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Norddeutschland Brandbrief der UKSH-Ärzte an Daniel Günther
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22:00 16.11.2018
Die Klinik- und Institutsdirektoren des Universitätsklinikums in Lübeck und Kiel warnen: Zahlt das Land nicht schnell 50 Millionen Euro mehr Landeszuschuss pro Jahr, gerate die Krankenversorgung in Gefahr. Quelle: Christian Charisius/dpa
Lübeck/Kiel

Mindestens 50 Millionen Euro mehr pro Jahr vom Land fürs UKSH: Das fordern die Klinikdirektoren des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in einem Brandbrief an CDU-Ministerpräsident Daniel Günther ein. Ohne das zusätzliche Geld und eine Arbeitsentlastung des Personals sei die Krankenversorgung an den Standorten Kiel und Lübeck in Gefahr.

Ärzte sind in „tiefer Sorge“ um die Zukunft des Uniklinikums

„Wir schreiben Ihnen aus tiefer Sorge um die Zukunft der universitären Medizin in Schleswig-Holstein“, heißt es in dem Brief, für den in Lübeck der Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Professor Jörg Barkhausen, verantwortlich zeichnet. Zunehmend würden der hohe Kostendruck und die extreme Arbeitsverdichtung mit entsprechend unzufriedenen Mitarbeitern Umfang und Qualität der Krankenversorgung gefährden. Schon jetzt gebe es für viele Pflegestellen keine Bewerber mehr. Künftig werde das auch für Ärzte gelten. Und wer solle dann am Ende noch mit neuen Projekten und Forschungen Fördergelder nach Lübeck und Kiel lotsen?

Professor Jörg Barkhausen zeichnet auf dem Campus Lübeck für den Brandbrief an den Ministerpräsidenten verantwortlich. Quelle: Agentur 54°

Auch viele Patienten würden bereits jetzt nach Hamburg abwandern. Zwar wird das UKSH gerade für über eine Milliarden Euro komplett saniert. Es sei aber ein Unding, dass das Klinikum diese Modernisierung durch Effizienzgewinne selber bezahlen solle, so der Tenor des Protests der Klinik- und Institutsdirektoren. Hamburg und Niedersachsen etwa steckten in ihre Unikliniken stattdessen viele Extra-Millionen hinein. So wurde der Landeszuschuss fürs Hamburger UKE um 56 Millionen Euro pro Jahr erhöht, die Universitätskliniken Göttingen und Hannover erhalten vom Land einen Investitionszuschuss von 2,1 Milliarden Euro.

Das größte Klinikum des Landes

Das Universitätsklinikum UKSH hat gut 13 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mehr als 5000 davon in Lübeck. Es ist damit der größte Arbeitgeber Schleswig-Holsteins. Sie sind in 80 Kliniken und Instituten mit zusammen 2500 Betten tätig. Insgesamt tun hier 1900 Ärzte und 2600 Wissenschaftler, darunter 170 Professoren, ihren Dienst. Dazu kommen 3600 Pflegekräfte. Pro Jahr werden rund 450 000 Patienten versorgt, das ist etwa ein Viertel aller stationären Fälle in Schleswig-Holstein. Das UKSH gilt damit als eines der größten europäischen Zentren der Universitätsmedizin. Sein Anspruch ist es, eine qualitativ besonders hochwertige Krankenversorgung, eine hochwertige Forschung und die Ausbildung des Ärzte-Nachwuchses miteinander zu verbinden.

In Schleswig-Holstein werde dagegen erwartet, dass die Neubauten letztlich aus Mitteln der Krankenversorgung finanziert werden, wettern die Mediziner in ihrem Brief. Besonders bitter sei es dann auch noch, dass das UKSH mit Altschulden belastet sei, die das Land ihm nur in kleinen Schritten erlassen wolle. „Der dadurch entstehende hohe ökonomische Druck mit entsprechend knapper Personalausstattung hat zwar mittlerweile zu einem positiven operativen Ergebnis geführt. Der Preis dafür ist aber, dass wir die Krankenversorgung auf universitärem Niveau und die Förderung der wissenschaftlichen Exzellenz nur noch auf einem Mindestniveau aufrechterhalten können.“ Dabei würde ein höherer Landeszuschuss auch hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein halten oder neu entstehen lassen.

Die Regierung will reden, die SPD fordert schnelle Investitionen

Der Ministerpräsident reagierte recht schmallippig. Daniel Günther verwies auf die Entschuldungspläne fürs UKSH und die bereits beschlossenen fünf Millionen Euro extra, die das Uniklinikum künftig Jahr für Jahr mehr bekommen soll. Die Regierung werde jetzt zudem noch einmal das Gespräch mit UKSH-Chef Jens Scholz suchen. Die SPD-Opposition im Landtag fordert die Jamaika-Regierung hingegen zum schnellen Handeln auf. Es gehe nicht an, dass die Regierung in ihrem Sondervermögen IMPULS für Investitionen in fernen Tagen hunderte von Millionen Euro horte, während das UKSH in Schulden versinke, sagt die SPD-Finanzpolitikerin Beate Raudies. Jamaika solle einen Teil des Geldes sofort ins Uniklinikum stecken. Raudies: „Wenn man einen Maximalversorger in der Krankenversorgung haben will, muss man ihn eben auch richtig ausstatten.“

Wolfram Hammer

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