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Medien & TV Tag 10 im Dschungelcamp: Brain, Bohnitätsprüfung und Bildungshunger
Nachrichten Medien & TV Tag 10 im Dschungelcamp: Brain, Bohnitätsprüfung und Bildungshunger
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09:57 21.01.2019
Vor ihrem Bachelor-Studium muss Evelyn noch die Ameisen los werden. Quelle: TV NOW / Stefan Menne
Hannover

Murwillumbah. Halbzeit im Camp Quatsch. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Jetzt zeigt sich, wer hier nur ein Strohfeuer zustande kriegt und wessen mediales Buschfeuer in eigener Sache wild lodert. Allmählich sorgt der Kalorienmangel für allgemeine Enthirntheit. Reis und Bohnen – das macht auf Dauer die abgezockteste Boulevardhaubitze mürbe.

Die Fachwelt spricht von der sogenannten Bohnitätsprüfung. Symptome: kurze Lunte, Blitzheulerei und Streitlust. Das ist gut für die Quote und schlecht für den Frieden im Busch, was wiederum gut für die Quote ist.

Wechselspiel des Elends

Auch Folge zehn war wieder ein Wechselspiel des intellektuellen Elends, angeführt von „Superbrain“ Evelyn, die Tag für Tag den Nachweis erbringt, das man mit erstaunlich geringem Hirnaufwand doch geradeauslaufen kann. Es hat etwas Putziges, wie sie hier für Mindesthohn ihre Haut zu Markte trägt, „Opferin“ hin oder her.

Die Breaking News des Abends: Evelyn will nach der Show studieren und „Bücher lesen”. Um nicht zu sagen: den Bachelor machen. Also: den echten. Man darf das nicht vergessen: Die Frau hat Abitur. Doch. Tatsächlich. Und wer ist schlau, Evelyn? Na? „Den schlausten Menschen der Welt gibt es nicht mehr. Das war Albert Einstein. Und der hatte etwas Überdimensionales in sich drin.“

Die Prüfung: Fruchtsäurepeeling im Kolosseum

Alle zehn Camper mussten sich am Sonntag im Dschungel-Kolosseum mäßig spannenden Spielchen stellen – wie überhaupt die Prüfungen seit Jahren nur noch langweilige Routineekelnummern sind. „Das ist schlimmer als Fruchtsäurepeeling. Was ist mit meinen Wimpern?“, klagt Evelyn, die Gehörgänge voller grüner Ameisen, die Dr. Bob seltsam engagiert ausspülte.

Gibt es Ohrenfetischismus? Neun von zehn Sternen. Läuft. „Kann man von Ameisen sterben?“, fragt Evelyn. Nein, kann man nicht. Und was viele nicht wussten: „Yotta“ kommt „aus dem Mathematischen“ und bedeutet so viel wie krasser als krass. Sagt Yotta. Es muss sich um einen Übersetzungsfehler handeln. In Wahrheit kommt „Yotta“ aus der Hölle und bedeutet so viel wie „Der Egomane, der nichts mehr merkt“.

Raus flog am Ende aber nicht der Yotta, sondern Tommi.

Und raus bist Du: Tommi Piper muss das Camp verlassen. Quelle: TV NOW / Stefan Menne

Evelyn wie eine Kartoffelkönigin

Ansonsten guckt das Camphascherl Evelyn weiterhin pumperlgesund aus der Wäsche – krokett wie eine Kartoffelkönigin. Gegen Evelyns entwaffnende Erdmännchenniedlichkeit („Hätte ich mehr Nährwerte im Kopf, hätte ich das gewusst!“) wirkt Giseles Tränengedrücke kalkuliert. Jenes Nölmodel Gisele, das diesmal die Rolle der Dienstheulsuse übernommen und vom deutschen Freizeitsadisten auf dem heimischen Sofa immer und immer wieder in die Prüfung geschickt wurde.

Dass es Thorsten „Kassalla“ Legat jüngst gelang, sie in ihrer neunten (!) Dschungelprüfung zu Höchstleistungen anzuspornen, zeigte, dass sich da zwei gefunden hatten. Der Legat klang wieder so provinzpathetisch, als hätte er Gandhis verkorksten Cousin verschluckt. Sie sind eben Seelenverwandte. Wenn du solchen Typen wie Kassalla & Gisella eine Fackel anzündest und ein paar Kalendersprüche murmelst, folgen sie dir blind in den Tod.

Gnädige Rationen Bohnen

RTL war in Ernährungsfragen diesmal ja vergleichsweise gnädig: Die Reis- und Bohnen-Rationen sind in diesem Jahr von „Noch weniger wäre strafbarer Nahrungsentzug“ auf „Von Irgendwas müssen ja auch Boulevardheißdüsen leben“ erhöht worden.

Gleich zu fünft mussten die Camper ihre Köpfe in eine Ameisenkiste stecken. Quelle: TV NOW / Stefan Menne

Das Interesse des Publikums hat sich auf einem unspektakulärem Mittelwert eingepegelt –immer noch weit über RTL-Schnitt aber deutlich unter den Rekordwerten. Ist ja auch kein Wunder: Die Gurkentruppe 2019 mit ihrem Alphamännchengepluster hat Potenzial – aber Larissa Marolts fallen eben nicht vom Himmel. Es wird dann doch auch wieder viel sinnlos herumgelegen. Wenn auch nicht ganz so viel wie damals mit Dschungel-Gekko Tanja Schumann, der größten Stagnationskünstlerin, die diese Show jemals gesehen hat.

Und was war sonst noch los in der Sonntagsausgabe? Nix. Aber RTL gelingt es, selbst das Nix zu inszenieren wie einen Kostümball in der Hölle. Der Sender, „der Ihnen immerhin Axel Schulz als Boxer verkauft hat“ (Daniel Hartwich), besteht aus Fernseh-Alchemisten: Auf einer Glatze locken drehen – das beherrschen die 400 Dschungelspezis, die der Sender nach Down Under geschickt hat, perfekt.

Die machen aus einem Bratpfannenstreit griechische Tragödie. Gegen das pompöse Geheule bei der sonntäglichen Liebesbriefausgabe etwa war „Vom Winde verweht“ ein laues Liebeslüftchen.

Hauptsache, es knallt

Am Ende ist es beim jährlichen Schamfestival von Murrwilumbah ja völlig wurscht, wer als Kind Radklappen geklaut hat (der pöse, pöse Felix!), wer sich die Sommersprossen wegradieren wollte (Na? Evelyn natürlich) und wer sein Haargel mit Enthaarungscreme verwechselt hat (ihr Ex Domenico, der das Camp mitsamt seinem fluffigen Haupthaar bereits verlassen hat). Es ist auch egal, welche sorgsam zurechtgelegten „Beichten“ am Campfeuer sonst so aus den Mündern purzeln. Es ist eigentlich alles egal, erst recht, wer gewinnt.

Der Currywurstmann musste einen Stern aus einem Schlangenkäfig retten. Quelle: TV NOW / Stefan Menne

Hauptsache, es gibt ein paar feine Wortschöpfungen, die frisch aus der zugigen Dachkammer des unterzuckerten Geistes purzeln („Germanys Next Tobbel“!). Und Hauptsache, es knallt ordentlich. Kann ja nicht jeder so buddistisch-müslihaft in sich ruhen wie der vom Glück der Erde naturbesoffene Zenmeister Peter Orloff, selbsternannter Begückungsbeauftragter und Bote Gottes, zu dem Evelyn bewundernd aufblickt wie ein Entenküken zum Erpel: „Du bist weise und mit Gott.“

Am Ende geht es im Dschungel ja doch nur um die großen, alten Fragen der Menschheit: „Wenn im Osten die Sonne aufgeht – was passiert dann im Norden?“ Ach, Evelyn. Bisschen schwanzig alles, gell? Aber egal. Stein drüber. Herr Gott, lass Regen regnen. We are strong, Hilti and full of Energy.

Lesen Sie hier: Noch Fragen? Alle Antworten zu Tag neun im Dschungel

Alle Infos zu „ Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!im Special bei RTL.de

Von Imre Grimm/RND

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