Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Rest der Welt Soulmann mit Zwirbelbart – Foy Vance frönt auf „From Muscle Shoals ...“ dem Sound von Alabama
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt Soulmann mit Zwirbelbart – Foy Vance frönt auf „From Muscle Shoals ...“ dem Sound von Alabama
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 25.06.2019
Sweet Home, Alabama: Der Nordire Foy Vance nahm sein Soulalbum „From Muscle Shoals ...“ in den legendären Soulstudios des US-Südens auf. Wer es hören will, muss digital unterwegs sein. Quelle: Gregg Houston
Belfast

Schiebermütze und Zwirbelbart sind die Markenzeichen des Mannes. Nein, Foy Vance sieht erstmal nicht aus wie der klassische Soulmann. Eher wie einer, der für ein Pickelhaubenkriegsdrama aus der späten Kaiser-Wilhelm-Zeit gecastet wurde. Aber Vance hat ein honigsüßes Reibeisen, hat die Vibes, lässt Worte wie „love“ und „hurt“ gefühlvoll schwingen.

Foy Vance – Der Nordire singt überzeugend von Schmerz und Liebe

Und er singt in „Pain Never Hurt Me Like Love“ davon, dass kein Schmerz so weh tut wie die Liebe. Das würden ihm Aretha Franklin, Wilson Pickett und Otis Redding glatt unterschreiben. Weil die alle schon im Soulhimmel sind, unterschreibt stattdessen die sexy Brassabteilung in Vance‘ Rücken.

Foy wer? Der nordirische Mittvierziger zählt hierzulande noch zu den kaum beschriebenen Blättern. Man hat sich von ihm vielleicht im Januar begeistern lassen, als er Anheizer bei den Deutschlandkonzerten seiner alten Freunde von Snow Patrol war.

Auch für Elton John und für Ed Sheeran machte Foy Vance schon Stimmung. Bei Ed Sheerans Label Gingerbread Man Music ist er denn auch unter Vertrag – dort erschien 2016 sein drittes Album „The Wild Swan“ (koproduziert von Elton John). Eine enge Kumpanei.

Foy Vance – Die digital-only-Entscheidung ist nicht nachvollziehbar

„From Muscle Shoals“ heißt dessen Nachfolger, der am 28. Juni auf den Markt kommt. Vorerst leider nur digital, was nicht ganz nachzuvollziehen ist, denn diese im positiven Sinn altmodische Musik dürfte vor allem die nicht mehr blutjungen Musikhaptiker begeistern, denen Spotify-Leihnahmen zu entstofflicht sind, die eine Disc oder noch besser eine Vinylscheibe brauchen, um Hörerglück zu empfinden. Mangelnde Traute? Oder das Wissen darum, dass der Soul-Hauptmarkt USA sich längst von den klassischen Tonträgern verabschiedet hat?

Die eingangs erwähnten Bläser sind seit je die Markenzeichen der Fame Studios in Muscle Shoals, Alabama, der legendären Soulfabrik, wo die zehn Songs aus Vance‘ Feder eingespielt wurden. Auch Muscle-Shoals-Legende Spooner Oldham lässt seine Hammondorgel sinnlich simmern – etwa bei der schleichenden Funknummer „Hard Work“.

Unter den Liedern ist auch das schleppende „Make it Rain“, das von Ed Sheeran 2014 für den Soundtrack der Bikerserie „Sons of Anarchy“ gecovert wurde. Dessen Eingangszeilen klingen nach Gottesanrufung, erschöpfungsnahem Erlösungsflehen: „Wenn die Sünden meines Vaters / schwer auf meiner Seele lasten /und der Schmerz meiner Mutter / mich nicht loslässt“ – der Gospel à la Vance. Biblisch.

Foy Vance – Schon als Kind sog er die Sounds des Südens auf

Und biografisch. Denn der im nordirischen Bangor geborene Vance verbrachte seine ersten Kindheitsjahre im Bible Belt der USA. Sein Vater war in Oklahoma als reisender Prediger unterwegs. Und so kam Foy früh in Berührung mit den Musiken des amerikanischen Südens. Die ihn nie wieder losließen. Bevor er sich als Singer/Songwriter versuchte, war er Sänger der Belfaster Soulband „Soul Troupe“.

Soul oder gar nicht war denn auch das Motto zum Album. „Ich glaube, das ist es, worum es in diesem Projekt geht: Songs zu dokumentieren, die sonst ungehört blieben“, sagt Vance. Hier sind Lieder versammelt, die er in seinen digitalen Truhen fand, als er Stoff für den Nachfolger von „The Wild Swan“ suchte. Eigentlich ad acta gelegte Soul-Demos, die nun aufgebrezelt wurden, und zum Tanz bitten: „You Love Are My Only“, „Be With Me“ und „Moving On“, das mit einer Gitarre aufwartet, die nach Keith Richards klingt

Foy Vance – Soul braucht Materie! Mach Platten, Foy!

„If you need me, call my name“, barmt Vance in „Sunshine or Rain“. Und dass er uns nie verlassen wird. Da macht er auch gleich Nägel mit Köpfen. Schon im September wird „To Memphis“ erscheinen, das Vance als „companion album“ zu „From Muscle Shoals“ bezeichnet.

Diesen Trabanten, der Americana enthalten soll, Vance‘ anderen prägenden Stileinfluss, hat er in Sam Phillips’ Recording Studios in Memphis, Tennessee, aufgenommen. Phillips war der Mann, der Elvis unter seinen Fittichen hatte, Jerry Lee Lewis, Johnny Cash und Carl Perkins. Man darf gespannt sein, wie die Geister dieses magischen Rock’n’Roll-Ortes in die Vance-Songs gefahren sind.

Vance mag nicht aussehen wie ein Soulmann. Aber das tat sein seelenvoller Landsmann Van Morrison auch nie. Der würde aber niemals auf den digital-only-Gedanken kommen. Soul braucht Materie, Foy! Mach Platten!

Neues Album: Foy Vance – „From Muscle Shoals …“ (Gingerbread Man Music/Atlantic) erscheint am 28. Juni nur digital

Von Matthias Halbig/RND

Es ist kaum auszuhalten: An die 40 Grad warm soll es diese Woche in Deutschland werden. Für Abkühlung ist dennoch gesorgt – und zwar vor dem Fernseher. Bei diesen sechs Filmen gefriert Ihnen garantiert das Lachen.

25.06.2019

Nach monatelangem Clinch um das Sicherheitskonzept beginnt das „Fusion“-Festival an der Müritz. 70 000 Besucher werden erwartet. Das Motto des Festivals ist gesetzt: Polizei, Überwachung und Kontrolle.

25.06.2019

Das Hurricane Festival geht mit großartigen Auftritten von The Cure und den Foo Fighters zu Ende. Es ist das würdige Ende eines Festivals, dessen Bandliste wohl noch nie so gut funktioniert hat.

24.06.2019