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Kultur im Norden SHMF-Abschluss mit Disney
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18:04 02.09.2019
Die NDR Radiophilharmonie unter Leitung von Christian Schumann spielte den Soundtrack der großen Disney-Filme klickgenau live ein.
Kiel

Schwelgen und Kichern zu punktgenau bebilderten Hits der klassischen Musik? Das macht schon seit bald acht Jahrzehnten im Kino Spaß und lässt sich tatsächlich gut ins Format eines XXL-Konzertes übertragen. Rund 4000 Besucher hatten am Sonntagabend beim Abschlusskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals jedenfalls ihre Freude an den zusammengetragenen Fantasia-Splittern: 1940 innovativ und 2000 retrospektiv animierte Cartoons aus der perfekten Hollywood-Traummaschinerie der Marke Walt und Roy Disney.

Ein letzter Gruß an Bach

Die NDR Radiophilharmonie Hannover löste unter der Multitasking-Leitung von Filmmusik-Dirigent und Komponist Christian Schumann die Aufgabe, den Soundtrack der großorchestral aufgeblasenen und in schnittigen Arrangements komprimierten Evergreens klickgenau live einzuspielen, mit Könnerschaft. Das war deshalb besonders heikel, weil beim Musizieren ja nicht der freie Atem der individuellen heutigen Interpretation wehen durfte. Vielmehr musste nicht selten auf die Tempi des britisch-amerikanischen Hexenmeisters Leopold Stokowski bestanden werden, die Mitte des 20. Jahrhunderts noch in schwergewichtig postromantischer Opulenz getaktet waren. Wie sehr der Pult-Kult längst vergangener Zeiten hier hereinspielt, sah man gleich an den bewegten Scherenschnitten Stokowskis. „Göttlich“, wie er Bachs Toccata und Fuge d-Moll als sinfonische Walze anfährt. Und allerletzter Gruß an den Komponisten-Schwerpunkt eines Festivalrekordjahrgangs.

Zauberelfen und plumpe Pilze

Die für gut zwei Stunden ausgewählten Fantasia-Teile bereiteten unterschiedlich Vergnügen. Da gab es den bloß gekonnten Kitsch, wenn grafische Figuren, kleine Zauberelfen, plumpe Pilze, blühfreudige Blüten oder verirrte Silberreiher nach Bach, Beethoven, Tschaikowsky oder Debussy tänzelten. Aber wenn Handlung ins Spiel kam, dann konnte das auch ganz großes Kino sein. Wie der Phönix-Feuervogel und stolze Rothirsch das ewige Vergehen und Werden der Natur nachzeichneten, während Strawinsky dank der bestens verstärkten NDR Radiophilharmonie heftig unter die Haut fuhr, zählte unbedingt dazu. Grandios humorige 1940er-Klassiker, die die Welt weiter brauchen kann, waren natürlich die köstlich dickhäutige Ballett-Persiflage zu Ponchiellis Tanz der Stunden, die mythologische Entlarvung von Beethovens Gewittermusik aus der Pastorale und Mickey Maus‘ „Challenge“ als zerknirschter Zauberlehrling nach Goethe/Dukas. Kitsch und Können, Humor und Ernst, Bild und Ton in Einklang.

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Von Christian Strehk

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