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Norddeutschland A. Paul Weber över Barlach
Nachrichten Norddeutschland A. Paul Weber över Barlach
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21:10 06.08.2015
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In 1980 wull de Kulturdezernent vun Ratzeborg en Utstellung maken. De schull heten „Barlach bei A. Paul Weber zu Gast“. Ernst Barlach sien Plastiken schulln dor vör Weber sien Grafiken stahn. Und so ist he denn ok na Schretstaken föhrt und hett den olen Grafiker Weber besöcht und em fraagt, off he dorto wull Verlööf geev.

„Nee“, hett Weber seggt, „dat will ik nicht. Eerstens, Barlach ist al lang doot, und tweetens ist he nie nicht bi mi to Gast wesen!“

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„Na, das kann ja wohl kein rechter Grund sein“, hett de Dezernent meent, „es geht doch schließlich um die Kunst. Und sie sind doch beide als ,entartete Künstler' von dem Nazi-Regime verfemt worden.“

„Dat ist wull wohr, mien Herr, man ik holl Ernst Barlach sien Kunst för veels to liesen, de ist slankweg geräuschlos, de ist stumm!“ „Kann man das nicht auch anders sehen?“ „Bi mi schon“ hett de Tekner dor antert, „bi em kann ik dat nicht so recht finnen.“ „Wieso das denn, Herr Weber?“

„Höörn se to“ gnadder de Künstler, „kieken se sik doch mol den ,Fries der Lauschenden‘ an. Keeneen vun de negen Figuurn rippt und röögt sik, keeneen seggt wat, all luustert se blots. Sien Broder Hinkpoot in den Krüüzgang vun'n Dom, de ist doch mehr en Broder Lichtpoot, seggt nix und deit nix und de lesende Mönk erst recht nicht. De swiegt all still!“

„Aber Herr Weber, das kann man doch so nicht sehen. Es gibt doch auch den ,Singenden Klosterschüler‘ an der Lübecker Katharinenkirche!“

Nee, nee, in't Kloster singen, dat ist lichto, denn kannst du ok glieks in'n Keller gahn. Dat bringt nix! Bi mi ist dat ganz anners. Kiekt se sik dat Blatt mit de Nazi-Brigaden, de direktemang in Stechschritt in't Massengraff marschiert, mol an. Dor höört en so richtig, wo dat klabastert und pultert. Odder ok den Druck „dat Gerücht“.

Dat slängelt sik as son Snaak nicht blots dörch de Stratenschluchten. Dor höört en so richtig, wie dat swieselt und swiestert, wo dat rüüscht und russelt. Dat geiht würklich gegen de Nazi-Öös an!

„Nee, nee mien leve Mann, ik will dat nicht. Ernst ist mi veels to liesen. Dat passt nicht to mi!“

Wat bleev den Kultur-minschen över? He müss verbaast afreisen.

Horst Wernecke

LN