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Medien & TV AfD verbreitet manipuliertes Foto von Klimademo
Nachrichten Medien & TV AfD verbreitet manipuliertes Foto von Klimademo
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16:05 20.03.2019
Diese Collage zeigt den Unterschied zwischen Original (r) und Fälschung. Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung
Potsdam

Hunderte Schüler haben sich am 18. Januar 2019 vor dem Potsdamer Landtag versammelt, um bei der „Fridays for Future“-Demo für besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Auch die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtete, die wie diese Zeitung Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland ist.

Dabei wurden auch einige der protestierenden Schüler fotografiert. Doch vor wenigen Tagen tauchte eines der Bilder plötzlich in einem ganz anderen Kontext auf: Der AfD-Kreisverband Stade hatte eine manipulierte Version davon auf seiner Facebook-Seite geteilt.

Manipuliertes Foto ändert Aussagen auf Schüler-Plakaten

Statt „Schulstreik für das Klima“ und „It’s our future“, was ursprünglich auf den Plakaten der Jugendlichen zu lesen war, stand dort nun „Strom und Benzin sind nicht teuer genug –Rettet die Eisbeeren“ und „Schafft die Autos ab, geht doch zu Fuss“. Unter das Bild wurde eine Texttafel mit dem Satz „Diese Kinder kann man nicht mehr retten... Endgültig verblödet!“ montiert. Die AfD verbreitete die dreiste Fotomontage mit den Worten: „Ohne jegliches Hintergrundwissen und dazu vollkommen unbelehrbar...“

Der Screenshot zeigt den inzwischen gelöschten Beitrag der AfD. Quelle: Screenshot Facebook

Einer der Schüler, die hier diffamiert werden, ist sauer: „Meine Meinung wird damit manipuliert und die Leute, die nicht wissen, was wir dort gemacht haben, denken, dass wir irgendeinen Schnulz verbreiten wollen“, sagt Edwin (ganz rechts). Seine beiden Mitdemonstranten auf dem Foto wollten den Vorgang nicht kommentieren.

Schüler hält Fälschung für eine „Frechheit“

Vor allem den zusätzlichen Bildtext, der die Kinder „endgültig verblödet“ nennt, empfindet Edwin als „Frechheit“ und als „persönlichen Angriff“. Dennoch zeige der Vorgang, dass die Demonstration eine Wirkung hat und Beachtung fände. „Ich werde mich davon auf keinen Fall beeinflussen lassen“, sagt der 16-Jährige. Seiner Meinung hat die AfD ein Problem damit, dass die Schüler die Schule schwänzen, „um für sich für wichtigere Dinge einzusetzen“.

So sieht das Original-Foto aus, dass der Lokalreporter in Potsdam aufnahm. Quelle: Jan Russezki
Und diese dreiste Fotomontage kursiert auf Facebook – signiert von dem polizeibekannten Internettroll Uwe Ostertag. Quelle: Jan Russezki

Der niedersächsische AfD-Kreisverband Stade hat den Beitrag nach einigen kritischen Kommentaren – allerdings nachdem er bereits mindestens 33 Mal geteilt wurde – inzwischen wieder gelöscht. Es kursieren jedoch weiterhin Screenshots davon auf Facebook. „Es ist unser Bestreben, keine Fakes und Fälschungen zu publizieren“, erklärt das Facebook-Team des Kreisverbandes Stade auf Anfrage. Die „vermeintliche Bildmanipulation“ sei gemäß der Redaktionsregeln sofort gelöscht worden, heißt es weiter.

Eine Nachfrage, warum das offensichtlich manipulierte Foto trotz der Redaktionsregeln überhaupt veröffentlicht wurde, ließ der Kreisverband unbeantwortet. Klar ist: Auf seiner Facebook-Seite teilt der Kreisverband auch andere Beiträge, die sich gegen die Bewegung richten. So ist dort das Video einer Rede des bildungspolitischen Parteisprechers Harm Rykena zu sehen, die die Schüler als panisch darstellt. Rykena rät den Schülern, sich „nicht politisch instrumentalisieren“ zu lassen.

AfD in Stade verbreitete schon 2016 ein Fake-Foto

Es ist auch nicht das erste Mal, dass der AfD-Kreisverband durch ein manipuliertes Bild für Aufsehen sorgt. Bereits 2016 hatte der stellvertretende Vorsitzende der AfD Stade, Lars Seemann, einen Flyer gebastelt: „Innere Sicherheit im Landkreis Stade – Rechtsstaat am Boden“ stand neben dem Foto eines schwarz gekleideten Demonstranten , der einen Polizisten niederschlägt. Auf seinem Rücken prangte das Antifa-Logo. Doch wie die „tageszeitung“ aufdeckte, stammte das Foto in Wahrheit aus Athen – das Logo war hinein montiert worden und der Fotograf des Originals wusste gar nichts von der unbefugten Weiterverwendung.

Bei dem manipulierten Foto der Schüler handelt sich allerdings um einen geteilten Beitrag. Ursprünglich hatte ein Facebook-User namens Reiner Brednarski die Montage mit den manipulierten Plakaten, deren Rechtschreibfehler offenbar fehlende Schulbildung suggerieren sollen, am 17. März 2019 gepostet. Er postete es auch danach noch mehrfach, zuletzt am Mittwochmittag. Es wurde bereits über 800 Mal geteilt und über 250 Mal kommentiert, überwiegend kritisch, etwa als „entlarvte AfD-Lüge“ und „schlechter Fake“. Auch die weiteren Beiträge von Brednarski –Bildern mit dem Slogan „Merkel muss weg“ und AfD-Logo – lassen auf ein rechtes Profil schließen.

Signatur deutet auf polizeibekannten Troll hin

Von wem die Montage ursprünglich stammt, ist unklar. Im unteren Teil des Bildes ist die Signatur „In Satira by Uwe Ostertag“ zu erkennen. Dabei handelt sich dabei um einen polizeilich bekannten, selbsternannten Satiriker. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte ihn bereits 2014 als „Internet-Troll“ bezeichnet – also als jemanden, der nicht aus Interesse an Diskussionen, sondern aus purer Provokation und Hetze Beiträge im Internet kommentiert.

Weil Ostertag Zitatbilder fälschte, wurde er im Februar 2017 in erster Instanz zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung wegen Volksverhetzung, gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt. Vor Gericht prophezeite er den „Holocaust der Meinungsfreiheit“. Seine eigene Facebook-Seite ist inzwischen gelöscht. Auf Anfragen zu dem gefälschten Foto der Potsdamer Schüler reagierte Uwe Ostertag bis Mittwochnachmittag nicht.

Zeitung erwägt rechtliche Schritte

Die „Märkische Allgemeine Zeitung“ behält sich rechtliche Schritte gegen die Urheber und Verbreiter des gefälschten Fotos vor. „Wir können nur unsere Bildrechte geltend machen“, sagt Martin Schlaak, Justiziar der Zeitung. Die unberechtigte Weiterverbreitung würde untersagt, sobald eine Zustellungsadresse eines Anspruchsgegners vorliege. Bilder würden häufig unzulässig verbreitet. Bei den Potsdamer Schülern handele es sich aber um einen Sonderfall, weil die Fotos zu einem bestimmten Zweck manipuliert wurden.

„Die Abgebildeten können in jedem Fall dagegen vorgehen. Sie sind gut zu erkennen und werden mit dem Text diffamiert“, sagt Schlaak. Die Erfolgsaussichten seien gut, weil falsche Tatsachen weiterverbreitet würden. „Da kann man sich auch nicht darauf berufen, dass man das Bild nur von anderen hat. Jeder, der es verbreitet ist letztlich dran und hat es zu unterlassen“, sagt er. Neben einem Anspruch auf Unterlassung käme auch Schadensersatz in Betracht.

Potsdamer „Friday for Future“-Bewegung lässt sich nicht unterkriegen

Die „Fridays for Future“-Bewegung in Potsdam lässt sich von dem Vorfall nicht unterkriegen: „Die Fälschung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Pfad sind und Leute aufrütteln“, sagt Vincent, einer der Demo-Organisatoren. „Es zeigt, dass die Sachargumente fehlen und sich nicht auf eine Diskussion eingelassen wird. Es wird lieber versucht, mit Fake-News Stimmung gegen uns zu machen“, erklärt er. Am kommenden Freitag wollen die Schüler auch in Berlin für die Umwelt eintreten – dann ist auch ihr Vorbild Greta Thunberg dort. „Wir stehen nun noch näher zusammen“, sagt Vincent.

Von Jan Russezki und Maike Schultz / RND

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