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Kultur im Rest der Welt Sabaton – „The Great War“ auf Platz 1 der Albumcharts
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18:42 29.07.2019
Nummer 1 in Deutschland: Die schwedische Band Sabaton auf dem Soldatenfriedhof von Verdun – das neue Sabaton-Album „The Great War“ erzählt Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg. Quelle: Nuclear Blast/Timo Isoaho
Hannover

„Nein. Niemals. Natürlich nicht.“ Das sagt Joakim Brodén fast empört auf die Frage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), ob er sich insgeheim nach einer „echten“ Kriegserfahrung sehnt. Seine Band Sabaton ist „die Band mit den Kriegsliedern“, und sie veröffentlicht im 20. Jahr ihres Bestehens ein Album über den Ersten Weltkrieg. Supermelodische Songs, bombastischer Sound. Eingestiegen auf Platz 1 in Deutschland.

Mit hart gerolltem „r“ in Brodéns Singstimme rollen die Songs von „The Great War“ über den Hörer hinweg, Lieder über Panzer, Luftkrieg, Gasangriffe, über Lawrence von Arabien („Seven Pillars of Wisdom“), den heldenhaften US-Sergeant Alvin York („82nd All The Way“) oder das deutsche Fliegerass Manfred von Richthofen („Red Baron“). Gäbe es ein Genre Heroic Metal, dann wären Sabaton die führende Band. Ersatzweise hat man Sabaton in die Powermetal-Schublade gesteckt – zu Edguy, Helloween und HammerFall.

Im Metal von Sabaton finden sich auch Bach und Ennio Morricone

Diese Lade klemmt. Mancher Gitarrenlauf Sabatons erinnert an AC/DC, manch anderer an Queen, sogar Johann Sebastian Bachs „Air“ findet sich eingewoben ins Werk der Schweden. Und in „To Hell and Back“, einem Song von 2014 über den US-Soldaten und Westernstar Audie Murphy, verbindet Brodén den Sabaton-Sound gar mit dem Einsamer-Cowboy-Pfeifen Ennio Morricones. „Ich wollte so etwas wie in ,Zwei glorreiche Halunken‘. Die anderen in der Band dachten, ich wäre verrückt.“

Der aktuelle Song über den Roten Baron erinnert in Shufflerhythmus, Tempo, in der Melodie der Strophe und dem exzessiven Hammondorgelsolo frappierend an den Hardrockklassiker „Easy Living“ von 1972. Stimmt, räumt Brodén dem RND unumwunden ein. „Das ist ein Tribut an Uriah Heep“.

Die ungewöhnliche „Sabatonmasche“ begann mit der Suche nach Texten für das erste offizielle Album „Primo Victoria“ (2005). „Der D-Day schien uns bedeutungsvoll. Und die Fans, damals noch wenige, liebten es. Vorher hatten wir uns mit den Lyrics schwergetan, sie waren irgendetwas zur Musik. Plötzlich schien alles zu passen.“

Brodén: „Geschichte besteht aus vielen Geschichten“

So wurden Kriegslieder für Sabaton, was die Masken für Kiss und die schlechte Behandlung von Musikinstrumenten für The Who waren. Sabaton erzählen von Sparta, vom Dreißigjährigen Krieg und von den Verheerungen des 20. Jahrhunderts. Alle Länder finden sich in ihrem Liederbuch wieder und damit touren Sabaton erfolgreich um die Welt – durch Asien, Australien, Nord- und Südamerika, Europa und Israel.

„Geschichte ist nichts anderes als unendlich viele Geschichten“, erklärt sich Brodén den Erfolg seiner Band. „Und alle Menschen lieben Geschichten. In Argentinien gibt es andere als in Deutschland.“ Schüler erzählen, dass sie über die Songs von Sabaton tieferes Interesse am Geschichtsunterricht gefunden hätten. „Das ist ein netter Nebeneffekt“, freut sich Brodén, „aber es kann nur der erste Funke sein. Vier Jahre Erster Weltkrieg kann man nicht mit 40 Minuten Heavy Metal ergründen. Zumal wir geschichtsversessene Rockmusiker sind und keine Historiker.“

Der klassische Geschichtsunterricht, bedauert der 38-Jährige, habe etwas Spannendes todlangweilig gemacht. „Fang mittendrin an, Lehrer“, schlägt Brodén vor. „Erzähle den Kindern die Geschichte von T. E. Lawrence und dem Aufstand der Araber gegen das Osmanische Reich und gehe von dort aus weiter.“

Sabaton stehen im Ruch, den Krieg zu glorifizieren

Sabaton sind basisdemokratisch – das Fanvolk ist bei ihnen Teil der Band. 2009 hatten sie ihre Anhänger erstmals ermutigt, ihnen Songideen zu schicken. „5000 Themen befinden sich inzwischen in unserer Ideenbank. 30 Prozent davon sind nicht zu gebrauchen, aber bis zu 50 Prozent des Albums ,Heroes‘ von 2014 kam tatsächlich aus Fanvorschlägen.“

Haben Sabaton sich für ein Sujet entschieden, dann würden „Bücher, Dokus, alles was greifbar ist, herangezogen, damit der Song am Ende wahrhaftig ist.“ Viele Fans wollten – ausgehend von einem Witz Brodéns, ein „Star Wars“-Album von ihrer Band. „Sorry“, sagt Brodén und lacht.

Sabaton seien eine kontrovers diskutierte Band – darauf ist Brodén hörbar stolz. Sie stehen im Ruf, den Krieg als Heldentum und Bewährung zu glorifizieren, selbst wenn sie über den polnischen Widerstandskämpfer Witold Pilecki singen, den „Inmate 4859“, der sich ins Vernichtungslager Auschwitz einschmuggelte, dessen Berichte über den Genozid der Nazis aber in London für Übertreibungen gehalten wurden.

Antikriegslieder über Todesangst und millionenfaches Sterben

Im Titelsong des „Great War“-Albums und in „The End of the War to End all Wars“ ist von Heroismus allerdings nichts zu spüren. Hier wird der Todesangst der Soldaten gedacht und des millionenfachen Sterbens von Menschen, die eigentlich ein erfülltes Leben leben wollten. Gefechtsdonner am Ende des Lieds weist darauf hin, dass der nächste Krieg heraufziehen, das nächste Weltgrab gegraben wird. Auch heute, 100 Jahre nachdem Deutschland den Friedensvertrag von Versailles unterzeichnete, ist der Planet noch voller Kriege.

„When will we ever learn?“, fragt man Brodén mit Folksänger Pete Seeger. „Nie“, sagt der, und relativiert sogleich. „Einiges ist doch schon besser geworden. Mag sein, das wir im Westen heute in den beunruhigendsten Zeiten der letzten 30 Jahre leben. Ich glaube aber, wenn wir den Menschen, die vor 80, 100, 200 Jahren da waren, sagen würden, worum wir uns heute alles sorgen, wovor wir uns heute alle fürchten – sie würden uns glatt eine reinhauen.“

neues Album: Sabaton „The Great War (Nuclear Blast), erschienen am 19. Juli, Einstieg auf Platz 1 der deutschen Albumcharts am 26. Juli

Sabatons Deutschlandkonzerte der „The Great Tour“ 2020

– 18. Januar – Stuttgart, Schleyerhalle

– 19. Januar – München, Olympiahalle

– 25. Januar – Berlin, Max-Schmeling-Halle

– 31. Januar – Frankfurt, Festhalle

– 1. Februar – Oberhausen – König-Pilsener-Arena

– 11. Februar – Hamburg, Sporthalle.

Von Matthias Halbig/RND

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