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Norddeutschland Wohnungen werden Hotels: Mieter fordern Gegenwehr
Nachrichten Norddeutschland Wohnungen werden Hotels: Mieter fordern Gegenwehr
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10:28 26.08.2018
Ein Schlüssel mit einem Airbnb-Anhänger und eine Herzlich-Willkommen-Karte liegen in der Wohnung eines Airbnb-Gastgebers. Quelle: dpa
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Lübeck

Der Siegeszug von Airbnb scheint unaufhaltsam, fast fünf Millionen Unterkünfte bietet die Plattform weltweit an. Doch an der Ferienwohnungs-Plattform scheiden sich die Geister, auch in Schleswig-Holstein. Während Mieterbund und Hoteliers Kritik üben, sehen Touristiker durch das Angebot einen Imagegewinn für das Bundesland.

In Schleswig-Holstein sind es nach Auskunft von Airbnb aktuell etwa 6800 Unterkünfte, Tendenz steigend, und das nicht nur in Städten wie Lübeck. „Wir sehen, dass immer mehr Reisende auf Airbnb die ländlichen Regionen in Schleswig-Holstein erkunden wollen und freuen uns, dass sie in den Genuss der Gastfreundschaft der Gastgeber vor Ort kommen, von denen viele ganz besondere Unterkünfte anbieten“, sagt Airbnb-Sprecherin Isabelle von Klot. Vor allem in den Urlauberorten an der Küste und in Lübeck werden zahlreiche Unterkünfte angeboten.

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Mieterbund sieht Zweckentfremdung 

„Wir stellen fest, dass der ohnehin schon sehr enge Wohnungsmarkt in den Bädergemeinden durch Airbnb noch enger wird", sagt dazu die Landesgeschäftsführerin des Mieterbundes, Heidrun Clausen. „Aus unserer Sicht ist das Zweckentfremdung von Dauerwohnraum.“ Auch in Lübeck werde das zunehmend zum Problem. Der Mieterbund fordere deshalb, die einst gültige Zweckentfremdungsverordnung wieder einzuführen.

Gegen die Grundidee, die Vermietung eines Schlafplatzes in der eigenen Wohnung, spreche nichts, sagt Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Allerdings würden nunmehr klassische Wohnungen über Airbnb vermarktet. „Das reduziert dringend benötigten Wohnraum und muss daher begrenzt werden, um den Wohnungsmarkt in Lübeck nicht weiter einzuengen“, sagt Lindenau.

Bußgelder von bis zu 500 000 Euro: Hamburg plant härtere Strafen

Die Stadt plane Bebauungspläne zwecks Ausschluss von gewerblichen Ferienwohnungen, um die Zweckentfremdung von Wohnraum zu reduzieren. „Strafen wie in Hamburg können wir nicht erlassen“, sagt der Bürgermeister. Dazu müssten Landesgesetze angepasst werden, und die Landesregierung lehne das ab. Als schnellere Maßnahme erwäge Lübeck aber auch die Neuaufstellung einer Erhaltungssatzung.

Hamburg hatte in dieser Woche angekündigt, Verstöße gegen den Wohnraumschutz härter zu bestrafen, künftig drohen dann Bußgelder von bis zu 500 000 Euro.

Minister sieht Potenzial

„Wenn sich Airbnb-Anbieter an alles halten, woran wir uns als Hoteliers halten müssen, dann wäre das kein Problem. Aber das ist bisher nicht so“, sagt Axel Strehl, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gatsstätten-Verbandes in Schleswig-Holstein. Hoteliers müssten strenge Auflagen etwa in Sachen Brandschutz erfüllen, das sei ein teurer Faktor. „Wir fordern gleiche Behandlung für alle“, sagt Strehl. Wenn Airbnb in Wohngegenden angeboten werde, finde er das nicht in Ordnung. „Bezahlbarer Wohnraum ist jetzt schon knapp, darunter leiden auch unsere Mitarbeiter von Hotels und Gastronomie, die Unterkünfte suchen.“ Airbnb verschärfe die Lage noch. „Viele Kollegen an der Küste berichten uns von diesem Problem“, sagt Strehl.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) erklärt, Airbnb sei „eine für Schleswig-Holstein interessante Vermarktungsplattform, die noch erhebliches Wachstumspotenzial hat.“ Für ihn stehe aber ebenso außer Frage, dass es dabei fair zugehen müsse und die betroffenen Städte klare Regeln setzen sollten. „Es kann nicht angehen, dass etwa Ferienhaus-Anbieter oder kommerzielle Vermieter eine Palette an Auflagen und Vorschriften hinsichtlich Bau, Sicherheit oder Hygiene zu beachten haben, dies aber für Airbnb-Anbieter nicht gilt“, gibt Buchholz zu bedenken. Marc Euler, Sprecher der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TASH), sieht im Airbnb-Angebot einen Imagegewinn fürs Land. „Living like the locals“ sei schließlich sehr attraktiv.

Christian Risch