Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Rest der Welt Aladdin als Realverfilmung – Schnulzen auf dem fliegenden Teppich
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt Aladdin als Realverfilmung – Schnulzen auf dem fliegenden Teppich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 22.05.2019
Meister Lampe: Der Dschinn (Will Smith) hält Überraschungen für Aladdin (Mena Massoud) parat. Quelle: Foto: Disney
Hannover

Seit dem Erfolg ihres ersten abendfüllenden Zeichentrickfilms „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ im Jahr 1937 haben die Disney-Studios den internationalen Märchenkanon verkitscht.

Inzwischen hat der Konzern eine zweite Verwertungsrunde eingeleitet, indem er die eigenen Zeichentrick-Klassiker als computeranimierte Realfilme wieder auferstehen lässt. Gerade erst ist Tim Burtons Elefant „Dumbo“ durch die Zirkusarena geflogen, da erhebt sich auch schon „Aladdin“ auf seinem fliegenden Teppich in den Himmel. 1992 brachte Disney seine Version des Märchens aus tausendundeine Nacht heraus, die vom zahlenden Publikum mit 504 Millionen Dollar Einspielergebnis zum weltweit erfolgreichsten Film des Jahres gekürt wurde.

Das ist der offizielle Trailer:

Den Aladdin spielt der ägyptische Newcomer Mena Massoud

Aber auch deutliche Kritik an den Orientklischees wurde formuliert. Während zahlreiche Nebenfiguren mit großen Nasen und wilder Mimik als Ethnokarikaturen angelegt waren, sahen Aladdin und Prinzessin Jasmin aus wie (schwarzhaarige) US-Teenager. Als Vorlage für Aladdin soll damals der junge Tom Cruise gedient haben.

Die Sensibilität gegenüber solchen Stereotypen ist heute stärker denn je und darauf reagiert Disney mit einer Besetzungsliste, die den modernen Diversitätsansprüchen entgegenkommt. Für die Rolle des Aladdin wurde der kanadisch-ägyptische Newcomer Mena Massoud unter Vertrag genommen. Mit einer furiosen Eingangssequenz taucht der Film hinein ins Getümmel der Stadt Agrabah, wo der junge Dieb vor den Ordnungshütern flüchtet.

Aus Aladdins Wunderlampe entsteigt ein blau gefärbter Will Smith

Tanz, Gesang und CGI-Effekte greifen hier nahtlos und fluide ineinander. Regisseur Guy Ritchie und sein Co-Drehbuchautor John August halten sich eng an das Handlungsgerüst der hauseigenen Vorlage und übersetzen auch in visueller Hinsicht manche Szenen fast 1:1 ins Realfilmformat. Aus der Wunderlampe steigt bald ein überdimensionaler, blau eingefärbter Will Smith als Zaubergeist Dschinni hervor. Smith geht hier als magische Witzfigur in die Vollen.

Ritchie gilt ja seit „Bube Dame König grAS“ (1998) als Machoregisseur. So überrascht es, dass er sich hier auf dem Gebiet der Romantik bewährt. Mena Massoud und Naomi Scott als Prinzessin geben ein sehr attraktives Paar ab, das Schnulzen schmetternd auf dem fliegenden Teppich dahinschweben darf.

Der Bösewicht von „Aladdin“ erinnert an Donald Trump

Aber vollkommen aus der Zeit gefallen ist das eskapistische Kinomärchen dennoch nicht: Im Verein mit der neuen Generation von Disney-Prinzessinnen wie „Rapunzel“ und „Cinderella“ beweist sich Jasmin als selbstbewusste Frau, die – abweichend vom Original – am Ende als Herrscherin gekrönt wird.

Äußerst zeitgenössisch wirkt auch der Bösewicht Jafar (Marwan Kenzari), der in seiner Machtgier keineswegs zufällig an die politischen Omnipotenz-Fantasien Donald Trumps erinnert und am Ende spektakulär in die Lampe zurückgezaubert wird. Darauf müssen wir in der außerfilmischen Realität wohl noch ein wenig warten.

„Aladdin“ – Filminfo

Kinostart Deutschland: 23. Mai 2019

• Produktionsland: USA

• Regie: Guy Ritchie

• Besetzung: Naomi Scott, Will Smith, Mena Massoud

• Genre: Abenteuer

• Länge: 128 Min

• Altersbeschränkung: FSK ab 6

Von Martin Schwickert/RND

Staraufgebot bei den Filmfestspielen in Cannes: Leonardo DiCaprio sorgte nicht nur auf dem roten Teppich für Aufregung – sondern auch bei den Journalisten, die zur Pressekonferenz mit dem Superstar durften.

23.05.2019

Neue Abenteuer für Ragnars Wikingernachfahren, eine sehenswerte Thrillerkomödie auf Hitchcocks Spuren, Emily Blunt als gute Zauberin in den Schuhen von Julie Andrews, ein wohlchoreografierter Rachefilm um einen mordlustigen Computerchip, und noch ein Superheld mit langen Haare, Rock’n’Roll-Optik und Sixpack: dies und mehr in den DVD-Tipps von Matthias Halbig.

22.05.2019

Der wortkarge Actionheld überlebt in „John Wick Chapter 3“ (Kinostart in Deutschland am 23. Mai) wieder allerhand Unüberlebbares. Story und Dialoge sind zweitrangig, die Actionszenen sind dagegen gewohnt großartig geraten.

22.05.2019