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Medien & TV Videos zeigen Doppelmoral – Online-Portal NowThis hält Trumps Lieblingssender den Spiegel vor
Nachrichten Medien & TV Videos zeigen Doppelmoral – Online-Portal NowThis hält Trumps Lieblingssender den Spiegel vor
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10:02 26.07.2019
Zweierlei Maß bei Fox: Teure Handtaschen werden bei Melania Trump als Zeichen guten Geschmacks gewertet, bei Michelle Obama als Protzerei. Quelle: AP
New York

So pointiert bekommt es auch Fox News selbst nur selten hin. Die Video-Website NowThis legt die widersprüchliche Haltung des konservativen Senders offen – und erreicht damit ein Millionenpublikum. Auf eigene Kommentierung verzichtet NowThis. Die Macher lassen einfach die vermeintlich unabhängigen Moderatoren sprechen. Je nach Kontext fällt deren Bewertung nämlich sehr unterschiedlich aus. Das gilt beim Thema First Lady ebenso wie beim Thema Nordkorea.

Fox News bedenkt Michelle Obama mit unschönen Beinamen

Ein am Dienstag veröffentlichter Clip stellt Ausschnitte aus Fox-Sendungen gegenüber, in denen einerseits über Michelle Obama und andererseits über Melania Trump gesprochen wurde. Die Frau von Ex-Präsident Barack Obama wird mit unschönen Beinamen bedacht. Es wird nicht nur über ihre Garderobe gelästert, sondern sogar über ihre Figur. Die Gattin des Nachfolgers Donald Trump hingegen wird als beeindruckend und großartig beschrieben – als „starke Frau, die verehrt werden sollte“.

„Sie trägt eine Handtasche, die 1200 Dollar kostet, und keiner stört sich daran“, echauffiert sich die Fox-Kommentatorin Dana Perino. Gemeint war nicht das frühere Model Melania Trump, dem Fox News teure Kleidung und teure Accessoires als Zeichen des guten Geschmacks auslegt. Gemeint war Michelle Obama, die – so die offensichtliche Sicht des Senders – wegen ihrer Vorbildfunktion etwas mehr Bescheidenheit hätte an den Tag legen müssen.

Was in Video-Aufnahmen festgehalten sei, lasse sich nicht abstreiten, sagt NowThis-Chef Athan Stephanopoulos. Man sehe „die Verlogenheit sehr direkt“. Fox News wehrt sich mit dem Hinweis, dass zwei der Mitgründer von NowThis für die Online-Zeitung „Huffington Post“ gearbeitet hätten, einer liberalen Publikation, die dem Sender ausdrücklich kritisch gegenüberstehe. Außerdem sei die Auswahl der Mitschnitte unfair, da einige der gezeigten Personen gar nicht mehr für Fox tätig seien.

NowThis – Die Videos werden über die sozialen Medien verbreitet

NowThis wurde 2013 ins Leben gerufen und richtet sich an ein Publikum von unter 30-Jährigen. Die Videos werden vor allem über die sozialen Medien verbreitet. Seit dem Einzug von Trump ins Weiße Haus ist die Auseinandersetzung mit der Rolle der Medien in der US-Politik zu einem der Schwerpunkte des Portals geworden.

In den vergangenen Wochen kritisierte NowThis etwa in mehreren Clips, dass in der ersten TV-Debatte der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf NBC News zu wenige Fragen zum Thema Klimawandel gestellt worden seien. Bezüglich der Berichterstattung über den Missbrauchsskandal um den prominenten Milliardär Jeffrey Epstein wurde etlichen Medien Verharmlosung vorgeworfen, unter anderem durch Nutzung des Begriffs „minderjährige Frauen“. Die Beiträge über Fox News, von denen es bereits mehr als ein Dutzend gibt, haben bisher aber das größte Aufsehen erregt.

DEr Fall Nordkorea: Fox News misst mit zweierlei Maß

In einem dieser Videos, das etwa 40 Millionen Klicks hat, wird verglichen, wie Fox über das Treffen von Trump mit Kim Jong Un berichtete und wie der Sender vor einigen Jahren die bloße Andeutung einer Zusammenkunft von Obama mit dem nordkoreanischen Machthaber bewertete. Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton sagte damals, es wäre eine schlechte Idee, wenn sich Obama mit Kim treffen würde.

Der Fox-Moderator Sean Hannity sagte seinerzeit abfällig: „Obama würde ohne Vorbedingungen persönlich mit den Anführern von Terrorstaaten wie Iran und Nordkorea verhandeln. Wow.“ Dass Trump mit einem davon verhandelte, schien ihn dagegen nicht zu stören. „Die Welt wird wohl etwas sicherer sein“, kommentierte Hannity nach dem umstrittenen Gipfel. „Dafür sollte die Welt Präsident Trump dankbar sein.“

Eine Fox-Sprecherin erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP, dass fast die Hälfte der Personen in den Videos zu Nordkorea und den First Ladys nicht mehr für den Sender aktiv seien oder sich lediglich als Gäste und nicht als Angestellte geäußert hätten. Zudem seien die Ausschnitte nicht repräsentativ, sondern allein danach ausgewählt, die beabsichtigte Aussage zu stützen.

NowThis-Chef: „Als würde man zwei Universen betrachten“

In den anderen NowThis-Videos über Fox News geht es unter anderem darum, wie unterschiedlich das „Regieren per Dekret“ der beiden Präsidenten bewertet wird. Zudem wird daran erinnert, wie harsch unter Obama die Kritik an Dingen ausfiel, an denen bei Trump nun überhaupt kein Anstoß genommen wird – wie etwa regelmäßige Golfausflüge. Wenn man sich die gegensätzlichen Clips anschaue, sei das „fast so, als würde man zwei verschiedene Universen betrachten“, sagt NowThis-Chef Stephanopoulos.

Inspiriert wurden die Macher des Video-Portals unter anderem von der satirischen Nachrichtensendung „The Daily Show“. Das junge Publikum sei mit den Debatten um „Fake News“ aufgewachsen und daher sehr an einer kritischen Betrachtung der Medienwelt interessiert, sagt der durch seine Arbeit für die „Huffington Post“ bekannt gewordene Journalist Nico Pitney, der bei NowThis der Politik-Verantwortliche ist.

Alles ohne Erzählstimme: Videos von NowThis sprechen für sich

Eine Erzählstimme gibt es in den Videos nicht. Die Aussage ergibt sich allein durch die Mitschnitte selbst. Der aktuelle Beitrag über die First Ladys etwa endet wiederum mit Hannity. „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagt der in den USA berühmte Fox-Moderator – eigentlich in einem anderen Zusammenhang. „Wir alle wissen das. Das ist durchschaubar.“

Von David Bauder/ap/RND

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