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Norddeutschland Ärztekammer streicht Homöopathie-Weiterbildungen
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10:28 30.11.2019
Haben Globuli eine Wirkung? Wissenschaftlich nachweisbar ist das nicht, sagt die Ärztekammer. Und deshalb wurde die Homöopathie aus ihrem Weiterbildungskatalog gestrichen. Das sorgt für Debatten. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Bad Segeberg

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein verbannt die Homöopathie aus ihrem Weiterbildungsangebot. Sie wird künftig keine Prüfung zum Homöopathen mehr abnehmen. Dieser alternativen Behandlungsmethode fehle die Wissenschaftlichkeit. Das hat die Kammerversammlung in Bad Segeberg am Mittwochabend mit großer Mehrheit beschlossen.

41 zu 23 gegen die Homöopathie

Bislang konnten sich Ärzte mit der Prüfung ihre Zusatzqualifikation bescheinigen lassen. Jetzt aber stimmten 41 Mediziner in der Kammerversammlung dafür, die Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung (WBO) zu streichen, nur 23 dagegen. „Wir sagen damit nicht, dass die Homöopathie gut oder schlecht ist“, sagt Ärztekammer-Präsident Dr. Henrik Herrmann. Sie passe aber, wie andere alternative Heilverfahren, nicht in die Systematik der WBO. Die verlange laut Gesetz, dass ein Heilverfahren wissenschaftlichen Erkenntnissen genügen müsse. Das treffe auf die Homöopathie aber nicht zu.

Das sieht man beim „Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte“ (DZvhÄ) ganz anders. „Homöopathie wirkt. Den Erfolg sehe ich doch täglich bei meiner Arbeit“, sagt Elke Lorenzen, Ärztin und Homöopathin, die in dem Verein aktiv ist und in der Lübecker Innenstadt praktiziert. Das Ganze sei eine Kampagne gegen die Homöopathie. Es gebe eben derzeit eine politische Dynamik. Befeuert werde die Debatte alljährlich in den Medien. Dabei hätten sich selbst der Deutsche Ärztetag und die Bundesärztekammer für den Erhalt der Homöopathie-Weiterbildung ausgesprochen.

Fünf Kammern haben die Homöopathie schon verbannt

Die ÄrztekammerSchleswig-Holstein ist schon die fünfte von bundesweit 17 Kammern, die die Homöopathie aus ihrer Weiterbildungsordnung streicht. In Bremen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein und Hessen gibt es solche Beschlüsse bereits. Die Ärztekammern in Baden-Württemberg und Westfalen-Lippe haben beschlossen, die Homöopathie weiterhin in ihrer Weiterbildungsordnung belassen zu wollen.

Für sie und ihre Kollegen werde sich aber jetzt ohnehin nicht viel ändern, sagt Elke Lorenzen. Der Zentralverein werde Ärzten auch weiterhin die dreijährige berufsbegleitende Homöopathie-Ausbildung anbieten, im Anschluss eine Prüfung abnehmen und ein Diplom vergeben. Nur die Kammerprüfung werde es eben nicht mehr geben und auch keine Ausbildungs-Veranstaltungen mehr in deren Räumen. Ohnehin seien es die Patienten, die am Ende, die über die Zukunft der Homöopathie entscheiden würden. „Und die kommen weiter zu uns“, sagt Elke Lorenzen.

Echo im Landeshaus geteilt

In der Landespolitik löst die Entscheidung der Kammer ein unterschiedliches Echo aus. Man sehe sich nicht in der Position, anderen Menschen vorzuschreiben, was für sie am besten sei, sagt die Grünen-Gesundheitspolitikerin Marret Bohn. Jeder solle daher Zugriff auf die medizinischen Versorgungsangebote haben, die ihm persönlich am meisten helfen – auch wenn die Entscheidung der Ärztekammer „aus schulmedizinischer Sicht nachvollziehbar“ sei.

Die Ärztekammer hat beschlossen, Homöopathie-Fortbildungen zu streichen. Viele Befragte finden das falsch.

Welchen Nutzen haben Globuli?

Ganz anders der FDP-Landtagsabgeordnete Dennys Bornhöft. „Aus meiner Sicht ist es richtig, dass die Ärztekammer die Homöopathie aus dem Weiterbildungskatalog gestrichen hat und sich nicht dem Druck der hohen Nachfrage danach gebeugt hat“, sagt Bornhöft. Medizin sei eine Wissenschaft, die sich an den neuesten Erkenntnissen zur Wirksamkeit ihrer Maßnahmen orientieren müsse. Bis heute könne „aber niemand nachweisen, dass Globuli einen medizinischen Nutzen haben“. Ärzte für alternative Heilmethoden zu schulen, die lediglich einen Placebo-Effekt hätten, sei „albern“.

Herrmann versucht zu vermitteln. „Die Patienten werden es weiter nachfragen, und die Homöopathie kann ja durchaus ergänzend wirken“, sagt der Ärztekammer-Präsident. Kollegen, die sie anbieten wollen, könnten sich auch weiter bei Zentralverein ausbilden lassen und von dort das Diplom bekommen. Die Prüfungen vor der Ärztekammer seien ohnehin nicht so stark nachgefragt gewesen. Herrmann: „In den letzten drei Jahren gab es bei uns im Norden nur eine einzige, bundesweit waren es im Jahr 2018 nur 39.“

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Von Wolfram Hammer

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