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Norddeutschland Anwohner soll 100000 Euro zahlen
Nachrichten Norddeutschland Anwohner soll 100000 Euro zahlen
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20:10 22.02.2018

Lohe-Rickelshof. Für den Bau einer Straße zur Erschließung eines Gewerbegebiets in der Gemeinde Lohe-Rickelshof bei Heide (Kreis Dithmarschen) soll ein Pferdezüchter knapp 100 000 Euro zahlen. Der moderne Asphaltweg samt neuem Gehweg und Straßenbeleuchtung läuft direkt an der Haustür seines Resthofs vorbei und endet kurz dahinter. Hans Reinhard Perna und seine Lebensgefährtin Bettina Gomm wohnten dort zuvor samt ihren Pferden in idyllischer Einsamkeit. Jetzt sollen sie sich an den mehr als 2,8 Millionen Euro Kosten des Straßenbaus mit exakt 98 053,99 Euro beteiligen. Um das bezahlen zu können, musste Perna einen Bankkredit aufnehmen.

Der Anwalt des Paares hat parallel dazu gegen den Gebührenbescheid Widerspruch eingelegt und Akteneinsicht gefordert. „Die bekommt er auch“, sagte Bürgermeister Harald Matelski gestern. „Der Gebührenentscheid ist rechtmäßig ergangen“, ergänzte der Chef des 2000-Einwohner-Dorfes. Mit Blick auf das laufende Verfahren wolle er jedoch keine weitere Stellungnahme abgeben.

Solch ein hoher Gebührenbescheid ist in Schleswig-Holstein kein Einzelfall. So klagt zurzeit ein Landwirt aus Lütjenburg im Kreis Plön vor Gericht, weil er 189 000 Euro zahlen soll für den Ausbau einer 950 Meter langen Straße, die an seinen Feldern vorbeiführt. Der Landtag hat inzwischen beschlossen, dass es Kommunen freigestellt wird, ob sie bei Anwohnern Gebühren kassieren. Erste Gemeinden haben bereits angekündigt, darauf zu verzichten.

LN