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Norddeutschland Tritt Sayn-Wittgenstein noch einmal an?
Nachrichten Norddeutschland Tritt Sayn-Wittgenstein noch einmal an?
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15:42 28.06.2019
Sitzt im Landtag auf einem Einzelplatz: Doris von Sayn-Wittgenstein (AfD). Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Die frühere schleswig-holsteinische AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein hat sich gegen den innerparteilichen Vorwurf gewehrt, sie wolle aus der Partei eine NPD 2.0 machen. „Warum werde ich mit solchen Behauptungen verleumdet?“, fragt Sayn-Wittgenstein in einem Video auf ihrer Facebook-Seite und fügte hinzu: „Liegt es nicht eher daran, dass wir vielleicht schon die Feinde unseres Volkes in unseren eigenen Reihen haben?“

AfD-Kreise rechnen mit Kandidatur

Sayn-Wittgenstein, gegen die der AfD-Bundesvorstand wegen Unterstützung eines rechtsextremen Vereins ein Parteiausschlussverfahren betreibt, will nach Einschätzung in AfD-Kreisen am Sonnabend erneut für den Landesvorsitz kandidieren. Der Deutschen Presse-Agentur hatte die aus der AfD-Landtagsfraktion ausgeschlossene Abgeordnete gesagt, sie sei noch unentschieden. Man könne nichts ausschließen.

Bislang Christian Waldheim einziger Kandidat

Die Nord-AfD will auf ihrem Parteitag an diesem Wochenende einen neuen Landesvorstand wählen. Bei der Mitgliederversammlung im Bürgerhaus in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) könnte es zu einer Kampfkandidatur kommen. Bislang hat allein Christian Waldheim, AfD-Fraktionsvorsitzender in Norderstedt und Bundesrechnungsprüfer der AfD, offiziell den Hut in den Ring geworfen. Er gilt als Vertreter eines Kurses auf der Linie des Bundesvorstands. Die AfD hat das Bürgerhaus für Sonnabend und Sonntag gemietet. Der stellvertretende Landeschef, der Bundestagsabgeordnete Bruno Hollnagel, hofft aber, dass die Wahl des Landesvorstandes bereits heute gelingt.

Politikerin veröffentlicht Videos

In einem Video vom 26. Juni auf ihrer Facebook-Seite bekennt sich Sayn-Wittgenstein zu einer „bemerkenswerte Rede“ des AfD-Bundestagsabgeordneten Marc Jongen vom 5. April, die innerparteilich nicht den Anklang gefunden habe, die sie verdient hätte. „Die Jugend werde, ich zitiere, systematisch zu Schuld und Scham über ihr Deutschsein erzogen, sie lerne, sich an einen Gedanken zu gewöhnen: Deutschland hat eigentlich kein historisches Lebensrecht. Es ist gut, wenn Deutschland verschwindet. Besser ist es, andere nehmen hier unseren Platz ein.“ Und daran anknüpfend, zitiert Sayn-Wittgenstein aus der Jongen-Rede weiter: „Mit dieser Gedächtnispolitik soll der Daseinswille von uns Deutschen als Volk und Nation gebrochen werden.“

Jongen plädiere dafür, „ins Zentrum der Gedächtnispolitik die hellen, lichtvollen Seite der deutschen Geschichte zu stellen – ausdrücklich auch neben den negativen Aspekten“, sagte Sayn-Wittgenstein. „Ich habe bei meinem Vortrag auf der Compact-Konferenz am 9. Juni 2019 in Magdeburg mich ausdrücklich zu dem Inhalt dieser Rede von Herrn Dr. Jongen bekannt.“ Ein dabei anwesendes AfD-Mitglied aus dem Kreis Ostholstein behaupte, sie wolle aus der AfD eine NPD 2.0 machen.

Verstoß gegen Neutralitätsgebot?

Die erste Geschichtskonferenz des rechten „Compact“-Magazins stand unter dem Motto „Freispruch für Deutschland“. Die Macher fordern „Schluss mit der Dämonisierung der Deutschen zum „Tätervolk“, „Schluss mit der Kollektivschuldlüge“, „Schluss mit der Verkürzung unserer 1100-jährigen Geschichte und Kulturleistung auf 12 finstere Jahre.“

In einem Video vom 27. Juni zum bevorstehenden Landesparteitag wirft Sayn-Wittgenstein manchen in der AfD schwere Verstöße gegen das vom Grundgesetz vorgegebene Neutralitätsgebot vor. Zwei Kreisverbände hätten ihre Mitglieder angeschrieben und aufgefordert, auf dem Landesparteitag Position gegen sie zu beziehen. „Ganz nebenbei wurden meine Unterstützer als Narren bezeichnet.“ Die Verfasser des Schreibens hätten sich für Ämter in der Partei disqualifiziert.

Matthias Hoenig/dpa