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Norddeutschland Deswegen ist die Pollen-Belastung im Norden stärker als sonst
Nachrichten Norddeutschland Deswegen ist die Pollen-Belastung im Norden stärker als sonst
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09:21 24.04.2019
Jan-Uwe Kreuschner, Inhaber der Lübecker Linda-Pegasus-Apotheke, zeigt seine Mittel gegen Heuschnupfen.
Jan-Uwe Kreuschner, Inhaber der Lübecker Linda-Pegasus-Apotheke, zeigt seine Mittel gegen Heuschnupfen. Quelle: FOTO: Lutz Roeßler
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„Die Pollen-Belastung ist stärker als sonst“, bestätigt Jan Löhler, Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) und Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte. „Mehr Leute als sonst haben Probleme.“ In die Praxis kämen selbst Patienten, die vorher nie Allergie-Beschwerden hatten. „Die Symptome sind wie bei einer Erkältung“, erklärt Löhler. „Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten, Augenreizung.“

Derzeit seien es vor allem Birken-Pollen, die Beschwerden verursachten. Auch Buchenpollen haben Hochkonjunktur. Im Mai fliegen dann die Gras- und Roggenpollen. Die extrem starke Pollen-Produktion macht sich auch auf Autos, Fenstern und Gartenmöbeln bemerkbar, die in der Nähe der blühenden Bäume schnell mit einem gelblichen Film überzogen werden.

Das hilft bei Heuschnupfen

Was den Menschen hilft, weiß der Apotheker. „Am besten Antihistaminika“, sagt Jan-Uwe Kreuschner, Inhaber der Lübecker Linda-Pegasus-Apotheke. „Die gibt es in Tablettenform, als Nasenspray und als Augentropfen.“ Was bei wem am besten helfe, da könne der Apotheker „ganz gut beraten“, meint Kreuschner. Wer nicht gleich auf ein Medikament zurückgreifen wolle, könne es auch mit der Einnahme von Zink versuchen, rät der Experte. Eine Salz-Nasenspülung helfe ebenfalls. „Damit kann man abends mal die Pollen ausspülen.“ Die Nachfrage nach all dem sei jedenfalls enorm, so Kreuschner. „In diesem Jahr explodiert sie geradezu.“ In manchen Apotheken würden die Heuschnupfen-Medikamente schon knapp.

Bauern hoffen auf Regen

Die anhaltende Trockenheit betrifft auch die Landwirte. „Schon seit dem Herbst des Vorjahres ist insgesamt kaum Niederschlag gefallen“, stellt Ludwig Hirschberg, Vorsitzender des Ackerbau-Ausschusses beim Landes-Bauernverband fest. Im März habe es zwar Regen gegeben, jedoch nur in bestimmten Regionen, so etwa an der Westküste. Während in Ostholstein bis zu 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen, seien es in Lauenburg, Stormarn und Segeberg nur bis zu 40 Liter gewesen. Zudem sei es bis vor Kurzem noch sehr kalt gewesen. „Das alles hemmt die Pflanzen in ihrer Entwicklung.“ Das Wintergetreide bilde reduzierte Ähren aus, das neu gesäte Sommergetreide komme erst gar nicht richtig. „Es müsste dringend regnen“, bringt Hirschberg es auf den Punkt. Er fürchtet eine schlechte Ernte, zumindest an den niederschlagsärmsten Orten im Land. „Die Sorge ist groß.“

Bei der Heuernte, die in diesen Tagen beginne, sei ebenfalls mit vergleichsweise geringen Erträgen zu rechnen. Dies betreffe vor allem die Milchviehbetriebe. „Das Gras dürfte gerne noch höher werden“, meint der Landwirt. Damit aber sei aufgrund der stabilen Ostwind-Wetterlage kaum zu rechnen. Regen bringe eher der vom Meer kommende Südwest-Wind mit.

Sorge vor Sandstürmen

Auf den Straßen im Nordosten besteht eine erhöhte Gefahr durch Sandstürme. An mehreren Autobahnabschnitten wurden am Dienstag wegen des trockenen und windigen Wetters Warnschilder mit den Hinweisen „Gefahrenstelle“ und „Sandsturm“ aufgestellt und teilweise die erlaubte Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt, teilte die Polizei mit. Auf der Autobahn 20 zwischen Strasburg und Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) sowie am Dreieck Wittstock von A24 und A19 galt laut Verkehrsministerium wegen der Sandsturmgefahr für einige Stunden ein Tempolimit von 80 Kilometer pro Stunde. Auf der A24 zwischen Neustadt-Glewe und Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sei die Höchstgeschwindigkeit wegen einer Baustelle ohnehin gesenkt. Dort seien zusätzlich Hinweisschilder aufgestellt worden.

Hochlage schwächt sich ab

Zwar sei in der Nacht zum Donnerstag etwas Regen in Sicht, sagt Julia Schmidt, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg voraus. „Aber wohl eher an der Westküste.“ Weiter östlich könne es bei Schauern bleiben. Der Donnerstag selbst verspreche dann noch einmal Temperaturen von 23 oder 24 Grad und viel Sonne.

Erst zum Ende der Woche hin werde sich die Hochlage insgesamt abschwächen und wechselhaftes Wetter einsetzen, sagt Schmidt. „Die Temperaturen sinken auf unter 19 Grad.“ Am Sonntag werde es mit 15 Grad besonders kühl und ungemütlich. In der Woche darauf werde es wechselhaft bleiben, mit Temperaturen von 16 oder 17 Grad.

Waldbrandgefahr in Niedersachsen

Ob der Wetterumschwung genügend Regen für die Landwirtschaft bringt, ist zweifelhaft. Auch der Wald ist im Trockenheitsstress und bräuchte Regen. Die Waldbrandgefahr – aktuell besteht in Schleswig-Holstein Waldbrandwarnstufe drei auf einer Skala bis Stufe fünf – werde durch den Regen aber sinken, prophezeit Schmidt. Und das gälte dann auch für die Pollenbelastung.

Marcus Stöcklin