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Norddeutschland 100 000 Klicks! Die Stars aus dem Stall
Nachrichten Norddeutschland 100 000 Klicks! Die Stars aus dem Stall
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13:29 13.01.2014
Mit großem Spaß dabei: Helen Schiller, Julia (vorn) und Malte Sinjen klettern auf den Trecker. Sie haben ein Musik-Video über die Landwirtschaft gedreht, das sehr gut ankommt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Krokau

Damit haben sie nicht gerechnet: Das Musik-Video, das Julia Sinjen und Helen Schiller über die Landwirtschaft gedreht haben, ist im Internet ein voller Erfolg. Mehr als 105 000 Mal wurde es bereits geklickt. Im Kreis Plön sind die beiden 17-jährigen Mädchen, die auf den elterlichen Höfen aufwachsen, inzwischen richtige Stars.

Den Anstoß gab der Video-Wettbewerb „Clip my farm“, den die Zeitschrift „Top Agrar“ ausgeschrieben hat. Dabei geht es darum, das Image der Landwirtschaft aufzupolieren. Julias Mutter machte ihre Tochter darauf aufmerksam. Schließlich hatte diese gerade eine Spiegelreflexkamera mit Videofunktion bekommen, erinnert sich Christiane Sinjen vom Sommerhof in Krokau nahe Kiel. Ihr Mann Markus baut dort seit 20 Jahren Mais, Gerste und Weizen an, zudem halten sie Schweine.

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Im Spätsommer begann Julia Sinjen gemeinsam mit ihrer Freundin Helen Schiller vom Schillerhof in Wisch zunächst damit, einen Song zu texten, und unterlegte ihn mit Gitarrenklängen. „Es sollte eigentlich gar kein Rap werden“, erzählt Julia, die die elfte Klasse des Gymnasiums in Heikendorf besucht. „Aber so haben wir viel Text unterbekommen.“

Immer Neues fiel den beiden ein. So kam auch Julias Bruder Malte (14) ins Spiel. „Das war erst nicht geplant. Wir dachten dann aber, ein bisschen Abwechslung beim Gesang wäre gut“, berichtet Julia. Mehr als 200 Clips drehten die Mädchen auf den Höfen, auf dem Strohboden, auf dem Feld, am Strand und im Garten. „Wir hatten keinen großen Plan, haben alles spontan gemacht“, sagt Helen. Dabei wurde auch viel gelacht.

Das merkt man dem Video an. Es begeistert mit Witz und guter Laune. In 2,44 Minuten wird Landleben von seiner schönsten Seite gezeigt: Eine Katze balanciert über einen Stohballen, Schweine und Kühe sind zu sehen, Getreide wiegt sich im Wind. Dazu rappen die Mädchen ihr Plädoyer für die Landwirtschaft: „Kennst du überhaupt dieses Leben auf dem Hof?/ Kennst nur die Fernsehbauern, denkst du wirklich, alle sind so doof?/ In Wirklichkeit sieht das alles anders aus./ Komm doch endlich mal aus der Klischeewelt ‘raus.“

„Es ist wirklich schade, dass manche gar keine Ahnung davon haben“, sagt Julia. „Bauer“, das sei ja fast schon ein Schimpfwort, ergänzt Helen. Das nerve sie schon. Und da wollen die Mädchen gegenhalten. „Wir denken schon, dass wir mit dem Video etwas erreichen können“, sagt Helen. „Landwirtschaft ist ja unser Leben. Wir wissen viel darüber und können auch viel vermitteln.“

Der Erfolg gibt ihnen recht. Zwar fließt die Zahl der Klicks nicht in die Bewertung der Jury mit ein. „Toll ist das trotzdem, denn das Video soll ja möglichst viele Leute erreichen“, sagt Helen. Im Wettbewerb ist der Clip mit dem Titel „Rhythm of Nature“ bereits unter den fünf besten gelandet. Der Sieger wird am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin gekürt. Er bekommt ein Preisgeld von 10 000 Euro. Beworben hatten sich insgesamt 64 junge Agrar-Filmer.

„Wir sind schon total aufgeregt“, bekennt Julia. Schließlich sollen sie auf der Messe ihr Lied vor Publikum live präsentieren. „Das haben wir noch nie gemacht“, gibt Helen zu. Sie seien zwar musikalisch, spielten beide Gitarre und Klavier. „Wir haben aber noch nie in einer Band gesungen oder so.“ Unterstützung ist ihnen sicher: Ihre Familien sind mit dabei.

Clip my farm
64 Filme sind in diesem Jahr beim Video-Wettbewerb „Clip my farm“ eingegangen. „Das sind nur halb so viele Bewerber wie beim ersten Mal. Doch die Qualität ist deutlich gestiegen“, sagt Hildegard Moritz von „Top Agrar“. Die auflagenstärkste deutschsprachige Landwirtschafts- Zeitschrift hat den Wettbewerb ausgeschrieben, zusammen mit den Firmen Bayer — Big Dutchman und Claas. Das Preisgeld liegt bei 20 000 Euro, allein 10 000 gehen an den Sieger.

Julia Paulat