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Norddeutschland Arztbesuch im Sealife Timmendorfer Strand: Auf Stippvisite bei Hai, Schlange und Fisch
Nachrichten Norddeutschland Arztbesuch im Sealife Timmendorfer Strand: Auf Stippvisite bei Hai, Schlange und Fisch
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06:00 20.08.2019
Tierarzt Christoph Schubert (l.) und Aquarist Stefan Tauscher vermessen den fünf Monate alten Riffhai, der im Sealife zur Welt kam.   Quelle: fotos: Fabian Boerger
Timmendorfer Strand

Nur wenige Meter von ihrem natürlichen Lebensraum entfernt leben zahlreiche Meeresbewohner im Großraumaquarium Sealife in Timmendorfer Strand. Dort, wo die zahlreichen Besucher durch die dicken Panzergläser Haie, Muränen und Clown-Fische beobachten, schwimmt im Nachbarraum ein fünf Monate alter Riffhai in einem kreisrunden Pool.

Das Becken befindet sich im sogenannte Quarantäne-Raum. Hierher kommen verletzte oder kranke Fische, die behandelt und aufgepäppelt werden müssen sowie neu angelieferte Tiere, die an die Bedingungen in dem Aquarium vorbereitet werden.

Für den kleinen Riffhai wird es jetzt ernst. Routinemäßig kontrolliert Christoph Schubert Größe und Gewicht des Junghais. Er ist Tierarzt aus Timmendorfer Strand. Gemeinsam mit dem Aquaristen vor Ort kümmert er sich um die Gesundheit der Meeresbewohner. Mit einem Kescher, der so groß ist wie ein Wäschekorb, versucht er den kleinen Riffhai einzufangen. Schnell gelingt es ihm, doch das Jungtier zappelt und wehrt sich mit Leibeskräften. Stefan Tauscher ist Aquarist im Sealife und begleitet den Tierarzt während seines Rundgangs. Mit gekonntem Griff packt er den Hai mit einer Hand am Rücken, mit der anderen an der Schwanzflosse und hebt ihn so vorsichtig wie möglich aus dem Becken. Mit einem Zollstock messen sie zügig die Länge: 70 Zentimeter. In einem Bottich mit einer handbreit Wasser wird er gewogen: eineinhalb Kilogramm.

Das Ganze muss sehr schnell gehen, denn für den Riffhai ist das Prozedere der reinste Stress. „Das A und O ist die Größe und Futterfestigkeit der Haie“, sagt der Aquarist. Geschafft. Nach etwa einer Minute schwimmt der Hai wieder in seinem Pool. „Er steht gut im Futter“, sagt Schubert. Bald kann es für ihn auf die Reise in die Aufzuchtstation in Oberhausen gehen. Dort ist die größte deutsche Haiaufzucht, wo er weiter großgezogen wird, bevor er später wieder zurück nach Timmendorfer Strand kommt.

„Fische sind für den Alltag das Salz in der Suppe“

Einmal im Monat kommt Christoph Schubert in das Sealife in Timmendorfer Strand. Eigentlich ist er allgemeiner Tierarzt im Ort, kümmert sich vor allem um Kleintiere. „Die Fische sind aber für den Arbeitsalltag das Salz in der Suppe.“ Er selbst ist auch „Hobby-Aquarianer“ und genießt die Arbeit im Sealife. „Es ist eine prima Abwechslung.“

Während seines monatlichen Besuchs checkt er alle Tiere durch, begutachtet sie und untersucht diejenigen, bei denen es nötig ist. Aber nicht nur der Arzt kümmert sich um die Gesundheit der Tiere. Morgens und abends überprüfen die Aquaristen des Sealife die Becken, Technik und den Zustand der Bewohner. Dabei ist unter anderem die Wassertemperatur der Becken wichtig. Denn diese beeinflusst das Immunsystem und die Aktivität der Tiere. „Es ist wie bei uns Menschen: Ist es kalt wie im Winter, müssen wir uns auch mit einer Winterjacke an die Temperatur anpassen. Tun wir das nicht, werden wir krank“, sagt Tauscher.

Nächste Station ist das Hafenbecken, in dem Rochen, Haie und Dorsche friedlich beisammen leben. Bei den Marmorrochen möchte Schubert den Zustand alter Bisswunden untersuchen. „Bei der Paarung verbeißen sich die Tiere ineinander. Die daraus resultierenden Bisswunden sind bei ihnen somit normal“, sagt der Aquarist. Trotzdem muss der Heilungsprozess beobachtet werden.

Nun kommt der Kescher wieder zum Einsatz. Schnell haben die beiden ein verletztes Exemplar im Netz. Anders als andere Rochen-Arten trägt der Marmorrochen keinen Giftstachel. Allerdings schlägt er wild mit seinem Schwanz umher, in dem ein Dornenfortsatz steckt. „Wird man getroffen, ist das gar nicht angenehm“, sagt der Tierarzt. Er greift nach dem Schwanz, ohne mit dem Dorn in Kontakt zu kommen. „Völlig normal“ ist das Fazit seiner kurzen Untersuchung. Die Wunde hat sich nicht infiziert und verheilt gut.

Das Schwierige an der Untersuchung der Meeresbewohner: Man muss Krankheiten in den meisten Fällen aus der Ferne erkennen, sagt der Tierarzt. Ein Stethoskop anzulegen oder mit einem Thermometer zu messen ist bei den wilden Tieren kaum möglich. „Es bedeutet zudem eine Menge Stress für sie, was wir versuchen zu vermeiden.“ Vielmehr beobachtet man die Tiere genau. Vieles kann man zum Beispiel über die Augen oder die Färbung der Haut ablesen. Schwimmt ein normalerweise ruhiger Fisch hektisch herum, dann könnte etwas nicht stimmen, sagt Schubert.

Obwohl der Tierarzt normalerweise Hunde und Katzen untersucht, unterscheiden sich die Meerestiere nicht sonderlich von anderen Arten. Die Anatomie sei ähnlich: „Das grobe Gerüst oder die Organe sind bei vielen Tieren gleich. Nur sind sie vielleicht an anderen Stellen im Körper verortet.“ In der Folge könne man viele Erkrankungen und Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel den Parasiten-Befall, aus anderen medizinischen Bereichen ableiten. Außerdem: „Die Mitarbeiter vor Ort haben ein großes Fachwissen bezüglich der Tiere. Mit ihnen stehe ich ständig im Kontakt und tausche mich zu vielen Themen aus.“

Die meisten Untersuchungensind früh morgens

Weiter geht der Rundgang durch das Großraumaquarium. Neben den Fischbecken verfügt das Sealife auch über einen Regenwald-Bereich. Dort wohnen die nächsten Patienten: zwei Abgottschlangen (Boa constrictor). Reglos liegen die beiden Würgeschlangen bei 80 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von bis zu 28 Grad auf den Felsen. Auch sie werden regelmäßig gemessen und gewogen. Allerdings meist in der Frühe, wenn keine Besucher da sind. „Aus sicherheitstechnischen Gründen ist das während der Öffnungszeiten schwierig“, sagt Tauscher.

Bei den Boas achtet er erneut auf die Farbe und guckt, ob sich die Haut beim Häuten auch komplett vom Körper gelöst hat. „Wir begutachten vor allem die Nasen- und Ohrenöffnungen“, sagt Tauscher. Dort setzen sich Parasiten gerne ab.“ Um das zu prüfen, hat Stefan Tauscher einen praktischen Trick: Mit einem Klebestreifen nimmt er einen Abstrich von der Haut. Die Schädlinge bleiben kleben und können ganz einfach unter dem Mikroskop untersucht werden.

Müssen die Tiere behandelt werden, versuchen die Aquaristen mit möglichst natürlichen Mitteln zu behandeln. Ätherische Öle oder ein Bad in Tee würden Wunder bewirken, sagt Tauscher. Erst wenn es anders nicht ginge, würden Medikamente zur Hilfe gezogen.

Nach zwei Stunden ist der Rundgang beendet. Bei den wenigen Tiere, die auf der Quarantäne-Station in Behandlung sind, kontrolliert er den Stand der Behandlung. „Wenn es bei einem der Bewohner mal etwas Ernstes gibt, dann kann es schon mal sein, dass ich öfter vor Ort bin“, sagt Schubert. Das sei momentan aber nicht der Fall.

Von Fabian Boerger

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