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Medien & TV „Disenchantment“ bei Netflix gestartet– Keine Lanze für die Königstochter
Nachrichten Medien & TV „Disenchantment“ bei Netflix gestartet– Keine Lanze für die Königstochter
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07:37 18.08.2018
Kein Bock auf Prinzessin-Sein: Tiabeanie macht in Matt Groenings neuer Fantasy-Serie, was sie will und nicht, was ihr Vater, der König, möchte. Quelle: Netflix
Hannover

In einem fernen Land lebte einst eine Prinzessin namens Tiabeanie, die alle nur Beanie nannten. Sie war die Tochter von König Zog und Königin Dagmar und ihre Kindheit war ein wonniger Traum. Jetzt aber hat sie eine böse Stiefmutter, die amphibisch grün aussieht und mit ihrer Zunge Fliegen fängt und ihr Vater ist ein dicker, cholerischer Misanthrop geworden. So pokert Beanie lieber in den Schänken des Dorfs, betrinkt sich, bis sie von der morgendlichen Seuchenpatrouille bewusstlos auf deren Leichenkarre geworfen wird und strebt vergeblich nach Sex vor der Ehe, statt in der Burg niedliche Prinzenbeute zu spielen. Niedlich? Mit ihren weißblonden Haaren und ihrer selbstbestimmten Art erinnert die robuste Beanie zwar durchaus an Daenerys alias „die Khaleesi“, die Thronprätendentin aus „Game of Thrones“. Aber sie hat Eieraugen und Hasenzähne, wirkt sexy frühestens auf den dritten Blick. Ein klassisches Matt-Groening-Mädchen.

Nach Simpsons und Futurama nun Disenchantment

Der rekordbrechende Cartoon-König Groening, der uns mit seinen „Simpsons“ Amerika und die Amerikaner verstehen half und die TV-Zuschauer mit „Futurama“ auf vergnüglichste Weise glauben ließ, die Menschheit hätte noch eine Zukunft, wendet den Blick in seiner dritten Serie (diesmal für den Streamingdienst Netflix) in die Vergangenheit. Zehn Jahre hat der inzwischen 64-Jährige an der mittelalterlich anmutenden Fantasykomödie „Disenchantment (Entzauberung)“ gearbeitet. Und wie man so sagt, wenn man jemandem auf nicht allzu verletzende Art nachlassendes Talent bescheinigen möchte: Er wird langsam alt, der Matt, sogar seine Gags sind reichlich matt.

Jedenfalls braucht es einige Folgen, bis man dieser Geschichte einer weiblichen Emanzipation in patriarchalischen Zeiten endlich sein Zwerchfell leiht. Los geht es mit Beanies Zwangsverheiratung aus politischen Gründen. Der erste Bräutigam spießt sich glücklicherweise schnell an den Schwertern auf, aus denen Zogs eiserner Thron geschmiedet ist. Sein jüngerer Bruder ist schon überlebensfähiger, hat aber mit seiner Maxime „Ich höre nicht auf Frauen!“ auch keine Aussicht, Beanies Märchenprinz zu werden. So begibt sich die Königstochter mit ihren beiden neuen Kumpanen auf die Flucht vor den mediävalen Geschlechterrollen. Die sind erstmal keine wirkliche Hilfe: Elfo, ein Elf, der das glücklich-doofe Dasein im Elfenland satt hatte, kommt nicht recht los von seiner glücklich-doofen Elfenart. Er wirft Luci, dem stets im überheblichsten Schlauschnacker-Tonfall dozierenden Dämon nicht zu Unrecht vor, ein „Verführer“ und „Verderber“ Beanies zu sein. Luci, der damit nur den Traditionen kleiner Teufel folgt (aber in wahrheit ein rabenschwarz-golden-geschecktes Herz hat), drückt das anders aus: „Ich bin ein Ermöglicher!“ Der Teufel steckt in der Auslegung.

Politische Parodien? Fehlanzeige

Drei Antihelden in einer Welt voller Meuchler, Monster und Alchemisten, die ihren Königen (sehr zu Elfos Nachteil) einreden, Elfenblut sei das Elixier des Ewigen Lebens. Hier wird schnell gestorben, hier fließt das Zeichentrickblut in Strömen: Hofnarren, denen ein gesellchaftskritischer Oneliner rausrutscht, fliegen spontan aus dem Turmfenster, eine Wikingerhorde, die Beanies Party sprengt (sie hat ein Wochenende lang sturmfreie Burg), gehen ganz schnell durch die geheime Bodenklappe. Das klingt komischer als es ist , wirkt zu oft staksig, ja behäbig inszeniert, mit aufgesetztem Wortwitz. Die Band eines Burgbewohners heißt allen Ernstes „Pillage People“ (Plünderer) und soll zum Erntefest bim „Cornchella“-Festival spielen. Nein, das rockt nicht.

Man sucht den politisch ruchlosen Groening. Immerhin hat Beanies Daddy orangefarbenes Haar, Charme und Mimik eines Schulhofschlägers und drückt sich in kurzen herausgebellten Sätzen aus. Eine rechte Parodie auf den derzeitigen König von Amerika will’s dennoch nicht werden.

Disenchantment gerettet durch Sidekicks

Bis zur vierten Episode kann der Zuschauer jedenfalls die platinblonde Coming-of-Age-Lady Tiabene gut verstehen, die nichts wie weg will weg aus Dreamland. Es geht einem genauso, man spielt öfter mal mit der Fernbedienung. „Dienchantment“ ist zunächst eine „disappointment“. Danach wird es mählich besser, was vor allem an Beanie mit ihren Sidekicks liegt, die man doch ins Herz schließt und die uns bei der Stange hält. Und schließlich ist eine halbe Stunde auch nicht allzuviel verlorene Zeit. Aber, wie es ein Rittersmann formulieren würde: Bislang ist das keine Serie, für die man eine Lanze bricht.

Von Matthias Halbig/RND

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