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Kultur im Rest der Welt „Der Junge muss an die frische Luft“: Lob der Großfamilie
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20:00 23.12.2018
Verkleidungskünstler: Hans-Peter (Julius Weckauf) hat schon als Kind das Zeug zum Unterhaltungsstar. Quelle: Foto: Warner
Hannover

„Woher nimmt der Kerl das bloß?“ Diese Frage stellen sich viele mit Blick auf die komödiantischen Kapriolen von Hape Kerkeling. In seinem Buch „Der Junge muss an die frische Luft“ versuchte Kerkeling zu erklären, wie er zu dem wurde, der er heute ist. Eingebettet in anekdotische Erinnerungen an seine Kindheit schrieb sich der TV-Komiker ein Trauma von der Seele.

Acht Jahre war Kerkeling, als seine Mutter sich das Leben nahm

Acht Jahre war er alt, als sich seine depressive Mutter das Leben nahm. Dass „Der Junge muss an die frische Luft“ trotzdem ein in seiner Grundhaltung überzeugend optimistisches Buch geworden ist, macht die Kraft von Kerkelings Lebensbekenntnissen aus.

Drehbuchautorin Ruth Toma („Emmas Glück“) hat Kerkelings Buch von allem Ballast befreit. Allein die Sicht des achtjährigen Hans-Peter (Julius Weckauf) zählt, den Regisseurin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“) auch kommentierend ins Geschehen eingreifen lässt.

Der Junge wächst im Schoße seiner Großfamilie in Recklinghausen auf. Der Vater (Sönke Möhring) ist oft auf Montage. So ist es an dem aufgeweckten Sohn, seine Mutter Margret (Luise Heyer) mit kleinen Späßen bei Laune zu halten.

Zarah-Leander-Imitationen verwischen zu Kriegserinnerungen

Im Lebensmittelladen der Großmutter studiert er die tratschende Nachbarschaft, aber auch die feierlustige Verwandtschaft sorgt für kreativen Input: Die Tante holt zu Zarah-Leander-Imitationen aus, nur um danach in Kriegserinnerungen und damit in einen Heulkrampf zu verfallen. Und Oma Änne (Hedi Kriegskotte) fragt: „Hans-Peter, willst du ein Pferd?“ Wenig später fährt sie mit dem Jungen in der eigenen Kutsche durch Recklinghausen.

Es sind die patenten Frauen, die den Jungen mit ihrem beherzten Zweckoptimismus prägen. Die Verwandtschaft wird für das Kind zum Rettungsanker. Hans-Peters Mutter zieht sich zunehmend aus der Welt zurück – bis hin zu jener Nacht, als der Junge wie gelähmt neben der Mutter liegt, die eine Überdosis Schlaftabletten genommen hat. Diese Szene reißt einem fast das Herz heraus, gerade weil Caroline Link sie ohne verstärkende Effekte in Szene setzt.

Wie schafft es ein Kind, nach einem solchen Erlebnis nicht verrückt zu werden? Die Antwort ist von überzeugender Schlichtheit: durch die Liebe derer, die die Verantwortung für den Jungen übernehmen. Dieser Film ist eine Ode an die Kraft der Großfamilie – und natürlich auch ein sentimentales, ebenso aber ein aufrichtiges Werk, von dem man sich ohne faden Nachgeschmack zu Tränen rühren lassen kann.

Link versteht, dass Komik und Tragik einander bedingen – und trifft damit die Essenz des Kerkeling’schen Lebensgeistes.

Von Martin Schwickert / RND

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