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Nachrichten Kultur Lesen Lübecker Grass-Haus soll für Kinder attraktiver werden
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20:04 28.02.2019
Jörg-Philipp Thomsa (l.), Leiter des Grass Hauses, zeigt Hans-Jochen Arndt von der Wessel-Stiftung das Holzschiff „Tulla“. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Er hätte sich sehr gefreut. Davon ist auszugehen. Denn dass der im April 2015 verstorbene Günter Grass bei sechs leiblichen Kindern sowie insgesamt 18 Enkelkindern ein Herz für kleine Menschen hatte, ist wohl kaum zu leugnen. „Als ich ihm im Jahr 2007 von meiner Idee eines Kinderfestes erzählt habe, hat er mich ausdrücklich in meinem Vorhaben ermuntert“, erklärt Jörg-Philipp Thomsa. Damals war der heutige Leiter des Günter-Grass-Hauses noch wissenschaftlicher Volontär in dem Museum.

„Mir war das hier alles zu ehrfürchtig; es sollte lebendiger werden“, erinnert er sich. Spezielle Workshops und Ausstellungen folgten als weitere Angebote für Kinder; doch von dem, was Thomsa nun mit finanzieller Unterstützung der Wessel-Stiftung und des Arbeitskreises selbstständiger Kulturinstitute in seinem Haus umgesetzt hat, konnte er vor zehn Jahren nur träumen.

Direkt aus dem Saal mit der Dauerausstellung gelangen die Besucher zum Holzschiff „Tulla“. Quelle: Lutz Roeßler

„Wir haben viele, sehr schöne Verbesserungen vornehmen können, um das Museum familienfreundlicher zu gestalten“, fasst er zusammen, „dabei hatten wir speziell die Zielgruppe Kinder bis zehn Jahre im Kopf. Nun kann man hier auch Kindergeburtstage feiern.“ Jugendliche seien ehedem häufig zu Gast – „als zum Beispiel das Buch ,Im Krebsgang‘ Abiturthema war, hatten wir rekordverdächtige 300 Führungen für Schulklassen während der Ausstellungsdauer“, weiß Thomsa. Insgesamt gehe es deshalb darum, auch Familien mit jüngeren Kindern in dieses Haus zu locken und sie auf eine Entdeckungsreise zu schicken.

Los geht es nun schon im Museumsshop. Dort erhält jede lütte Besucherin und jeder lütte Besucher die liebevoll gestaltete Ausstellungsbroschüre „Alle an Bord“. Ein Podest, auf das sich kleine Kinder stellen, um den Guide persönlich von den Shopmitarbeitern überreicht zu bekommen, heißt „Kinder-Landungsbrücke“. Das achtseitige Heft hat die bekannte Berliner Kinderbuchillustratorin Nadia Budde extra für das Günter-Grass-Haus gestaltet. Auch die Geschichte darin stammt aus ihrer Feder.

Ein Blick in die Schubladen des Kolonialwarenladens. Quelle: Lutz Roeßler

„Sie war hier mehrere Stunden unterwegs und hat sich tolle Figuren überlegt; die sind angelegt an unser räumliches Konzept und haben alle einen inhaltlichen Bezug zu Günter Grass und seinem Werk“, ist Jörg-Philipp Thomsa noch immer begeistert. Ausgangspunkt war für die Autorin das Holzschiff namens „Tulla“, das als Neuzugang im Museum vor Anker gegangen ist. An Bord können die kleinen und großen Gäste in Ruhe lesen und einige Dinge auf der „Tulla“ erkunden, etwa ein Steuerrad, ein Seh- und ein Sprachrohr.

„Kapitän Olek Schnarok, eine Schnecke mit Schnurrbart und Pfeife, sucht jedenfalls seine siebenköpfige Besatzung. Die hat sich bei uns im Haus verteilt. So sitzen beispielsweise die beiden Schiffsköche, die ,guten Aale mit schlechtem Geschmack‘ in den Kartoffeln des Kolonialwarenladens“, erzählt der Museumsleiter. Der Laden aus dem Danzig der 1930er-Jahre wurde zudem mit Riech-, Hör- und Fühlstationen ausgestattet; und diverse Trommeln von Oskar Matzerath liegen zum Ausprobieren bereit.

Das ist die Besatzung der „Tulla“. Quelle: Lutz Roeßler

Die Suche nach Schiffsjunge Stanko Ratzke, Steuermann Bruno Matuschek und den anderen kann so jedenfalls beginnen. „Es geht nicht darum, aus dem Grass-Haus, wo Kunst und Literatur im Mittelpunkt stehen, ein Kindermuseum zu machen; es geht darum, ein Museum zu schaffen, wo sich auch Kinder gerne aufhalten und Fragen stellen. Schließlich sind Kinder und Jugendliche auch unsere Besucher von morgen“, fasst es Professor Hans Wißkirchen, leitender Direktor der Lübecker Museen, zusammen.

Michael Hollinde

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