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Kultur im Norden Wo Insekten zur Kunst werden
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17:36 27.02.2019
Claudia Noffke mit Fantasie-Insekten von Bernd Hamann  in ihrer Galerie in Ratzeburg
Claudia Noffke mit Fantasie-Insekten von Bernd Hamann in ihrer Galerie in Ratzeburg Quelle: Petra Haase
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Ratzeburg

Was soll man machen, wenn einem die Insekten auf der Welt einfach wegsterben? Man kann neue erschaffen. Wie Bernd Hamann, der sie auf Porzellan druckt, in Schautafeln präsentiert oder auf großen Plakaten. Manche sehen aus wie Ur-Einzeller, andere haben filigrane Flügelchen, lange Beine und Fühler, schillern in schönen Farben, wieder andere erinnern an Fabelwesen. Ein ganzer Schwarm dieser Krabbeltiere hat sich derzeit in der Galerie Noffke in Ratzeburg eingenistet.

„Meine Modelle sind kleine Mädchen“

Die Artenvielfalt ist groß hier. Figur im Raum heißt die Ausstellung, für die Galerist Augustin M. Noffke zehn Künstler gewinnen konnte. Das ehemalige Haus Mecklenburg auf der Domhalbinsel bietet dazu mit seinen großen lichten Räumen den passenden Rahmen. Plastik, Malerei und Grafik reizen die Dimension des Themas aus. So schafft Otto Beckmann Kommunikationsräume, isoliert, fast autistisch stehen seine Menschen da. Nähe lässt die Koreanerin Jiyun Cheon in ihrem Mädchenakt zu. „Meine Modelle sind kleine Mädchen, die gerade in dem Alter sind, in dem sie das Leben zu entdecken beginnen. Was mich interessiert, ist die Art und Weise, wie ich die Kommunikation zwischen meinem Modell und meiner selbst sehe“, hat die Künstlerin einmal gesagt. Die zarten Mädchen von Jiyun Cheon treten in Dialog zu den kraftvollen Frauenfiguren von Lars Möller. Ganz andere Akzente setzt der Italiener Renato Bertini mit seinen Porträts.

Bilder von Klaus Fußmann

Räume in sich verschoben, übermalt, verschränkt stellt Hermann Reimer zur Debatte, irgendwas scheint in seinen großformatigen Bildern nie zu passen. Reimer war ein Meisterschüler des norddeutschen Realisten Klaus Fußmann, und auch von ihm sind Bilder in Ratzeburg zu sehen. Menschen in Landschaft eher klassisch angelegt. Auch der 84-jährige Bildhauer Manfred Sihle-Wissel ist klassisch orientiert. Seine Figuren sind im Stil des Kubismus gestaltet – sehr schön korrespondieren damit seine Skizzen. „Andrej Becker widmet sich inneren Räumen“, sagt Noffke. Sein Kardinal, sein Junge mit roter Halsschleife wirken wie Karikaturen und haben etwas hintergründig Bedrohliches. Verstörend auch die Landschaften des spanischen kritischen Realisten Inigo Navarro Davila.

Galerie Noffke, Ratzeburg, Domhof 41, bis zum 14. April sa und so von 11.30 bis 17 Uhr oder Tel. 04541/7776

Hier lesen Sie mehr über die Galerie Noffke

Petra Haase