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Kultur im Norden Romantischer Bach in Lübeck
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18:09 02.09.2019
Alle Hände voll zu tun hatte Dirigent Masaaki Suzuki mit den NDR-Elbphilharmonikern, dem NDR- und dem Festival-Chor am Sonnabend in Lübeck bei der Matthäus-Passion. Quelle: Axel Nickolaus
Lübeck

Ein ungewohntes Erlebnis in mancher Hinsicht: Ungewohnt die Zahl der Mitwirkenden (fast 200), ungewohnt die Fassung der 1841 von Felix Mendelssohn Bartholdy eingerichteten Passion, ungewohnt auch die Instrumentierung mit modernen Klarinetten anstelle von Oboe d‘amore und Oboe da caccia. Wenn man so will, war es eine barocke Passionsmusik im Gewande der Romantik, die Dirigent Masaaki Suzuki mit den NDR-Elbphilharmonikern, dem NDR- und dem Festival-Chor aufführte.

Orchester musste sich erst warmspielen

Suzuki, ein auch außerhalb Japans anerkannter Bach-Spezialist, wählte schnelle Tempi, er hatte dabei alle Hände voll zu tun, um den gewaltigen Apparat auf Kurs zu halten. Das Orchester musste sich erst warmspielen, ein falscher Einsatz blieb jedoch die Ausnahme. Im zweiten Teil jedoch wurde deutlich, was Mendelssohn mit seiner Bearbeitung erreichen wollte: Konzentration auf die dramatischen Szenen, große dynamische Differenzierungen, um die emotionale Wirkung von Bachs Musik zu steigern.

Der Komponistenschwerpunkt des SHMF 2020

Er heißt Carl Nielsen,wurde 1865 auf Fünen als Sohn eines armen Anstreichers geboren und starb 1931 als dänischer Nationalkomponist in Kopenhagen. Nielsen gilt neben Edvard Grieg und Jean Sibelius als bedeutendster Vertreter skandinavischer Musik.

Das SHMFwill im Festivalsommer 2020 neben seinem Werk auch den Kontext seiner Musik sowie seinen Einfluss auf die Nachwelt erforschen.

Die Wahldes Komponisten kommt nicht von ungefähr. Der Schwerpunkt knüpft an ein besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren konnten Dänen und Deutsche darüber abstimmen, wo genau die Grenze zwischen den Ländern verlaufen sollte. Anlass für ein deutsch-dänisches kulturelles Freundschaftsjahr, in dem es nicht nur um Musik geht.

Der „Barrabam“-Ruf des Chores ertönte im – mindestens – vierfachen Fortissimo, umso intimer und ergreifender klang dann die Sopran-Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“, in der die modernen Klarinetten ganz vorzüglich wirkten. Bachs Werk klang in dieser Interpretation schon fast wie eine Oper, nicht umsonst hat es immer wieder Versuche und Anregungen gegeben, die Matthäus-Passion szenisch aufzuführen.

Bass und Tenor an stimmlichen Grenzen

Wenn man sich mit dieser romantischen Bach-Aufführung angefreundet hatte, war vor allem der hochdramatische zweite Teil der Passion ein reiner Genuss. Die Sopranistin Carolyn Sampson steigerte sich im Verlauf, ihre Stimme mischte sich ausgezeichnet mit dem Alt von Olivia Vermeulen. Bass Christian Immler, der die Jesus-Worte sang, geriet gelegentlich an seine stimmlichen Grenzen, Matthias Winckhler (Hohepriester, Pilatus) überzeugte mit seiner standfesten Bass-Stimme. Mauro Peter (Tenor) als Evangelist bemühte sich um eine schon fast expressive Gestaltung seiner Partie, in seiner Arie „Ich will bei meinem Jesu wachen“ geriet auch er an seine sängerischen Grenzen. Der von Nicolas Fink einstudierte Chor sang präzise und ausdrucksstark.

Viel Beifall

Am Ende gab es großen Beifall für die spätsommerliche Aufführung der Matthäus-Passion in Mendelssohns romantischer Bearbeitung. Ein ungewohnter und ungewöhnlicher Abschluss des Johann Sebastian Bach gewidmeten Komponisten-Schwerpunktes. Und ein würdiger Abschluss der Lübecker Festival-Konzerte.

Alle Rezensionen, Interviews, Berichte über das SHMF 2019 lesen Sie hier

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