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Medien & TV „Fake News“: Mann muss für Polizeieinsatz zahlen
Nachrichten Medien & TV „Fake News“: Mann muss für Polizeieinsatz zahlen
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08:34 03.04.2017
Die Polizei in Schleswig-Holstein geht erstmals juristisch gegen einen Urheber von Falschmeldungen vor. Quelle: dpa
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Reinsbek

Die Landespolizei betritt juristisches Neuland: Erstmals in Schleswig-Holstein geht die Behörde gegen den Urheber von Falschmeldungen vor, die über Twitter und Facebook verbreitet wurden. Das berichten die „Kieler Nachrichten“. Nach Recherchen der Zeitung hatte der aus dem Raum Lübeck stammende Mann mit den Fake News einen Großeinsatz im Kreis Segeberg behindert und Panik geschürt – nun soll er mehrere Hundert Euro Schadenersatz zahlen.

Anlass war das dramatische Geschehen am 20. März in Reinsbek. Mit einem Großaufgebot waren Polizei und Rettungskräfte in den Abendstunden zu einem Familiendrama geeilt. Ein 19-Jähriger hatte drei Angehörige mit Messer und Beil verletzt und war geflüchtet. Die Polizei fahndete mit Hunden und einem Hubschrauber nach dem jungen Mann. Stunden später stellte er sich in Hamburg.

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Polizei veröffentlicht Postings bei Facebook

Auf Twitter und Facebook wurden nach der Tat mehrere Falschmeldungen verbreitet. Darin hieß es, die Polizei sei mit Spezialeinsatzkräften im Einsatz und habe die Bewohner gebeten, die Öffentlichkeit zu meiden. Gewarnt wurde in den Posts sogar vor einem „Amokläufer“: „Die Polizei sucht mit Spezialkräften einen Amokläufer“, heißt es in dem Posting, das die Polizei auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hat.

Das löste Panik bei vielen Bürgern aus, die das im Internet lasen. Besorgt riefen sie die Polizei an. Die Leitungen liefen heiß. Die Leitstelle konnte kaum noch ihrer Arbeit nachgehen. Und die Polizei musste in der Nacht Beamte alarmieren, damit sie auf der Facebook-Seite der Segeberger Polizei diese verbreiteten Falschmeldungen als Fake News entlarven. Die zusätzlichen Personalkosten werden jetzt dem Verbreiter in Rechnung gestellt. Es soll sich um mehrere hundert Euro handeln. Der gut gemeinte Rat der Polizei lautete schon damals: „Verbreitet solche Meldungen in den sozialen Medien nicht, auch nicht durch Teilen oder Retweeten.“

Von RND/Gerrit Sponholz/are

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