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Norddeutschland Mit 1500 Mark voll durchgestartet
Nachrichten Norddeutschland Mit 1500 Mark voll durchgestartet
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11:19 25.12.2018
Andrea Gensel (rechts) im Gespräch mit ihren Mitarbeiterinnen. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Als Andrea Gensel (55) sich vor 16 Jahren mit ihrer ersten Firma Job Campus selbstständig machte, war ihr der Erfolg keineswegs sicher. Seitdem ist ihr Weg aber stetig bergauf gegangen. Und in diesem Jahr hat sie ihre Beratungsfirma Talingo an die Asklepios Klinik Gruppe, auch dank der Tochterfirma Asklepios Connecting Health, verkaufen können.

„Unser Team bei Talingo besteht überwiegend aus Psychologen und Psychotherapeuten, die am Telefon oder persönlich beraten“, sagt Gensel. Talingo betreue mit zurzeit 53 Mitarbeitern bundesweit 85 Firmenkunden, darunter Konzerne mit 10 000 Mitarbeitern, aber auch viele mittelständische Firmen. „Die Unternehmen zahlen eine monatliche Pauschale an uns, dafür können sich alle Mitarbeiter rund um die Uhr zu allen psychologischen und medizinischen Fragen von uns beraten lassen. Dieses Angebot wird sehr gut genutzt, vom Vorstand bis zum Mitarbeiter in der Produktion. Das können private Sorgen sein, aber auch berufliche, etwa Fragen zum Umgang mit erkrankten Mitarbeitern“, erzählt Gensel. Wenn Notfallpsychologie gefragt sei, helfen die Mitarbeiter auch vor Ort, etwa nach Amokläufen, Banküberfällen, Geiselnahmen oder schweren Arbeitsunfällen, wenn Beschäftigte unter Schock stehen. „Der Erfolg steht und fällt mit den Mitarbeitern. Hier habe ich ein großes Glück“, sagt Gensel.

Expansion nach der Übernahme

Durch die Übernahme gebe es nun die große Chance für Talingo zu expandieren. „Das war mein Ziel. Einen Käufer zu finden, der das Unternehmen skaliert und Arbeitsplätze in Lübeck schafft. Asklepios war und ist mein Wunschkäufer“, sagt Gensel. Asklepios eigne sich hervorragend, um mit Talingo weiteren Eintritt in die Betriebliche Gesundheitsförderung in Firmen zu erhalten.

Diese Entwicklung war zu Beginn ihrer Selbstständigkeit noch nicht zu erwarten. „Meine zwei Kinder waren damals im Alter von zwölf und 14 Jahren und ich hatte nur 1500 D-Mark in der Tasche“, erzählt sie. Sie mietete ein kleines Büro in einer Anwaltskanzlei, schnappte sich die Gelben Seiten und rief alle Firmen von hier bis Hamburg an, ob sie einen Auftrag für Personalrekrutierung vergeben wollen. In den ersten drei Monaten kamen zwei große Aufträge rein, dann sprach sich die Sache rum und immer mehr Firmen wurden Kunden. „Es ging ganz schnell.“

Die ersten vier Jahre der Selbstständigkeit konnte Andrea Gensel davon ihre Familie ernähren, aber an Rücklagen war nicht zu denken. „Für mich war immer eine Motivation, die Existenz für meine Kinder und mich zu sichern und genügend Geld im Alter zu haben. Ich bin etwas stolz darauf, noch nie einen Cent aufgenommen zu haben. Selbstständigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen, war am Anfang nicht einfach. Oft hatte ich ein schlechtes Gewissen, nicht genügend bei meinen Kindern zu sein.“

Insgesamt vier Firmen gegründet

Alle vier Firmen, die sie gegründet hat, haben mit betrieblicher Psychologie und Führung zu tun. Nach Job Campus und CarpeDiem24, später Talingo, kam 2011 die Campus-Akademie dazu, die im Auftrag von Hochschulen einjährige wissenschaftliche Weiterbildung im Fachbereich der betrieblichen Psychologie anbietet. 2014 gründete Gensel dann das Akademische Lehrinstitut für Psychologie (ALP), ein Masterstudiengang in Kommunikations- und Betriebspsychologie in Kooperation mit einer Hochschule in Österreich.

 Gensel hat einen betriebspsychologischen Hintergrund und einen Master in Notfall-Psychologie. „Zurzeit beginne ich nebenberuflich zu promovieren.“ Vor ihrer Selbstständigkeit war sie in der Personalentwicklung und dann bei einem Bildungsträger tätig. „Ich hatte immer schon den Gedanken, etwas Eigenes aufzuziehen und habe dann den Schnitt gemacht und 2002 gekündigt. Denn ich war in einer Situation, die ich nicht mehr schön fand und hatte das Gefühl, hier würde ich unglücklich. Wenn ich in einen solchen Zustand gerate, ändere ich etwas. Ich hatte in die Arbeitslosigkeit reingekündigt und dachte, es wird schon irgendwie weitergehen. Atme durch und denke an die Selbstständigkeit, fang mal an, dann wirst du schon sehen, ob es klappt.“

Gute Beratung wichtig für Gründer

Das Risiko zu scheitern, gehöre zu jeder Unternehmensgründung, man könne daraus lernen. „Neben Fachkompetenz braucht man Selbstvertrauen und den Mut, auch mal Misserfolge zu haben“, sagt sie. Ganz wichtig ist, die richtige Beratung zu suchen. Damals bei der Firmengründung sei ihr klar gewesen, das schaffe ich nicht alleine von einem Standort wie Lübeck aus Konzerne anzusprechen. „ Da brauchte ich jemanden, der mich pusht. Da waren Björn Engholm und Dr. Raimund Mildner für mich sehr wichtig als Beiräte. Wichtig sei auch ihr stabiler Freundeskreis, der richtig viel geholfen habe.

Zu Jahresbeginn steigt Gensel aus der Geschäftsführung von Talingo aus. „Die anderen Firmen behalte ich, aber sie werden so geführt, dass ich deutlich mehr Zeit habe.“ Sie wolle reisen, „ein halbes Jahr mit dem Wohnmobil durch die USA und auf dem Motorrad die Route 66 entlang“. Und sie möchte mehr Zeit für ihre Partnerschaft, ihre Kinder und ihr Enkelkind haben.

Christian Risch

Seit fünf Jahren betreibt Petra Teegen Deutschlands einzige Pferdeklappe. Auch anonym können Halter ihre Tiere einfach auf eine Koppel stellen. Für viele Tiere bedeutet die Einrichtung die Rettung.

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