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Fernsehen Tatort-Kritik: Schlaflos im Schwarzwald
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21:45 23.12.2018
Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) sind übermüdet. Quelle: Foto: SWR
Badeb-Baden

Das hat es zuvor in der langen „Tatort“-Geschichte noch nie gegeben. Eine der beiden Hauptfiguren, Kommissar Friedmann Berg, musste kurzfristig ersetzt werden, weil ihr Darsteller, Hans-Jochen Wagner, an einer Viruserkrankung litt. Ihn ersetzt nun einmalig Carlo Ljubek als Kollege der Freiburger Kommissarin Tobler (Eva Löbau), und er macht seine Sache unspektakulär gut. Beim nächsten Schwarzwald-Fall ist dann wieder Wagner mit dabei – und hoffentlich gut ausgeruht. Denn in der aktuellen Folge „Damian“ liegt eine wahrlich bleierne Müdigkeit über dem ganzen Geschehen. Die beiden Kommissare sind so überarbeitet, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit einschlafen, und auch die Titelfigur, der Student Damian, liegt einmal schlafend auf dem Boden der Freiburger Uni-Bibliothek. Aber nicht nur das: Als er dann von einem Angestellten aufgeweckt wird, eilt er hektisch in einen Hörsaal wegen einer wichtigen Klausur. Und erfährt dort, dass diese bereits vor drei Wochen geschrieben worden ist.

Eine seltsame Szene, und sie ist nicht die einzige in diesem im wahrsten Sinne des Wortes müden Film. Der Zuschauer jedoch darf sich auf keinen Fall anstecken lassen von dieser Schläfrigkeit, sonst versteht er bald rein gar nichts mehr. Und besonders der Schluss ist so irritierend und verwirrend, dass der Betrachter wohl ratlos und womöglich verärgert zurückgelassen wird. Der von Stefan Schaller inszenierte und (mit Lars Hubrich) geschriebene „Tatort“ spielt nämlich auf verschiedenen Zeit- und vor allem Wahrnehmungsebenen. Nichts ist oft wie es scheint. Und das macht es selbst ausgeschlafenen Zuschauern nicht gerade einfach.

Dennoch lohnt sich das Wachbleiben, weil die fast schon elegische Stimmung dieses sonderbaren Krimis faszinierend ist. Weil die Titelfigur vom erst 24-jährigen Südtiroler Thomas Prenn herausragend verkörpert wird. Und weil auch der Humor nicht zu kurz kommt. Für ihn sorgen Johann von Bülow, der einen gar komischen Bauarbeiter mit einem Hang zu Damenunterwäsche verkörpert, und vor allem die wunderbare Österreicherin Nora Waldstätten, die eine schrullige Mitarbeiterin der sogenannten Polizeilichen Beratergruppe umwerfend lustig spielt. Auch die beiden Kommissare agieren zwar gut, aber die Bühne allein gehört dennoch Thomas Prenn.

Natürlich gibt es auch die obligatorischen Morde. Ein Liebespaar wird in einem Waldstück erschossen aufgefunden. Und die tote Frau erinnert Kommissar Luka Weber (Ljubek) an das Opfer eines mehr als 30 Jahre zurückliegenden Falls, der nie geklärt worden ist. Damals spielte angeblich ein Stalker eine entscheidende Rolle, von dem sich das spätere Opfer verfolgt fühlte. Und es gibt noch einen weiteren aktuellen Toten, einen Mann, der in einer Waldhütte verbrannt ist. Zu den Hauptverdächtigen zählt Damian, weil er mal nachts leicht bekleidet joggend in der Nähe des erste Tatorts aufgegriffen und polizeilich überprüft worden ist, dabei merkwürdige Dinge erzählt hat und sowieso äußerst verwirrt erschienen ist. Damian leidet nämlich ganz offensichtlich unter einer schweren psychischen Störung. Er hat Halluzinationen, fühlt sich verfolgt und wird mit dem Prüfungsdruck an seiner Uni nicht fertig. Und Prenn spielt diesen kranken Menschen mit einer Intensität, wie man sie nicht oft in einem Fernsehkrimi sieht. Dabei ist das seine erste große Fernsehrolle, an deren Entwicklung der junge Schauspieler selbst beteiligt gewesen ist.

Die Auflösung des Doppelmords ist dann allerdings ziemlich banal, während der Fall des verbrannten Mannes am Schluss eine so überraschende Wendung nimmt, dass man nur staunen kann. Oder man fühlt sich arg veräppelt, weil man die Geschichte einfach nicht verstanden hat. Und dagegen hilft nur eins: Wach bleiben und ganz genau aufpassen - auch wenn es manchmal schwerfällt angesichts friedlich schlummernder Kommissare und nach dem ganzen Weihnachtsstress.

Von Ernst Corinth

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