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Norddeutschland Alle Gaming-Arten sind E-Sport in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Alle Gaming-Arten sind E-Sport in Schleswig-Holstein
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12:04 30.10.2019
Teilnehmer eines E-Sport-Turniers: Schleswig-Holstein will den E-Sport ebenfalls fördern – und dabei offenbar alle Arten von Spielen. Quelle: DPA
Kiel

CDU-Ministerpräsident Daniel Günther und der Landessportverband LSV müssen bei der Förderung des E-Sport im Norden eine Schlappe einstecken. Die von ihnen gewünschte Unterscheidung von reinen Sport-Computerspielen – die alleine förderungswürdig seien – und anderen Spielen wird es offenbar nicht geben.

18 740 Euro für E-Sport an der Dornbreite

CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote jedenfalls fördert jetzt die ersten Sportvereine, die eine E-Sport-Sparte eröffnen wollen, ohne auf die Art der Spiele Einfluss nehmen zu wollen. So geht es aus einer Mitteilung des Innenministeriums von Dienstag hervor. Unter anderem bekommt der Sportverein FC Dornbreite Lübeck jetzt 18 740 Euro, um E-Sport ins Vereinsleben einzubauen, wie es in der Mitteilung heißt.

500 000 Euro Fördergeld für E-Sport

500 000 Euro stehen für 2019 insgesamt als Fördergeld für E-Sport in Schleswig-Holstein zur Verfügung. Das Innenministerium verteilt das Geld. Derzeit liegen 19 Anträge vor, heißt es dort.

Vereine, die Geld haben wollen, müssen zugleich Präventionsmaßnahmen gegen Online-Spielsucht und Medienkompetenzschulungen anbieten. Das Fördergeld stammt nicht aus dem Topf der allgemeinen Sportfördermittel, geht also nicht zulasten einer Unterstützung des Breiten- oder Spitzensports, so das Ministerium.

Noch in diesem Jahr soll zudem ein vom Land gefördertes Landes-E-Sport-Zentrum in Kiel eröffnen, das kommunale E-Sport-Häuser in ihrer Arbeit unterstützen, Turniere und Fortbildungen organisieren und als Ratgeber zur Verfügung stehen soll.

Von dem Geld sollen Räume des Vereinsheims umgebaut und die technische Ausstattung angeschafft werden. Außerdem will der FCD davon Informations- und Fortbildungsveranstaltungen auf die Beine stellen, die die Jugendlichen in Medienkompetenz schulen und zugleich für Suchtgefahren sensibilisieren sollen. Der E-Sport biete den Sportvereinen „eine gute Möglichkeit, das klassische Sportarten-Angebot um ein Stück moderner Jugendkultur zu ergänzen“ und für Jugendliche attraktiv zu bleiben, betonte Innenstaatssekretärin Kristina Herbst bei der Übergabe des Förderbescheids.

Günther: „Bestimmte Formen von Videospielen“ kein E-Sport

In der Staatskanzlei von Daniel Günther bewertet man das allerdings ganz anders. „Eine getrennte Betrachtung von E-Sport und Gaming ist danach sachgerecht und sinnvoll“, hatte es von dort noch am Montag auf eine LN-Anfrage hin geheißen. Und: Günther habe immer betont, „dass bestimmte Formen von Videospielen, die manche als E-Sport bezeichnen, keine Form des Sports darstellen.“ Solche Aktivitäten seien auch nicht „zu begleiten“.

Das sorgte in der Jamaika-Koalition prompt für Streit. Die CDU schwenkte zwar auf die Günther-LSV-Linie ein. Als E-Sport solle ein Spiel nur gelten, wenn es Sportarten wie Fußball, Tennis oder Golf ins Digitale übersetze, sagte der parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, Hans-Jörn Arp. Alles andere sei als „E-Gaming“ nur ein Spiel und nicht förderungswürdig. FDP und Grüne aber hielten voll dagegen. Sie berufen sich auf den Koalitionsvertrag, der eine Förderung von E-Sport vorsieht und dabei nicht nach Sport-Spiel und Gaming unterscheidet.

Ministerium: Streng nach Förderrichtlinie entschieden

Das CDU-geführte Innenministerium bestätigt diese Linie jetzt. Man habe streng nach E-Sport-Förderrichtlinie entschieden und bewilligt, erklärt Ministeriumssprecher Dirk Hundertmark. Auch diese Richtlinie kennt die „getrennte Betrachtung von E-Sport und Gaming“ nicht, von der die Staatskanzlei spricht.

„Das ist ganz in unserem Sinne“, sagt der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky. Es sei absolut sinnvoll, „nicht künstlich zwischen E-Sport und E-Gaming zu trennen“. Es sei nämlich schlicht unmöglich, die immer neuen Computerspiele exakt in eine dieser beiden Kategorien einzuteilen, heißt es bei den Liberalen. Es gäbe viele Spiele, die Anteile von beidem haben. In Sportvereinen würden zudem viele unterschiedliche Spiele parallel gespielt werden.

„Die Sache ist klar: Wer sich im Wettbewerb mit anderen misst, betreibt E-Sport“, sagt auch der Grünen-Abgeordnete Joschka Knuth. Man freue sich bei den Grünen, „dass die Landesregierung das auch in ihrer Förderrichtlinie berücksichtigt“. Aus der Staatskanzlei gab es am Dienstag keinen Kommentar.

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