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Norddeutschland Ministerin will Problem-Schulen nicht benennen
Nachrichten Norddeutschland Ministerin will Problem-Schulen nicht benennen
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20:44 10.12.2019
Gewalt auf dem Schulhof (Symbolbild): 585 schlimme Fälle wurden im Schuljahr 2018/19 allein offiziell gemeldet. Quelle: Oliver Berg/dpa
Kiel

585 Gewaltvorfälle meldeten Schleswig-Holsteins Schulen alleine im Schuljahr 2018/19. Die Auswertung der neuen Schul-Gewalt-Datenbank GEMON brachte es ans Licht. Die LN berichteten. Jetzt fordern Landespolitiker schnelle Gegenmaßnahmen.

Mit der Einführung der neuen Datenbank allein dürfe es keinesfalls getan sein, sagt der SPD-Schulpolitiker Kai Vogel. Schon als CDU-Bildungsministerin Karin Prien vor wenigen Tagen im Bildungsausschuss des Landtags von den Gewaltvorfällen an der Grundschule Süsel berichtet habe, sei deutlich geworden, „dass die Informationskette von der Schule über die untere Schulaufsicht ins Bildungsministerium nicht ausreichend funktioniert“. Nur wenn diese Informationen aber von der Schule nach „oben“ übermittelt würden, könne entschieden werden, ob die Schule das Problem vor Ort pädagogisch lösen könne oder Unterstützung benötige.

SPD und FDP für „transparente Meldekette“ für Gewaltvorfälle

Auch aus der Jamaika-Koalition heraus gibt es Forderungen zu mehr Offenheit. „Die Meldekette verhaltensauffälliger Schüler muss frühzeitig und transparent von der Schule über das Schulamt bis zum Ministerium erfolgen“, sagt etwa die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. Denn: „Wir kriegen das Problem der Gewalt an Schulen nur in den Griff, wenn Schule und Schulaufsicht gemeinsam und konsequent an einem Strang ziehen.“ „Wir brauchen Unterstützungssysteme für Schülerinnen und Lehrkräfte“, sagt auch die Grünen-Abgeordnete Ines Strehlau.

Prien lehnt eine „schulscharfe Auswertung“ ab

Prien lehnt zusätzliche Meldesysteme allerdings strikt ab. „Wenn Schulen Probleme haben, die über das übliche Maß hinausgehen, sind die Schulaufsicht und auch die oberste Schulaufsicht im Ministerium jederzeit als Ansprechpartner erreichbar“, sagt die CDU-Ministerin. Die Datenbank selber sei ausdrücklich kein Meldeinstrument für akute Probleme an Schulen. Mit ihr sollten nur „Daten zur sozialwissenschaftlichen Analyse von Gewaltvorfällen an Schulen“ erhoben werden.

Und: Die Namen der besonders von Gewalt betroffenen Schulen werden weiterhin nicht öffentlich genannt. Eine „schulscharfe Auswertung“ sei derzeit nicht vorgesehen, sagt Karin Prien. Die Datenbank solle lediglich „auf der Makroebene Trends und Entwicklungen aufzeigen“, könne aber „kein Abbild über die soziale Situation an einzelnen Schulen darstellen“.

Vogel fordert mehr Hilfen auch für die Opfer

Kai Vogel bleibt allerdings dabei:  In Süsel habe das System eben nicht funktioniert. „Die ausufernde Gewalt an Schulen ist nicht hinnehmbar und muss ganz oben auf die Agenda der Bildungsministerin“, fordert der Sozialdemokrat. Die Landesregierung stehe in der Verpflichtung, die betroffenen Schulen mit Beratung, Konzepten und Ressourcen zum Beispiel in Schulsozialarbeit und Schulpsychologie intensiver zu unterstützen. „Das muss auch Unterstützung für die Opfer von Gewaltakten und Mobbing einschließen“, sagt Vogel.

„Auffälliges und aggressives Verhalten von Schülerinnen und Schülern können die Schulen nur in den Griff kriegen, wenn die Bildungsministerin ihnen endlich hilft“, sagt GEW-Landeschefin Astrid Henke. Statt „mit besorgtem Gesicht auf Schülergewalt an Gemeinschaftsschulen hinzuweisen“ – die Datenbankanalyse wies vor allem Jungen in Klasse 6 bis 9 der Gemeinschaftsschulen als Täter aus –, solle Prien den Gemeinschaftsschulen lieber eine weitere Differenzierungsstunde geben. Die sei ihnen 2010 als Sparmaßnahme gestrichen worden. „Außerdem brauchen Klassenlehrkräften eine Ausgleichsstunde für die pädagogische Arbeit. Fortbildungsangebote, Supervision und Coaching für die Lehrkräfte sind ebenfalls notwendig.“

Philologenverband weist Priens-Idee zurück

Auch der Philologenverband der Gymnasiallehrer fordert Gegenmaßnahmen. „Diese können allerdings nicht darin bestehen, ’die Widerstandskraft von Lehrern zu steigern’, wie es die Ministerin anregt“, sagt Landeschef Jens Finger – das Ministerium will vor allem auf „Resilienz-Förderung“ setzen, um Lehrer selber vor Angriffen zu schützen. Vielmehr müsse sofort mehr Fachpersonal an die Schulen, „Sozialpädagogen, Familienhelfer, Psychologen“. Und: Es müsse mehr außerschulische Unterrichtsangebote geben, in denen vorübergehend nicht beschulbare Kinder und Jugendliche „in sehr kleinen Lerngruppen betreut werden“.

Von Wolfram Hammer

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