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Kultur im Rest der Welt Mary Poppins‘ Rückkehr: Weihnachtskino für die ganze Familie?
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11:23 19.12.2018
Alles ist erleuchtet: Diesmal tanzt Mary Poppins (Emily Blunt) mit den Londoner Lampenanzündern. Quelle: Foto: Disney
London

Ob der Buchautorin diese Rückkehr ihres Kindermädchens auf die Leinwand nach mehr als einem halben Jahrhundert gefallen würde? P. L. Travers soll ja schon den mit fünf Oscars ausgezeichneten Film „Mary Poppins“ von 1964 nicht sonderlich gemocht haben, egal wie ausgelassen Julie Andrews darin sang und tanzte. Von Travers‘ geballtem Unmut wissen Kinogänger seit dem Film „Saving Mr. Banks“ (2013), in dem Walt Disney und P. L. Travers (gespielt von Tom Hanks und Emma Thompson) sich einen genauso hartnäckigen wie amüsanten Kampf um die Filmrechte an den Büchern lieferten.

Dem neuen Poppins-Film haftet etwas hübsch Altmodisches an

Jetzt erleben wir „Mary Poppins‘ Rückkehr“. Vieles sieht in dem Werk des Musicalroutiniers Rob Marshall („Chicago“, „Nine“, „Into The Woods“) so aus, als sei die Zeit stehen geblieben (obwohl er eine Generation später spielt). Das ist in diesem Fall durchaus als Kompliment gemeint.

Der neue Film ist von der ersten bis zur letzten Minute eine Hommage an den alten. Ihm haftet deshalb etwas Altmodisches an. Aber das muss ja kein Schaden sein, wenn sich alte und junge Fans einvernehmlich in einem Familienfilm versammeln sollen.

Schauplatz ist noch immer der Kirschbaumweg Nummer 17 in einem reichlich künstlich ausschauenden London. Das Erzähltempo ist eingangs so gemächlich, wie man es sich im hektischen Superhelden-Zeitalter kaum mehr vorstellen kann – und auch Mary Poppins ist ja gewissermaßen eine Superheldin mit ganz besonderen Fähigkeiten. Wieder verschmelzen Real- und Animationsfilm, und wieder tanzt Mary Poppins mit Pinguinen – eine ähnliche Einlage mit den „lächerlichen Cartoons“ hat Autorin Travers schon vor 54 Jahren beanstandet.

Der beste Freund von Mary Poppins ist ein Lampenanzünder

Einiges hat sich aber doch geändert. Mary Poppins schwebt nicht mit dem Regenschirm heran, sondern hält sich elegant an einem Flugdrachen fest, die Hacken ihrer Schuhe in exakt im richtigen Winkel aneinandergedrückt. Ihre Ruppigkeit hat sich auf ein Minimum reduziert, und auf Folgsamkeit legt sie nur scheinbar wert. Die meiste Zeit lächelt sie apart in sich hinein, was Emily Blunt wunderbar hinbekommt.

Mary Poppins‘ eigentlichen pädagogischen Ziele gehen dahin, den Banks – egal ob klein oder groß - Mut, Selbstständigkeit sowie eine gehörige Portion Eigensinn nahezubringen. Ihr bester Freund ist ein hilfsbereiter Lampenanzünder namens Jack (US-Musicalstar Lin-Manuel Miranda), der mit seinen Kollegen genauso viel tanzen darf wie einst die Schornsteinfeger. Meryl Streep gönnt sich als Cousine von Mary Poppins einen schrulligen Gastauftritt.

Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Film setzt die Handlung um 1930 ein: Mary Poppins‘ einstige Schützlinge Jane (Emily Mortimer) und ihr Bruder Michael (Ben Whishaw) Banks sind längst erwachsen und staunen nicht schlecht, als ihre einstige Nanny (Emily Blunt) durch die Tür hereinspaziert, als wäre dies das Selbstverständlichste von der Welt. Michael hat drei ziemlich wohlgeratene Kinder, die der festen Überzeugung sind, keine weitere Erziehungsbevollmächtigte zu benötigen.

„Alles ist möglich, auch das Unmögliche“ – so lautet Marys Credo

Doch können sie Mary Poppins‘ Charme kaum mehr als ein paar Minuten widerstehen. Mit wem sonst kann man auch so viel Verrücktes erleben? Etwa in einer Badewanne wie in einem Ozean eintauchen oder sich plötzlich in der aufgemalten Szenerie einer angeknacksten Porzellanschüssel wiederfinden? „Alles ist möglich, auch das Unmögliche“ lautet der Wahlspruch ihres neuen, alten und gar nicht gealterten Kindermädchens. Den will sie den Erwachsenen mindestens ebenso sehr beibringen wie dem Nachwuchs.

Erst vor Kurzem haben Annabel, Georgie und John ihre Mutter verloren. Nun scheint eine weitere Tragödie heraufzuziehen: Die Familie droht ihr geliebtes Haus an den scheinheiligen Bankdirektor William Weatherall Wilkins (Colin Firth) zu verlieren. Wenn Big Ben am Freitag um Mitternacht schlägt und die Banks bis dahin den Kredit nicht abbezahlen können, müssen sie ausziehen.

Aber nun ist der Schutzengel mit dem roten Hut, der roten Fliege, den roten Handschuhen und dem rotbemalten Mund da. Emily Blunt kann vielleicht nicht so perfekt tanzen wie Julie Andrews (in der deutschen Fassung hören wir beim Singen leider nicht ihre Originalstimme), aber ihre Wandlungsfähigkeit ist doch enorm – egal ob sie in einer Komödie wie „Der Teufel trägt Prada“, einem Horrorfilm wie „Wolfman“, einem Thriller wie „Sicario“ mitspielt oder nun ganz verschmitzt in einem Kinderfilm.

Am Ende kommt man recht beschwingt aus dem Kino. Und wer weiß: Vielleicht würde das P. L. Travers ja doch genauso gehen.

Von Stefan Stosch / RND

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