Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Medien & TV Sympathie für den Zombie und Tränen für Arnold Schwarzenegger – Netflix zeigt „Maggie“
Nachrichten Medien & TV Sympathie für den Zombie und Tränen für Arnold Schwarzenegger – Netflix zeigt „Maggie“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 30.06.2019
Nix mit Hasta la vista, baby: Maggie (Abigail Breslin) und ihr Vater Wade (Arnold Schwarzenegger). Quelle: Foto: Splendid
Los Gatos

Der Zombie ist, um zu essen. So lautet das erste Zombiegesetz. Aber manchmal scheint er doch zu mehr zu taugen – zum Bediensteten etwa wie in „Fido“ (2006) oder zum Romantiker wie in „Warm Bodies“ (2013).

Sogar in der ersten Staffel der Serie „The Walking Dead“ schien Unglaubliches möglich. Als sich Held Rick Grimes in einen vom Militär zurückgelassenen Panzer rettete, streifte die Kamera nur ganz kurz das Gesicht eines jungen Zombies, in dessen Augen der Glanz des Geistes aufblitzte. Man wünschte sich damals sehr, die Geschichte möge doch bitte diese Richtung einschlagen.

„Maggie“ – Eine der wichtigsten Zombiefilmregeln wurde geändert

Dass die stumpfen Horden eine Art Bewusstsein ausbilden würden und vom kannibalischen Schlachtvieh zu einer echten Herausforderung für die ihrem Biorhythmus verpflichtet bleibenden, schlafbedürftigen Menschheitsreste würden. Sympathie für das Monster!

Nun, sie blieben bis heute die nimmermüden, tumben Taumler (wobei es auch Filme mit Turbozombies gibt) und inzwischen taumelt auch die Serie „The Walking Dead“ in schlaffer Kreisbewegung in die Langeweile.

Der britische Regiedebütant Henry Hobson, vormals Werbefilmer, verschafft den Monstern in „Maggie“ (2015), der hierzulande nie ins Kino kam und den Netflix heute anbietet, Empathie, indem er eine der wesentlichen Zombieregeln ändert: Bei dieser Epidemie wird nicht ratzfatz gestorben und wiederauferstanden. Bis zu sechs Monate kann es von der Infektion bis zur Verwandlung in einen Menschenfresser dauern.

„Maggie“ – Eine Rückkehr in die Zeit, als alles gut war, gibt es nicht

Der Abschied von den Liebsten dauert lange, die Angst, Verzweiflung und Schwermut der Infizierten sind kaum zu ertragen. Die junge Ausreißerin Maggie (Abigail Breslin) wurde gebissen, wird von ihrem Vater Wade (Arnold Schwarzenegger) in einem Krankenhaus gefunden und nach Hause geholt. Zurück in die Obhut, zurück in die Zeit, als alles gut war.

Was nicht funktioniert, schon allein, weil Wades zweite Frau (Joely Richardson) sich vor Maggie fürchtet, weil sie um die Unversehrtheit ihresr Kinder bangt.

Schwarzenegger. Er wäre mit seinem österreichischen Akzent in der Stummfilmära besser aufgehoben gewesen. Sein Nachname hier ist Vogel, klingt nach einem Zugereisten – was den kantigen Zungenschlag im englischsprachigen Original nachvollziehbar macht.

„Maggie“ – Abigail Breslin spielt die Verwandlung beeindruckend

Mit Steingesicht und steirischem Schweigen passt Schwarzenegger perfekt in diese Tragödie. Der „Terminator“ schaltet vier Actiongänge runter, nie zuvor war der österreichische Kleiderschrank so gefühlvoll wie in „Maggie“. Ein starker Mann, der sich dem Schicksal beugen muss, dessen ganze Kraft nicht ausreicht, den Tod seiner Tochter zu verhindern.

Der Tag rollt unerbittlich auf ihn zu, an dem er Maggie bei den Quarantänestationen abliefern muss – bessere Schlachthäuser, in denen die Schwächeren den Stärkeren ausgeliefert sind. Und man weiß, dass er an diesem Tag etwas anderes tun wird.

Abigail Breslin spielt das unschuldige Opfer, einen Teenager voller Unsicherheiten, in dem die Aussichtslosigkeit seines Lebens aufsteigt. Sie macht dem Zuschauer die Todgeweihtheit spürbar, ihre Verwandlung spielt sie nuanciert. Auch als sie zunehmend zur Gefahr für ihre Nächsten wird, ist sich der Zuschauer ihrer Unschuld bewusst und hat Mitleid mit dem Zombie-to-be.

„Maggie“ – Man verdrückt Tränen in einem Schwarzenegger-Film

David Wingos Musik schwirrt unheilvoll oder setzt hölzerne Folkklänge vor verlassene Höfe, verfallende Scheunen. Ein verlorenes Amerika unter schiefergrauen Himmeln. Hier würde niemand mehr auf die Lügen eines Donald Trump hereinfallen. Die großen Tage der US of A sind in „Maggie“vorbei.

Nicht alles hier ist originell. Aber tatsächlich hat man bei einem Schwarzenegger-Film erstmals Tränen verdrückt – das allein macht „Maggie“ zum unvergesslichen Erlebnis.

In wenigen Monaten wird die Filmwelt dann freilich wieder wie gehabt sein: Abigail Breslin wird ab 11. Oktober im Sequel zu „Zombieland“ als Little Rock wieder Zombies bekämpfen. Und Arnold Schwarzenegger wird ab 30. Oktober wieder zum „Terminator“ werden – Hasta la vista, Arnie!

Von Matthias Halbig

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schwarzer Humor, abgefahrene Storys und Momente mit Tiefgang: Die Zeichentrickabenteuer von Rick and Morty sind längst Kult. Aber wann gehen die Geschichten der beiden Weltraumreisenden endlich mit Staffel 4 weiter?

29.06.2019

Die Schweizer Sängerin Géraldine Olivier behauptet in einem offenen Brief, dass sie im ZDF-„Fernsehgarten“ wegen ihrer Kurzhaarfrisur nicht auftreten darf. Nun hat sich der Sender zu den Vorwürfen geäußert.

28.06.2019

Die Kultserie „Lindenstraße“ wird im März 2020 zum letzten Mal zu sehen sein. Jetzt geht sie zum letzten Mal in die Sommerpause – und der Protest um die Absetzung wird nicht leiser.

28.06.2019