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19:07 26.12.2018
Weihnachtsengel sehen anders aus: Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) suchen nach Erleuchtung. Quelle: Foto: dpa
Frankfurt

Der Auftakt, den sich Regisseur Lars Henning ausgedacht hat, macht zumindest neugierig: Die Kamera schwankt wie bei schwerem Seegang, weil sie die Perspektive des Fotoapparats der Kommissarin zeigt; die unheilvolle Musik könnte auch aus einem Horrorfilm stammen. Janneke (Margarita Broich) ist vor ihrem Partner Brix (Wolfram Koch) am Tatort eingetroffen: Eine Frau ist nachts aus großer Höhe gestürzt; über ihren Kopf ist eine Plastiktüte gestülpt. Laut Obduktion hatte sie unmittelbar vor ihrem Tod Sex mit mehreren Männern. Sie lebte allerdings bereits nicht mehr, als sie vom Dach eines Büroturms in die Tiefe geworfen wurde. Ihr Erstickungstod ist vermutlich ein Sexunfall und damit eigentlich kein Fall für die Mordkommission.

Aber Janneke ist bei ihren Nachforschungen in dem Hochhaus niedergeschlagen worden und liegt nun mit Schädel-Hirn-Trauma auf der Intensivstation – weshalb der Kollege den Fall persönlich nimmt. Seine Recherchen enden allerdings an einem unüberwindbaren Hindernis: Die vielen kleinen Unternehmen aus dem Büroturm gehören alle irgendwie zusammen, aber das Geflecht ist völlig undurchschaubar; die Mitarbeiter verweisen auf ihre Verschwiegenheitsklauseln, und wenn einer wie der junge Bijan (Rauand Taleb) den Schleier zumindest ein bisschen lüften will, sorgt Anwältin Rothmann (Katja Flint) umgehend dafür, dass alle Geheimnisse gewahrt bleiben.

Brix findet immerhin raus, dass es bei den Firmen um Geldvermehrung mithilfe von Algorithmen geht und die junge Frau bezahlte Teilnehmerin einer Sexparty für Investoren war. Er vermutet Geldwäsche in großem Stil, aber die Nachforschungen enden im Nichts.

Triste Farbe, frustrierende Ermittlungen

Gerade die Bildgestaltung macht den Krimi aber zu einem besonderen Film. Carol Burandt von Kameke hat die Bilder in fahle Farben getaucht. Die Innenaufnahmen verbreiten mit ihrem Gelbgrünstich eine trostlose Stimmung, die perfekt zu den frustrierend ineffizienten Ermittlungen passt. Die Außenaufnahmen wirken wie aus einem Endzeitfilm und erinnern an das Licht kurz vor einem Sommergewitter. Die kunstvolle Farbgebung könnte jedoch ihren Teil dazu beitragen, dass „Der Turm“ mutmaßlich weniger Freunde finden wird als andere Sonntagskrimis. Dafür sorgen zu Beginn auch die Bilder der wahrlich nicht weihnachtlich anzuschauenden Leiche, aber das ist gar nichts gegen eine unnötig eklige Traumszene im Krankenhaus, als Janneke ihren Kopfverband entfernt und sich einen Finger in den Schädel steckt. Für menschliche Wärme sorgt lediglich Brix’ Vermieterin Fanny (Zazie de Paris), die sich um die angeschlagene Janneke kümmert.

Showdown im nächtlichen Frankfurt

Zwischenzeitlich hat der Film auch Durchhänger, wenn die Geschichte gemeinsam mit dem Ermittlerduo auf der Stelle tritt. Das lässt sich auch durch eine kleine Gastrolle von Zoe Moore nicht retten. Zum Ausgleich gibt es einige schöne Freundschaftsszenen mit Janneke und Brix. Die beiden sind zwar immer noch per Sie, aber seine Hilfsbereitschaft ist sehr sympathisch.

Der etwas seltsame Showdown dieses „Tatorts“ der dunklen Töne, in dem Lars Henning nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste, findet passenderweise im Finstern statt. Nur so viel sei verraten: Menschen, die sich in dunklen, engen Räumen unbehaglich fühlen, werden das nicht unbedingt genießen.

Wer am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Kontrastprogramm zu Familie, Lichterglanz und Weihnachtsfreude braucht, dürfte sich bei diesem Frankfurter „Tatort“ gut aufgehoben fühlen.

Von Tilmann P. Gangloff

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