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Kultur im Rest der Welt „Aquaman“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt „Aquaman“ und mehr DVD-Tipps
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16:48 22.05.2019
Quelle: iStockphoto
Hannover

Counterpart, erste Staffel. Wie stünde es um uns, wären nur einige Weichen in all den Jahren anders gestellt worden? Diese Frage, die sich jeder zuweilen stellt in seinem Leben, versickert gemeinhin in fruchtlosen Mutmassungen. In der Sci-Fi-Serie „Counterpart“ wird es etwas konkreter. Und es macht durchaus Sinn, dass diese faszinierende Geschichte in der einst zweigeteilten Stadt Berlin spielt.

In den Zeiten des Kalten Krieges, so wird hier fabuliert, öffneten ostdeutsche Wissenschaftler ein Tor, mit dem eine zweite Welt zu existieren begann. Identische Paralleluniversen, die sich seit jenem Tag vor 30 Jahren voneinander entfernen und nicht durch einen Mauerfall wiederzuvereinen sind.

Ein kleiner grauer Mann namens Howard Silk (J. K. Simmons), gebrochen durch den Fehlschlag einer Familiengründung und das mysteriöse Dauerkoma seiner Frau lebt in unserer Welt („Alpha“), sein Ebenbild, ein hochrangiger Geheimnisträger und abgebrühter Jäger, dessen Frau (beide Male Olivia Williams) sich scheiden ließ und der seiner Tochter gleichgültig gegenübersteht, in der neuen („Prime“). Howard Prime wechselt in die Welt von Howard Alpha, um den rätselhaften Morden an Prime-Agenten nachzugehen.

Natürlich steht nicht weniger als die Existenz beider Welten auf dem Spiel, und weil nicht immer auszumachen ist, wer wer ist, ist die Spannung zuweilen kaum auszuhalten. Zwei Staffeln sind abgeschlossen, der Sender Starz hat damit seine Schuldigkeit getan, die Macher aber suchen nach einem fortsetzungswilligen, kapitalstarken Streamingdienst, um diese große Story, die zu unserer bröckelnden Welt passt, fortzuschreiben. Zuschauers Blick in den Spiegel jedenfals wird von nun an ein anderer, fragender sein: Was steckt in mir?

Counterpart, erste Staffel Quelle: Sony Pictures Entertainment

Vikings, Staffel 5.1. Die Schwerter der Wikinger sind in der nun vorletzten Staffel von „Vikings“ wieder richtig in Schwung. Die letzten Zeiten unter dem großen Ragnar (Travis Fimmel) waren doch eher zermürbend gewesen. Mit Ragnars Tod in einer englischen Schlangengrube aber endeten Zweifel, Zaudern und Lethargie in der aufwändigen Mittelalter-Serie.

Ragnars Nachfahren brechen nach erfolgter Rache in neue Abenteuer auf: der frisch verwitwete und desillusionierte Schiffsbauer Floki (Gustav Skarsgard) segelt allein ins Ungewisse und strandet in Island, dem Reich der Vulkane, das er für Asgard hält. Ragnars Sohn Björn Eisenseite (Alexander Ludwig) will das Mittelmeer erkunden.

Ivar der Knochenlose (Alex Hogh Andersen), zunehmend vom Glauben an seine Bestimmung erfüllt, fällt mit seinen Brüdern Ubbe (Jordan Patrick Smith) und Hvitserk (Marco Ilso) in York ein, wo er dem Bischof im Anschluss an ein Kirchenmassaker ein geschmolzenes Goldkreuz in den Mund füllt, was den Zorn des sächsischen Kriegsbischofs Heahmund (Jonathan Rhys-Myers) anfacht.

Und König Harald begibt sich in Kattegat als Geisel in Königin Lagerthas (Katheryn Winnick) Hände, um ihr ein Bündnis und eine Ehe anzubieten, was selbstverständlich Trug und Falle ist, denn Harald hat weiterhin vor, König von Norwegen zu werden. Und das ist nur der Auftakt einer überraschungs- und wendungsreichen Staffel(hälfte), die einen bald schon bedauern lässt, dass mit dem nächsten Durchgang alles zu Ende sein soll.

Die Handlungszeit von „Vikings“ überschneidet sich übrigens mit der von „The Last Kingdom“, der inzwischen ebenfalls großartigen anderen Wikingerserie. Nervig ist nur der ewigselbe Raubzug der Fox: Weiterhin wird jede Staffel auf zwei DVD-Boxen aufgeteilt.

Vikings, Staffel 5.1 Quelle: 20th Century Fox/MGM

Nur ein kleiner Gefallen. Den Kniff von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ ahnt man bald. Und trotzdem vergnügt man sich redlich mit dieser Thrillerkomödie um zwei Mütter, die sich anfreunden, obgleich ihre Einstellungen zur Elternschaft so weit auseinander liegen, als ob sie von verschiedenen Planeten stammen würden.

Stephanie (Anna Kendrick) ist eine alleinerziehende Supermom, die bei Schulfestivitäten alle zu erledigenden Elternaufgaben an sich reißt, sich Doris-Day-bieder gibt und als begeisterte Koch- und Bastel-Vloggerin ähnlich nervtötend brav im Internet unterwegs ist. Die mondäne Emily (Blake Lively) lebt dagegen ichbezogen in einer Supervilla, und der nächste Martini ist ihr näher als ihr Söhnchen, das sie so ruppig anfasst wie ihren Ehemann, einen seinem Erstlingserfolg seit langem hinterherschreibenden Schriftsteller.

Eines Tages bittet Emily Stephanie, auf ihr Kind aufzupassen und kehrt tagelang nicht mehr zurück. Die Polizei ermittelt und findet es suspekt, wie schnell sich Stephanie mit Emilys Mann mehr als anzufreunden scheint. In jeder Doris Day kann eine Femme fatale verborgen sein, das ist nicht die einzige Erkenntnis dieses sehenswerten Films auf Hitchcocks Spuren, den auch noch ein besonderer Soundtrack voller alter französischer Popchansons auszeichnet.

Nur ein kleiner Gefallen Quelle: Studiocanal

Aquaman. Aquaman! Er ist für das DC-Extended Universe, was Thor für das Marvel Cinematic Universe war: Lange Haare, Rock’n’Roll-Optik, kühner Blick, Sixpack und die Angewohnheit, den Moment, in dem die fliegende Scheiße den Ventilator trifft, mit einer witzigen Bemerkung zu quittieren. Der unselige Ernst, den die DC-Filmingenieure auch in dem Zweieinhalbstunden-Seepferdchenritt „Aquaman“ etablieren, das Superheldenpathos, das alles Heroische so oft zusammenklappen lässt wie ein Kartenhäuschen – der Titelheld torpediert sie beide.

Das ist nötig, denn mögen die bewegten Bilder dank CGI schon lange so cool aussehen wie die gezeichneten Pendants in den Panels der Comicheftchen, so macht sie das gesprochene Wort im Zweifelsfall sofort unglaublich lächerlich. Etwa wenn da ein Fürst mit Weltbeherrschungsambitionen „Call me Ocean-Master!“ sagt. Echt jetzt?

James Wan, Regisseur des ersten „Saw“-Films, fängt seinen Ausflug ins Comicfach klein und märchenhaft an. In einer stürmischen Nacht findet der Leuchtturmwärter Tom (Temuera Morrison) eine Nixe, die ihm auf die Felsen geworfen wurde. Atlanna, Königin von Atlantis (Nicole Kidman), und der kleine Mann am Meer verlieben sich, bekommen ein Kind und sind fortan mit Glück eingeölt. Bis atlantische Soldaten auftauchen, und die Königin zurück nach Atlantis zwingen.

Tom und Klein-Arthur bleiben zurück, der Junge, der stark wird wie Superman und mit achtfacher Flippergeschwindigkeit taucht, rettet mittags russische Atom-U-Boot-Besatzungen und macht abends in der Kneipe Selfies mit bewundernden Bikern. Alltag an der Küste von Maine. Der endet, als eines Tages auch bei Arthur eine schöne Meeresfrau auftaucht. Mera (Amber Heard) fordert ihn auf, König zu werden und damit den Krieg zu verhindern, den sein Bruder Orm (Patrick Wilson) gegen die ganze Menschheit anzettelt.

Orm will dazu die sieben U-Königreiche hinter sich bringen und hat Meras eigentlich pazifistischen Vater Nereus (Dolph Lundgren) mit einem Trick auf seine Seite gezogen. Zum Auftakt entfesselt der ökologisch argumentierende Orm einen Tsunami und wirft den Menschen erstmal ihren ganzen Plastikmüll auf die Strände zurück. Arthur hat trotzdem keine Lust, den Dreizack des mythischen Königs Atlan aus dem Garten eines Kraken-Hummer-Godzillamonsters zu holen, der seinen Anspruch auf die Krone legitimieren würde. Dann macht er’s doch.

Gott sei Dank! Jason Momoa ist ein Glücksfall fürs Heldenfach. Der Hawaiianer überzeugte zuletzt als grimmiger Pelzjäger Declan Harp in der Trapperserie „Frontiers“, davor als von Melancholie umwehter Reiterbarbar Khal Drogo in „Game of Thrones“. Und mit Witz, Ironie und Charisma reißt er diesen Film an sichl

Dabei ist „Aquaman“ zuvörderst ein Fest aus Licht und Design, eine Maschinerie des Staunens, die die Herzen aller Zehnjährigen und Zehn-Jahre-Gebliebenen geradezu in Sprechblasen anspricht. Die schönste Szene kommt gleich zu Beginn, wenn die wehrhafte Atlanna ihren Fünfzack in den Fernseher des Leuchtturmwärters pfeffert. Eine Kampfansage gegen Netflix und Co, die dem klassischen Kino derzeit das Wasser abgraben.

Ein Film wie dieser, sagt uns Kidman mit ihrem Wurf, ist zu gewaltig für den kleinen Bruder TV. Leider ist dieses Statement eine kleine große Lüge, denn Kidman, Momoa und andere haben längst das Serienformat erobert. Und „Game of Thrones“ hat gezeigt, dass große Drachen auch auf kleinen Bildschirmen maximale Wirkung erzeugen.

Aquaman Quelle: Warner

Mary Poppins‘ Rückkehr. Die Mutter ist gestorben, der Vater mit Geschäftlichem überfordert, die Anwälte setzen eine Zahlungsfrist und der nur scheinbar nette Bankdirektor (Colin Firth) spielt ein doppeltes Spiel, will sich das Haus der Banks-Familie unter den Nagel reißen. Damit Papa Michael (Ben Whishaw), Schwester Jane (Emily Mortimer) und die Kinder John (Nathanael Saleh), Annabel (Pixie Davies) und Georgie (Joel Dawson) nicht auf der Straße sitzen, ist es Zeit für „Mary Poppins‘ Rückkehr“ zu ihren erwachsen gewordenen einstigen Schützlingen.

In Rob Marshalls („Chicago“) Fortsetzung des legendären Disney-Musicals von 1964 kommt Emily Blunt als gute Zauberin in den Schuhen von Julie Andrews wieder aus den Wolken –diesmal an einem Lenkdrachen einschwebend. Mit Aquarell-artigem Zeichentrick im Lande Porzellanien (der Stil erinnert an „Aristocats“) und zeitgemäßer Computeranimation im Unterwasserreich huldigt Marshall dem Original.

Leben und Traum vermischen sich auf magische Weise, Blunt („Girl on the Train“, „A Quiet Place“) zieht alle Register und liefert eine der besten Rollen ihrer Karriere. Die stets wie aus dem Ei gepellte singende und tanzende magische Nothelferin mit der Resolutheit einer Gouvernante ist so bezaubernd wie verlässlich, nach mehr als zwei charmanten Stunden wird selbstverständlich alles gut. Weniger mit direktem Simsalabim als mit dem Talent der Poppins, die Hilfsbedürftigen zur Selbsthilfe anzustupsen.

Fortsetzungen von Disney-Klassikern waren ja meist kleinere, unbedeutendere Geschichten, von vornherein nur für eine DVD-Auswertung gemünzt. „Mary Poppins‘ Rückkehr“ jedoch ist ein A-Movie - munter erzählt, märchenhaft gefilmt, hinreißend choreografiert (samt viktorianischer BMX-Bahn) - bestes (Heim-)Kino mit einem schrillen Auftritt von Meryl Streep als Poppins‘ Großkusine. Perfekte Unterhaltung - auch wenn unter den Songs Ohrwürmer vom Kaliber „Superkalifragelistisch“ oder „Chim Chim Cheree“ fehlen.

Mary Poppins‘ Rückkehr Quelle: Disney

Der Grinch. Dass einem wie dem intellektuellen Grinch die behauptete Jahreszeit von Stille und Besinnlichkeit auf die Nerven gehen kann, lässt sich nachvollziehen. Weil man vor lauter Stress eben oft erst am 24. Dezember reinplumpst ins Frohe-Fest-Getriebe und dann völlig überfordert ist von der abverlangten inneren Ruhe und äußeren Freundlichkeit.

Dass der grüne Grinch, der in seiner Berghöhle miesepetert, von den sich alle Jahre in Sachen adventösem Glitzern übertreffenden Heileweltgrinsern des benachbarten Städtchens Whoville, besonders angepisst ist, ist ebenfalls kein Wunder. Die dortige Buntheit tötet Augen. So beschließt der Kobold, den Whovillern Weihnachten zu stehlen, wovon ihn, das wird dem Zuschauer schnell klar, das gewitzte Töchterchen einer tapfer alleinerziehenden Mutter abbringen wird.

Dass der Weihnachtssaboteur charakterlich kein völliger Ausfall ist, zeigt sich dabei schon an seinem netten, hilfsbereiten Dackel Max, den der Grinch fast so sehr mag wie Wallace seinen Gromit und den er zuweilen gedankenverloren streichelt. Und es zeigt sich auch an der zu freundlichen Synchronstimme von Otto Waalkes.

Das Happy-End ist ab der dritten von 82 Minuten absehbar. So verläuft die Spannungskurve der auf Dr.Seuss‘ zutiefst moralischer Geschichte basierenden Neuverfilmung um ein Waisenkind, Inklusion und Liebe eher flach. Einen Weihnachtsfilm im Frühling anzuschauen, macht trotzdem Spaß. Möglicherweise, weil man die Lebkuchen so sehr vermisst. Die gibt’s ja aber gottseidank schon in der Augusthitze wieder.

Der Grinch Quelle: Universal

Close. Manche Geschichten scheinen absehbar wie drei Meter Feldweg bei Sonnenschein. Natürlich will die Gattin des verstorbenen Firmenchefs, die schmutzige Millionengeschäfte mit Ländern machen möchte, die man in früheren Zeiten „dritte Welt“ nannte, ihrer Ziehtochter, die alles geerbt hat, ans Leben. Das ahnt man bereits nach zehn von 95 Filmminuten.

Und muss sich doch eines Besseren belehren lassen. Das Bodyguard-Kommando, das Samantha Carson (Noomi Rapace) nach Afrika führt, ist jedenfalls eins der Sorte „Himmelfahrt“. Die Action dieses Films von Vicky Jewson geht dann leider über solide nicht hinaus, das Spiel von „Game of Thrones“-Star Indira Varma (Witwe) ist passabel, das von Sophie Nélisse (Ziehtochter) allerdürftigst.

Einzig Rapace als eiskalter Schutzengel, der am Ende dieses Gefechts zu zerbrechen droht, ist tadellos. Die Schwedin, die als Lisbeth Salander in den Stieg-Larsson-Thrillern weltweit Anerkennung fand, muss in Hollywood weiter auf den großen Durchbruch warten. Vielleicht nicht mehr lange. Demnächst wird sie die Operndiva Maria Callas spielen.

Close Quelle: EuroVideo

Monstrum. Ein König aus mythischen Zeiten lässt Gesunde und Kranke in einem Bauerndorf niedermetzeln, damit sich die Pest nicht auf der ganzen koreanischen Halbinsel ausbreiten kann. Einer seiner besten Offiziere ist ob der fürstlichen Gnadenlosigkeit empört, rettet ein kleines Mädchen aus dem Massengrab und wirft dem König sein Schwert vor die Füße. Mit seinem besten Freund zieht er das Mädchen auf einem Bauernhof groß.

Eines Tages taucht der König bei ihm auf und bittet ihn, ihm im Kampf gegen „Monstrum“ beizustehen, einem Ungeheuer, das ganze Dörfer massakriert. Bald wird dem Dreigespann klar, das hinter dem Biest das Menschenwerk eines intriganten Beamten steckt, der König werden will an des Königs statt und das Volk gegen den bisherigen Herrscher aufbringt. Als die politischen Ränke das Heldentrio zu vernichten drohen, ertönt aus den Tiefen einer Schlucht ein Grollen, das nichts Gutes verheißt.

Der Film des südkoreanischen Regisseurs Huh Jong-Ho ist ein splattriges Martial-Arts-Spektakel mit Horrorelementen, dessen Protagonisten zunächst wie unfähige Trottel erscheinen, nur um alsbald umso heroischer auftreten zu können. Das wirkt alles erst simpel und lächerlich, dann richtiggehend ärgerlich, und das titelgebende, menschenfressende Monster ist auf Dauer eher ein langweilendes Ein-Trick-Pony.

Monstrum Quelle: Verleih

Das krumme Haus. Der junge Detektiv Charles Hayward (Max Irons) soll im Auftrag einer früheren Geliebten auf einem alten Herrenhaus den Mörder ihres Großvaters finden. Der superreiche Einwanderer griechischer Herkunft hat sein Vermögen seiner jungen Witwe vermacht, die eifersüchtigen Familienmitglieder sehen auf die frühere Stangentänzerin herab, missbilligen die Ermittlungen ihres Gastes und setzen einander mit Anschuldigungen zu, wobei bald beinahe jeder verdächtig erscheint.

Regisseur Gilles Paquet-Brenner verlegt Agatha Christies Roman „Das krumme Haus“ von den Vierzigerjahren in die Swinging Sixties und hat mit Glenn Close, Terence Stamp, Gillian Anderson und Christina Hendricks ein namhaftes Ensemble am Start. „Crooked House“ war Christie der liebste unter ihren Romanen, indes gibt es beeindruckendere Verfilmungen ihrer Werke. Den wahren Mörder hatte man zwischendurch eher intuitiv und nur für kurz auf seiner eigenen Verdächtigenliste.

Das krumme Haus Quelle: 20th Century Fox

Peppermint – Angel of Vengeance. Ein einsames Auto auf einem Parkplatz in federnder Bewegung bedeutet im Kino normalerweise Sex. In „Peppermint – Angel of Vengeance“ bedeutet es Vergeltung. Die taffe Riley North, die am Rand der Stadt lebt, mitten unter den Heerscharen der Verlierer der freien amerikanischen Marktwirtschaft, hat schnell und effizient einen Widersacher erledigt.

Sie ist eine Guerillakämpferin, eine Vigilantin, die ihre Familie rächt, die bei einem Überfall eines Drogenkartells ums Leben kam. Die Mörder wurden aus unerfindlichen Gründen von der Exekutive gedeckt statt verfolgt. So taucht Riley ab, bringt sich das Kämpfen bei und taucht nach fünf Jahren wieder auf um ihre blutige Pflicht zu tun.

In Rückblenden wird die Nullachtfünfzehn-Geschichte einer braven kleinen Vater-Mutter-Kind-Einheit erzählt, die nach dem kleinen bisschen Glück strebt, die von den „besseren“ Familien der Stadt zwar geschnitten wird, aber dennoch an ihren Idealen und Träumen festhält. Kleine-Leute-Kitsch - bis ein kurzzeitiges moralisches Schwächeln von Rileys Ehemann alles zunichte macht.

Regisseur Pierre Morel und Drehbuchautor Chad St. John ziehen in der Folge die übliche Randalenummer ab - ein Paket Blut & Blei wird geschnürt und abgeliefert, dem – schade - so gut wie nichts Originelles oder Cleveres anhaftet und dessen Einblicke ins Prekariat oberflächlich sind.

Trumpf des Film ist Jennifer Garner, die lange von der Bildfläche verschwunden war und die mit diesem Film ein Comeback ankündigt, das man allen sonstigen Schwächen des Films zum Trotz nicht verpassen sollte. Bekäme sie beim nächsten Mal eine inspirierte Regie, ein besseres Skript – Garner wäre wieder unter den „leading ladies“. Vielleicht sollte man, um das zu erreichen, auch die anderen Jobs Frauen anvertrauen.

Peppermint – Angel of Vengeance Quelle: Universum

Upgrade. Noch ein Rachefilm, schlicht im Ablauf, aber dennoch ein starkes Stück, was die Kameraarbeit und die Choreografie der Kampfszenen betrifft. Der Automechaniker Grey Trace (Logan Marshall-Green, bekannt aus Ridley Scotts „Prometheus“) wird in einer nahen Zukunft mit seiner Frau Asha (Melanie Vellajo) von der Gang des durchgeknallten Fisk (Benedict Hardie) überfallen. Asha wird getötet, Grey bleibt querschnittsgelähmt zurück.

Sein letzter Auftraggeber, ein genialer Wissenschaftler, lässt ihm heimlich seinen neuen Computerchip „Stem“ einbauen, der ihm nicht nur seine Beweglichkeit zurückgibt, sondern für ihn auch die Adressen der Mörder seiner Frau herausfindet. Grey pflegt fortan den Dialog mit der Maschine in sich, deren nüchtern-sanfte Stimme an den Bordcomputer Hal 9000 aus „2001“ erinnert und die ihm bei seinen Vergeltungsmaßnahmen auf eine höchst effiziente, zunehmend beunruhigende Weise assistiert.

Leigh Donnell, Autor der ersten drei „Saw“-Filme und Regisseur von „Insidious 3“, hat mit „Upgrade“ ein dynamisches, spannendes, superunterhaltsames Sci-Fi-B-Movie zum Thema K.I. gedreht. Wenn Grey allen Attacken mit maschinenartigen Bewegungen ausweicht und „Stem“ düpiert zurückweist, als „Ninja“ bezeichnet zu werden, ist „Upgrade“ höchst amüsant, wenn „Stem“ zunehmend gewaltlüstern erscheint, wird Donnells zweiter Film durchaus beunruhigend. In Deutschland gab es keinen Kinostart. Chance verpasst.

Upgrade Quelle: Universal

Von Matthias Halbig

Der wortkarge Actionheld überlebt in „John Wick Chapter 3“ (Kinostart in Deutschland am 23. Mai) wieder allerhand Unüberlebbares. Story und Dialoge sind zweitrangig, die Actionszenen sind dagegen gewohnt großartig geraten.

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Mit seinen schauspielerischen Leistungen habe sich Jürgen Vogel einen beinahe legendären Ruf erarbeitet, so der Leiter des Internationalen Filmfests Emden-Norderney. Die Auszeichnung soll Vogel am 16. Juni verliehen werden.

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Die Wirklichkeit ist kompliziert: Die Dardenne-Brüder beobachten in „Le Jeune Ahmed“ einen fanatisierten Jugendlichen – und wecken im Zuschauer in Cannes vor allem einen Wunsch: Wie lässt sich der Junge bloß stoppen?

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