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Norddeutschland Kann Kollege Hund einen Burn-out verhindern?
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18:13 09.12.2018
Unterstützen Daniel Reich in seinem Büro bei kniffligen Steuerfragen: die Hunde „Pepper“ und „Bono“. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Früher saß Sabine Schauer (46) alleine in ihrem Büro. Bis sich Kollegin „Lucy“ regelmäßig zu ihr gesellte. „Lucy“ aus Portugal, leicht welliges, braunes Haar, neun Jahre alt. Gewissenhaft macht sie ihren Job, liegt unter dem Schreibtisch, strahlt Gelassenheit aus.

Weniger einsam und weniger Stress: Ein Bürohund kann von Vorteil sein

„Lucy“ ist ein portugiesischer Wasserhund. Sie und Hündin „Bella“ sind feste Team-Kollegen beim Reisebüro Behrens in der Eutiner Innenstadt. „Sie steigern ganz klar die Stimmung im Büro“, sagt ihre Besitzerin Sabine Schauer. Wenn Kollegen bei ihr und den Hunden im Büro vorbeischauen, kreisen die Gespräche nicht zuerst um die Arbeit, sondern um die Hunde. Das Stress-Level sinkt automatisch.

Auch im Lübecker B&B-Hotel sorgt mitunter ein Vierbeiner für gute Laune bei Mitarbeitern und Gästen. „Unser ,Finn’ liebt es, die Gäste an der Rezeption zu begrüßen“, erzählt Hotel-Betreiber Gunnar Schmüser. Der drei Jahre alte Cocker Spaniel springe dann mit den Vorderpfoten auf den Tresen und habe bisher jedem Gast ein Lächeln entlockt, erzählt sein Besitzer.

Beim Steuerberater, im Hotel oder im Reisebüro lockern Tiere die Atmosphäre auf

Auch bei der Lübecker Steuerberatungsgesellschaft Wagria gibt es neben fünf Mitarbeitern noch zwei Hunde-Kollegen: Beagle „Pepper“ (13) und Stöberhund „Bono“ (7) sind die „besten Kumpel“ von Geschäftsführer Daniel Reich und immer mit dabei. In seinem Büro rollen sie sich aufs Sofa oder liegen unter dem Schreibtisch. Bei Außenterminen warten die beiden im Auto, manchmal begleiten sie Daniel Reich auch zu Gesprächen mit Mandanten in Berlin.

Es sei ein beruhigendes Gefühl, seine Hunde tagsüber zu betreuen, zu wissen, dass es ihnen gut geht. Bei der Steuerberatung könne jeder Hunde mit ins Büro bringen. Einzige Bedingung: „Der Hund muss lernen, sich zu benehmen“, betont Reich. Aus Gesprächen mit anderen Hundebesitzern weiß der Steuerberater: So entspannt sind in Lübeck und Umgebung nicht alle Unternehmen.

Große Unternehmen und Arbeitgeber in Lübeck erlauben Tiere oft nicht im Büro

Beim Medizinunternehmen Dräger dürfen Tiere nicht mit ins Büro. „Aus betrieblichen Gründen sind Hunde auf dem Werksgelände nicht gestattet“, sagt Sprecher Herbert Glass. Auch bei der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein seien Bürohunde derzeit nicht erlaubt, sagt Sprecherin Anne Steinbacher. Für Mitarbeiter bei der Stadt Lübeck gibt es keine klaren Regeln – „weder ein Verbot noch eine grundsätzliche Erlaubnis“, berichtet Stadtsprecherin Nicole Dorel. Es gebe aber Einzelabsprachen unter Berücksichtigung des Kundenservice und der Belange der Kollegen.

Markus Beyer findet das schade. Der Hundetrainer gründete vor fünf Jahren den Bundesverband Bürohund, um die Akzeptanz der Vierbeiner am Schreibtisch zu fördern. „An Fabrik-Arbeitsplätzen und an Orten mit strengen Hygiene-Vorschriften sind Hunde nicht möglich, Verwaltungsjobs eignen sich jedoch hervorragend“, sagt der 56-Jährige. Damit würde der Arbeitgeber sich sogar selbst einen Gefallen tun.

Studie aus Schweden: Interaktion mit Hunden verringert das Burn Out-Risiko

Eine Studie aus Schweden belegt nämlich, dass Hunde das Arbeitsklima verbessern. Wenn Mensch Hund streichelt, wird Oxytocin freigesetzt. Das Hormon mindert den Stress und damit das Risiko, ein Burn Out oder Depressionen zu bekommen. „Das ist ein Riesenvorteil“, betont Beyer. Zudem könne der Bürohund als Kommunikationsbrücke zwischen Kollegen und Abteilungen dienen. „Es finden automatisch Gespräche statt, die sich nicht nur um die Arbeit drehen.“

Damit es nicht zu Verstimmungen unter Kollegen komme, müsse es allerdings klare Regeln geben - vor allem in größeren Unternehmen. Etwa in welchen Räumen Hunde erlaubt sind, in welchen nicht und in welchen sie an der Leine zu führen sind. „Es gibt Menschen, die haben Angst vor Hunden. Andere werden von Allergien geplagt. Darauf muss Rücksicht genommen werden“, sagt Bayer.

Hund ins Büro: Tipps für Mitarbeiter

Wenn der Hund im Büro dabei sein soll, sollten Arbeitnehmer zunächst die Erlaubnis des Arbeitgebers einholen. Ansonsten kann einem eine Abmahnung oder sogar die Kündigung drohen, sagt Markus Beyer. Der Chef könne darüber bestimmen, ob ein Vierbeiner während der Arbeitszeit im Büro sein darf. Denn schließlich könnte die Arbeitsleistung des Hundehalters eingeschränkt sein, Firmeneigentum beschädigt werden oder Mitarbeiter sich unwohl fühlen.

Manche Menschen haben eine Hundehaarallergie oder Angst vor Tieren. Deshalb sollte vorher mit den Kollegen geklärt werden, ob es Allergiker oder sonstige Bedenken gibt. Um fiese Gerüche zu vermeiden, sollte zudem darauf geachtet werden, dass der Hund sauber ist.

Bei der Gewinnung von Fachkräften sei es zunehmend wichtiger, ob Unternehmen Tiere zulassen. Das sei bei vielen Bewerbern ein Pluspunkt, werbe für Menschlichkeit im Betrieb, sagt Beyer. Bei der Bremer Werbe-Agentur Bernstein etwa werden Hunde im Betrieb wie alle anderen Mitarbeiter auf der Firmen-Homepage mit Bild, Name und Funktion vorgestellt. „Lula“ ist Work-Life-Balance Manager, „Tate“ Junior Work-Life-Balance Manager und „Nila“ Non-Profit Director.

Beim Heimtierbedarf-Großhändler „Trixie“ im schleswig-holsteinischen Tarp gibt es für die 470 Mitarbeiter sogar eine Bürohund-Beauftragte. Corinna Ruddat achtet darauf, dass Hunde erst dann mit ins Büro kommen, wenn sie zuvor einen Büro-Eignungstest bei einer Hundetrainerin gemacht haben. „Bisher haben den 18 Vierbeiner gemacht“, sagt die 50-Jährige, die von Haus aus Tierärztin ist. Die Tiere hätten bei „Trixie“ verantwortungsvolle Posten. Ist das Spielzeug robust, passt der Hundemantel? Kollege Hund sei bei „Trixie“ praktischerweise als Produkttester im Einsatz, sagt Ruddat.

Saskia Bücker

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