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Kultur im Rest der Welt „Die Schneiderin der Träume“: Unsichtbare Mauern
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19:00 19.12.2018
Guter Geist im Haus: Das Dienstmädchen Ratna (Tillotama Shome). Quelle: Foto: Neue Visionen
Hannover

In Indien – mit bald 1,5 Milliarden Einwohnern die menschenmäßig größte Demokratie der Welt – herrscht ein schwer zu überwindendes Kastensystem. Sogar in der quirligen Metropole Mumbai hat jeder seinen Platz innerhalb der strengen Hierarchie

Die freie Witwe und der Reiche im goldenen Käfig

Jedenfalls verhält sich das so im Film „Die Schneiderin der Träume“. Hier begegnen sich zwei Menschen. Ratna (Tillotama Shome), eine 19jährige Witwe vom Land, die vom Beruf der Modedesignerin träumt, und Ashwin (Vivek Gomber), der in Amerika gearbeitet und seine arrangierte Hochzeit in seiner Heimat hat platzen lassen. Er soll die florierende Baufirma seines Vaters übernehmen.

Ratna ist Hausmädchen, er der Hausherr, den sie ehrfürchtig mit „Sir“ anspricht. So ist es üblich.

Es dauert lange, bis Ashwin den unsichtbaren guten Geist überhaupt wahrnimmt. Ratna putzt still die Wohnung, kocht das Essen und serviert den Gästen. Während Ashwin sich in einen goldenen Käfig gesperrt fühlt, spürt Ratna zumindest ein kleines Stück Freiheit in der Anonymität der Großstadt. Irgendwann gibt Ashwin ihr einige Stunden frei, damit sie bei einem Schneider dessen Handwerk lernen kann.

Liebe über die Kastengrenzen hinweg

Dass die beiden bald eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden, ist keine Überraschung in diesem Film. Die Frage aber bleibt: Wie können sie die unsichtbare Mauer überwinden, die sich zwischen ihnen auftürmen?

Die indische Regisseurin Rohena Gera inszeniert ohne jedes kitschige Bollywood-Bohei eine berührende Liebesgeschichte und erzählt dabei von einem riskanten Tabubruch. Dabei orientiert sie sich in Rhythmus und im feinen Spiel mit Andeutungen an ihrem Vorbild Wong Kar-Wai und dessen phänomenalen Film „In the Mood for Love“.

Die Filmemacherin lotet die Gefühle ihrer beiden Protagonisten präzise aus, die gerade dabei sind, Klassenunterschiede zu überschreiten – und sich vor diesem Schritt fürchten. Dabei setzt Gera weniger auf Worte als auf das Können ihrer beiden Schauspieler: Körperhaltung, scheue Gesten und Blicke erzählen mehr als Dialoge.

Erzählt wird die Geschichte einer mutigen jungen Frau

Die Machtverhältnisse zwischen Arm und Reich spiegeln sich in dieser ungleichen Beziehung. Dennoch ist Ratna kein Opfer, wie die meisten der 40 Millionen Hausangestellten, die in Indien ohne staatlichen Schutz allein von ihren Arbeitgebern abhängen und oft auch unter deren Willkür leiden. Ratna ist eine mutige junge Frau. Sie ist wie auch Ashwin in traditionelle Verhaltensmuster eingebunden und hat ebenso wie ihr Dienstherr mit sozialem Druck zu kämpfen. Da tut der aufblitzende Hoffnungsschimmer am Ende dieses sehenswerten Films richtig gut.

Von Margret Köhler / RND

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