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Kultur im Rest der Welt „Das Familienfoto“: Schwierige Sippe
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06:00 16.05.2019
Übernehmen eine komplizierte Aufgabe: Elsa (Camille Cottin, l.) und Gabrielle (Vanessa Paradis). Quelle: Foto: Alamode
Hannover

Beim Aufräumen fällt dem Sohn ein Foto in die Hand. Darauf sind seine Mutter und deren beide Geschwister in Kindertagen zu sehen. Glücklich sehen die drei aus, wie sie rotzfrech vor dem Sommerhaus posieren. Aber das Bild ist nur eine trügerische Momentaufnahme. Die Kindheit von Gabrielle (Vanessa Paradis), Elsa (Camille Cottin) und Mao (Pierre Deladonchamps) war von der Scheidung der Eltern überschattet.

An den zerrütteten Familienverhältnissen haben die drei Geschwister auch heute noch zu knabbern. Mao ist zwar als Video-Game-Designer erfolgreich, aber schwer depressiv und latent selbstmordgefährdet. Elsa befindet sich im Zustand nervlicher Dauerverspannung und versucht, sich mit Lebensgefährten Tom (Laurent Capelluto) vergeblich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Die alleinerziehende Gabrielle hat sich für ihren Sohn aufgeopfert, um ihm jene Stabilität zu geben, die ihr in der eigenen Kindheit fehlte. Als der Großvater stirbt, beschließen Gabrielle und Elsa, die demente Oma wechselseitig bei sich aufzunehmen, ohne zu ahnen, welche Verantwortung sie sich damit aufladen.

In „Das Familienfoto“ zeichnet Regisseurin Cécilia Rouaud ein dysfunktionales Sippengemälde, das in grellen Farben vorführt, wie eine verkorkste Kindheit weit ins Erwachsenenleben hineinwirkt. Dabei sind der Regisseurin die Charaktere allzu prototypisch geraten. Die Verteilung der Neurosen wirkt wie aus dem Lehrbuch einer systemischen Familienaufstellung ausgeschnitten.

Chaotisches Familiengefüge

Trotz prominent-kompetenter Besetzung gelingt es dem Regisseur nicht, die Figuren und die geschwisterlichen Beziehungen in ihrer Widersprüchlichkeit zum Leben zu erwecken. Dafür fehlt die narrative Ruhe im demonstrativ chaotischen Familiengefüge. Tragische und komische Elemente wollen sich nicht zu einem tragfähigen Erzählfluss verbinden, auch der harmonisierende Schlussakkord wirkt wenig überzeugend.

Von Martin Schwickert / RND

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