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Medien & TV „The Masked Singer“: So funktioniert die neue Show von ProSieben
Nachrichten Medien & TV „The Masked Singer“: So funktioniert die neue Show von ProSieben
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14:57 27.06.2019
Niedlichen Knuddelmonster: In der neuen ProSieben-Show „The Masked Singer“ treten Stars aus allen Lebensbereichen in opulenten, aufwendigen Kostümen an, die sie unerkennbar machen. Quelle: Fotos: ProSieben
Köln

Alle sind ganz aufgeregt vor Verrücktheit: der ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann, Moderator Matthias Opdenhövel und der Pressesprecher Christoph Körfer. Die drei haben sich für eine Pressevorführung auf der Bühne des ProSieben-Studios in Köln versammelt, um den neuesten Import des Hauses aus den USA und Südkorea zu feiern – „The Masked Singer“. Sie gehen gleich in den Superlativ: „Ein Unterhaltungsformat, das es im deutschen Fernsehen noch nie gab.“

Das Prinzip für die Live-Sendung, die ab Donnerstagabend ab 20.15 Uhr sechs Folgen lang wöchentlich inmitten der Sommersendepause läuft, ist einfach. Zehn Prominente stecken unter opulenten Kostümen, jedes Mal unter demselben, singen ein Lied. Ihre Identität ist geheim. Vor ihnen sitzt keine Jury, die wie bei üblichen Castingshows über das Schicksal der Kandidaten entscheidet, sondern ein sogenanntes Rate-Panel. Denn wenn alles nach den Wünschen des Senders klappt, rätselt das Publikum zusammen mit Sänger Max Giesinger und den beiden Moderatorinnen Ruth Moschner und Collien Ulmen-Fernandes, wer unter der Maske steckt. Wenn der kostümierte Promi spricht, wird die Stimme verzerrt. Nur der Gesang ist unverfälscht. In Einspielern werden vage Hinweise auf die Identität platziert. Und weil Fernsehen bei Shows offensichtlich nicht ganz ohne hartes Urteil kann, fliegt am Ende der Sendung immer das Kostümtierchen heraus, das von Anrufern vor dem Fernseher am wenigsten Stimmen erhält. Erst dann nimmt der Promi seine Maske ab und zeigt sein Gesicht.

ProSieben hofft mit „The Masked Singer“ auf Interaktion

Mit der Show setzt ProSieben auf etwas, das für das lineare Fernsehen manchmal nur schwer zu bekommen ist: Interaktion. Die Show soll über ihre Sendezeit hinaus wirken. Daraus generiert sich wieder wochenlange Aufmerksamkeit, die Währung des Fernsehgeschäfts. Laut Branchendienst „dwdl“ hatte Konkurrent RTL ebenfalls Interesse, hatte aber beim Bieterwettstreit eine Absage erhalten.

Und schon gibt es auf der ProSieben-Bühne ein Schaulaufen: Die Kostüme sind bunt, glitzernd und opulent, und sollen der Castingshow die Verrücktheit verleihen, von denen das ProSieben-Trio so schwärmt. Eine Art Catwoman stakst über die Bühne. Ein niedliches rosa Monster mit Glitzerflügeln wackelt vors Pressepublikum, das sogleich ganz verzückt ist. Ein gockelnder bunter Kakadu trägt Barockartiges, ein Astronaut 40 000 Strasssteine. „Die Promis kommen aus völlig unterschiedlichen Bereichen“, erzählt Matthias Opdenhövel, der für das Showformat einen kleinen Seitensprung von der ARD-„Sportschau“ zum Privatsender macht.

Kann „The Masked Singer“ den Erfolg aus den USA in Deutschland wiederholen

Sie könnten Sportler sein, Schauspieler, Sänger, Politiker – oder Moderator sein. „Wir haben Menschen dabei, die jenseits der 40 sind“, fügt er noch schnell an. Wie Senderchef Daniel Rosemann ist er einer von insgesamt acht Personen, der die Identität der Promis kennt. Und laut Rosemann soll eher ein Heino in der Show zu sehen sein als eine Dschungelkönigin wie Evelyn Burdecki. Hinter einer Maske versteckt könne ein Mensch er selbst sein, egal, was über ihn bekannt ist, freut sich der Sender, und will damit das Prinzip des Showbusiness aushebeln. Doch kann man das Konzept auch anders interpretieren: Das eigene Antlitz zeigen ist das Eingeständnis des Versagens. Denn solange die Promis hinter einer gigantischen Kitschmaske stecken, sind sie noch Teil der Glitzershow. Wird ihre Identität bekannt, haben sie nur einen vielleicht noch glorreichen Moment, in dem sie erzählen können, warum sie sich in das lächerliche Kostüm gezwängt haben.

Die Frage bleibt, ob das Format, das in den USA seit Januar große Erfolge feierte und gleich um eine zweite und dritte Staffel erweitert wurde, auch in Deutschland überzeugt und eine ähnliche Hysterie auslöst. Zu gewinnen gibt es für den König der maskierten Sänger nach sechs Folgen übrigens nichts – außer wertvolle Aufmerksamkeit. Jetzt müssen sie nur noch ihr Gesicht wahren.

Von Geraldine Oetken/RND

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