Arias, Violoncello mit Yoko Kuwahara, Klavier auf. Mit großem Talent zum Entertainment moderierte der junge Venezuelaner diesen Teil des Konzerts und mit womöglich noch mehr Lust, Spielfreude und Hingabe absolvierte er Beethovens Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“, gefolgt von Debussys durchaus mit Humor durchsetzter Cello-Sonate d-moll. Zum Schluss erklang Astor Piazzollas „Gran Tango“ - das Publikum war begeistert.

Abschluss mit Brams und Elgar

Zum Abschluss der elfteiligen Kammermusik-reihe „Lübeck Musikfest“, die der Menuhin-Adept Daniel Hope leitet und die auch heuer wieder ihren Platz im SHMF gefunden hatte, erklangen am Sonntag Nachmittag in der klassizistischen Lübecker Evangelisch-Reformierten Kirche in der Königstraße Brahms Klavierquartett c-moll op. 60 und Edward Elgars Klavierquintett a-moll op. 84 mit Daniel Hope, Ikki Opitz, Violinen, Philip Dukes, Carla Maria Rodrigues, Viola, Josephine Knight, Violoncello und alternierend mit den Pianisten Simon Crawford-Philips und Jaques Ammon – allesamt langjährige Freunde und Freundinnen Daniel Hopes. Beide Werke berührten in ihrer Ernsthaftigkeit und dem engagierten und perfekten Zusammenspiel der Musiker.

Positive Bilanz am Ende- und Vorfreude aufs nächste Jahr

Resümierend zeigte sich Hope mit dem diesjährigen Verlauf mehr als zufrieden und hofft auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Dass auch Kinder hochkonzentriert und begeistert dem Konzertereignis folgen, war eine seiner schönsten Erfahrungen in diesem Jahr, die Hoffnung für die Zukunft gibt.

Mehr über die Konzerte des SHMF und Interviews mit den Stars lesen Sie hier:

Konrad Dittrich und Dieter Kroll