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Medien & TV Jason Priestley – Comeback als Schnüffler
Nachrichten Medien & TV Jason Priestley – Comeback als Schnüffler
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12:47 15.07.2018
Positive Bilanz: Jason Priestley (48) bei der Deutschlandpremiere der Crime-Serie „Private Eyes“. Quelle: Foto: dpa
Los Angeles

Man zögert kurz ungläubig, wenn er am Flatscreen auftaucht. Doch einmal, zweimal, dreimal blinzeln – dann kehren alle Erinnerungen ans süßeste Stirnrunzeln des vorigen Fin de Siècle zurück, dieser unvergleichliche Gesichtsausdruck zwischen Eitelkeit, Empathie und Arglosigkeit, den keiner vergisst, der ihn gesehen hat.

Brandon Walsh war der Inbegriff des Traumchwiegersohns

Fast drei Jahrzehnte ist es nun her, dass er Mädchenherzen millionenfach zum Schmelzen brachte. Die beiden Deutschlande waren gerade frisch wiedervereinigt, ihre Fernseher noch klobig wie Strandkörbe und Serien darin meist aus Amerika, da wurde dieser Dackelblick mit Tolle drüber und Kussmund drunter zum Inbegriff des porentief reinen Traumschwiegersohns. Brandon Walsh lautete sein Name in Beverly Hills, Postleitzahl 90210.

Dass er diesseits der seifigen Hollywood-Wirklichkeit Jason Priestley heißt, dürfte indes selbst mancher Hardcore-Fan früherer Tage längst verdrängt haben. Als der Kanadier mit dem Schmachtblick 18 Jahre nach seinem Durchbruch vom Röhrenbildschirm verschwand, verschwand er irgendwie auch aus dem Bewusstsein des Publikums.

Das Wort „Comeback“ kann Jason Priestley nicht leiden

Jason Priestley – das war wie Klingeltöne, MTV, Viva und Tamagotchi so Neunzigerjahre, dass kaum jemand mit einer Wiederkehr des Jugendidols gerechnet hätte. Doch jetzt, ganz plötzlich, spielt er die Hauptrolle einer Krimiserie.

Nun erfindet „Private Eyes“ das Rad des TV-Detektivs nicht unbedingt neu. Aber dieses Comeback ist schon was Besonderes.

Comeback? Bei dem Wort kräuselt der sichtlich gealterte, immer noch umwerfende Jungschauspieler die Stirn mal nicht, um neue Mädchenherzen zu schmelzen, sondern zart seinen Missmut zu dekorieren. „Es gibt kein Comeback!“, sagt er freundlich, aber resolut. „Ich hab stets gearbeitet.“

Seit dem Ende von „Beverly Hills, 90201“ sogar „immer mehr“. Beim Interview-Tag in München räumt er ein Jahr vorm 50. Geburtstag zwar ein, dass die Branche schon noch ein Weilchen versuchen wollte, ihn auf artige Herzensbrecher aus dem Glamourviertel von Los Angeles festzunageln. „Aber ich habe mein Leben lang verschiedene Figuren gespielt, die zum Teil Lichtjahre weg waren von Brandon“. Okay so weit.

Nach dem großen Erfolg kamen nur noch Nebenrollen

Gut 100 Fernseh- und seltener Filmrollen weist sein üppiges Portfolio auf. Daheim in Vancouver hat der einstige Kinderstar schließlich schon lange vor seinem Welterfolg über ein Dutzend neureicher Hedonisten im kalifornischen Spießerbarock der 1990er gespieltin t, darunter ähnlich legendärer Serienware wie „McGyver“ oder „21 Jump Street“. Und danach?

Nun ja, kamen Nebenrollen, Cameo-Auftritte, Actionkracher mit, Actionkracher ohne Niveau nebst einer Unzahl an Episodenauftritten hinzu, bevor er als viriler Gebrauchtwagenhändler in der kanadischen Sitcom „Call Me Fitz“ vor acht Jahren wenigstens daheim für echte Aufmerksamkeit sorgte.

Seine Laufbahn, kann man sagen, verlief also einträglich, aber weniger glanzvoll als es in der ersten Lebenshälfte den Anschein hatte. Oder wie er es ausdrückt: „Wenn ich die Ziele des achtjährigen Jason ansehe, wurden alle Erwartungen meilenweit übertroffen.“

Die des 21-jährigen Priestley hingegen, „der dachte, die Filmwelt von Beverly Hills aus zu erobern“, wurden eher unterboten. Trotzdem spürt man die Zufriedenheit mit dem Erreichten in jeder Silbe. Und das liegt auch an seiner neuen Serie, die der Bezahl-Kanal 13th Street ab heute auch auf Deutsch zeigt.

„Private Eyes“ geht schon in die dritte Staffel

Wegen ihres Erfolgs im angloamerikanischen Raum geht „Private Eyes“ nicht nur bereits in die dritte Staffel. Sein erstes Format, „das ich mit entwickelt, produziert und geformt habe“, ist gewissermaßen das dritte Baby des glücklich verheirateten Familienvaters. Zumal auch die eigene Figur darin nicht so recht erwachsen wird. Der frühere Eishockey-Profi Matt Shade schlawinert sich mit kindlicher Bauernschläue von einer Anschlusskarriere als Talent-Scout in die Detektei der Privatschnüfflerin Angie Everett.

Mit der bildet er fortan ein streitsüchtiges Team gereifter Sexbomben, das atmosphärisch auf eine Liaison zusteuert. Besonders Cindy Sampson ist dabei zwar zwei, drei Körbchengrößen zu hot und Matts blinde Tochter Jules (Jordyn Negri) drei, vier Coolness-Stufen zu lässig. Doch die inhaltlich eher dünne Substanz mit der handelsüblichen Kriminalteamzickerei täuscht nicht drüber hinweg, dass man Jason Priestley wirklich gerne beim Selbstüberschätzen zwischen zwei starken Frauen zusieht.

Ob man da nicht mal über eine Fortsetzung von „Beverly Hills, 90210“ nachdenken könnte? „Bislang hat niemand mit darüber geredet“, sagt er gelassen. Und was würde er sagen, wenn es mal jemand täte? „Was ich sagen würde? Natürlich!“ Jason Priestleys Verhältnis zum Gestern, Heute und Morgen ist gewiss vieles, aber kein Grund zum Stirnrunzeln.

Von Jan Freitag / RND

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