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Kultur im Rest der Welt Gutes aus der Welt der Alben – Faber, ELO, Dylan
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09:21 02.11.2019
Schweizerischer Klartext: Der Singer-Songwriter Faber aus Zürich, mit richtigem Namen Julian Pollina, veröffentlicht heute (1. November) sein zweites Album. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Jens Kalaene/zb/dpa

Zweiter Versuch: Wehmütig atmen die Streicher, als malten sie mit ihrer „Ouverture“ den Auftakt zu einer Grablegung. Dabei heißt das Album doch „I Fucking Love My Life“. Auf seiner zweiten Platte findet der Schweizer Faber alias Julian Pollina es schön, wenn es regnet. „Ich frag nicht: Was habe ich getan“ singt er, und „Ich wollt euch doch nur gefallen“. Das hat Faber nicht bei allen geschafft, seine unverblümte Art ist eine des Aneckens und Lieder wie „Brüstebeinearschgesicht“ vom Debüt „Sei ein Faber im Wind“ über einen armseligen Frauentaxierer haben eben nicht alle verstanden in Zeiten, in denen man ein Sexist ist, bevor man bis fünf gezählt hat. „Ich schau dich an und du siehst top aus / Baby schau mich an und zieh dein Top aus“, schlüpft er beim Reggae „Top“ wieder in Rollen und wird wieder nicht verstanden werden von den Empörungswilligen und dem Weghören Zugeneigten. Faber zerrt die Konsumverführer ins Licht in dem mit Synthesizer unterlegten „Das Leben sei nur eine Zahl“. „Besser jung und dumm als nur noch dumm“ heißt Fabers Wahrheit. Und gegen die Dummen, die Rattenfängern auf den Leim gehen, zieht er in seiner Anti-Nazi-Ballade „Das Boot ist voll“ eloquent und auf Schaum zu Felde. „Besorgter Bürger, ja! Ich besorg’s dir auch gleich!“ Zweiter Streich – und Faber ist noch genauso gut wie beim ersten. Und jetzt warten wir auf das, was unzweifelhaft kommt: die besten Konzerte des Jahres.

Faber – „I Fucking Love My Life“ (Universal), erscheint am 1. November

Klassiker: Die Comebackkonzerte 2017 waren nostalgisch, plüschig, magisch, das damalige aktuelle Album des kurz ELO genannten Electric Light Orchestra spielte dabei indes so gut wie keine Rolle. Und so wird es sich wohl auch wieder mit „From out of Nowhere“ verhalten, dem neuesten Werk von Jeff Lynnes neu belebter Truppe, das natürlich nicht „aus dem Nichts“ kommt, sondern fest zum Plan ihres zweiten Frühlings zählt. Im 49. Jahr nach ihrer Gründung schaffen ELO keine Pomprock-Meisterwerke wie „A New World Record“ (1976), „Out of the Blue“ (1977) oder „Discovery“ (1979) mehr. Aber immer noch beherrscht der Frontmann und Songwriter Lynne die Kunst, supermelodiöse Lieder zu schreiben, die in den Charts der Siebziger- und frühen Achtzigerjahre Glanzpunkte gesetzt hätten. Der Titelsong hat ein Beatles-Feeling (ELO galten als Siebzigerjahre-Echo der Fab Four), „All My Love“ versucht sich an Folk-meets-Jachtrock mit Beach-Boys-Reminiszenzen. Und „Down Came the Rain“ mit seinem schimmernden Riff ist (möglicherweise) ein Tribut an Tom Petty, einen von Lynnes Gefährten bei den Traveling Wilburys. Dass ELO noch erleuchtet bombastrocken, beweisen sie dann mit „Sci-Fi Woman“. Mehr solcher Kracher von der Band, die einst das grandioseste Cover von Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ schuf, hätte man sich vielleicht gewünscht. Dennoch ist „From out of Nowhere“ ein formidables Stück Gestern, von dem Lynne gut und gern eine Handvoll Stücke in die ELO-Konzerte von morgen einbauen könnte.

ELO alias Electric Light Orchestra „From Out of Nowhere“ (Columbia/Sony), erscheint am 1. November

Aus den Archiven: Nie ließ Bob Dylan seinen Tenor wärmer aufscheinen als in seiner Nashville-Zeit. Dass er richtig singen kann, bewies Gevatter Krähe bei den Aufnahmen dieser Phase Ende der Sechzigerjahre. Was jetzt auf der Archivveröffentlichung „Travelin’ Thru“ aus Dylans „The Bootleg Series“ nachvollziehbar wird. Dieses 15. Paket der Reihe ist ein wahrer Goldschatz für Dylan-Fans (50 Aufnahmen, 48 unveröffentlicht), stehen im Mittelpunkt doch seine Sessions mit Country-Outlaw Johnny Cash. Der beinahe eine Dekade jüngere Dylan verstand sich prächtig mit dem Man in Black, aus dessen Fundus die meisten der gemeinsamen Stücke stammten. Und das Zusammenspiel mit Cashs St.-Quentin-Band (darunter „Blue Suede Shoes“-Komponist Carl Perkins an der Gitarre) harmonierte offenkundig bestens. Es sind viele Arbeitsaufnahmen, darunter auch Klassiker wie Bluesmann Arthur Crudups „That’s All Right, Mama“, das durch Elvis Presley zum Klassiker wurde, zwei Versuche an Dylans Song „Girl from the North Country“ (das Duett wurde auf Dylans Album „Nashville Skyline“ veröffentlicht) oder der gemeinsame Versuch an „Wanted Man“ (das auf Cashs Livealbum „St Quentin“ Eingang fand). Es gibt auch Bluegrass mit Earl Scruggs zu hören, Stoff von Dylans Auftritt in der „Johnny Cash Show“ und eine mitreißende Performance Dylans von Cashs „Folsom Prison Blues“. Aber das Beste ist in und zwischen den Liedern zu hören, etwa wenn die zwei meisterlichen Songwriter Zeilen je eines ihrer Lieder zur selben Melodie singen. „Haben wir beide vom selben Song geklaut“, führt Cash aus. Gelächter im Studio. Don’t think twice – diese drei Discs sind ihr Geld wert.

Bob Dylan (& Johnny Cash): „Travelin’ Thru – The Bootleg Series 15“ (Columbia/Sony), erscheint am 1. November

Von Matthias Halbig/RND

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