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Norddeutschland Auf Patrouille vor den Kreidefelsen
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21:10 12.08.2015
Hartmut Dahms (l.) und Marcus Smendes sind vor dem Nationalpark Jasmund unterwegs. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Sassnitz

Ihr Einsatzfahrzeug hat keine Räder, sondern braucht eine Handbreit Wasser unterm Kiel: Jeden Morgen gegen 7 Uhr legt das Küstenstreifenboot „Granitz“ vom Stadthafen Sassnitz an der Ostküste Rügens ab. Die Tour führt die Wasserschutzpolizei auch Richtung Kreideküste. Seit das Netz an Häfen mit entsprechenden Charterjachten immer dichter geworden ist, steigt auch der Verkehr auf der Ostsee und den Boddengewässern. Das Team um Polizeikommissar Uwe Bruchalla will Angelboote und Segler kontrollieren, von denen derzeit viele auf den Gewässern rund um Rügen schippern. „Ausrüstungsmängel auf den Charterbooten sind unser Hauptproblem und im Ernstfall ein echtes Sicherheitsrisiko für die Besatzung“, erklärt Bruchalla seinen Einsatz.

644 Ordnungswidrigkeitsverfahren auf See haben die Beamten der Wasserschutzpolizeiinspektion in Sassnitz bis Ende Juli aufgenommen, 88 mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der maritimen Unfälle nahm zu. Die meisten davon waren Sportbootunfälle. Polizeikommissar Bruchalla führt dies auch auf die höhere Fahrzeugdichte um Rügen zurück.

Die „Granitz“ arbeitet sich bei Windstärke sechs und hohen Wellen in Richtung Kreideküste vor. Ein Gewässerstreifen von 500 Metern vor den Kreidefelsen gehört zur streng geschützten Kernzone des Nationalparks Jasmund. In diesem zwölf Kilometer langen Streifen gilt ein striktes Fahrverbot. „Obwohl die Fahrverbotszone in allen Seekarten ausgewiesen ist, riskieren einige immer wieder die Fahrt in das Gebiet“, sagt Polizeihauptmeister Hartmut Dahms. 250 Euro Bußgeld kostet diese Ordnungswidrigkeit.

Wenn nicht ein besonderer Einsatz oder Notfall ruft, steuert das Küstenstreifenboot jeden Tag einen anderen Abschnitt in den Ostsee- und Boddengewässern um Rügen an. Notfälle seien selten, aber oftmals belastend. Anfang Juli nahm die „Granitz“ vor Binz einen Toten an Bord. „Schlimm ist es, wenn die Kollegen Kinder bergen müssen“, sagt Wasserschutzpolizeisprecher Hartmut Richter. „Wer solche Ereignisse aber nach Wochen nicht verarbeiten kann, muss den Beruf wechseln.“

Die „Granitz“ nimmt schließlich ein Angelschiff ins Visier, das rund eine Seemeile vor der Kreideküste in den Wellen schaukelt. Mit einem Schlauchboot setzen Dahms und sein Kollege Marcus Smendes zum Schiff über. Sechs Männer sind an Bord, von den fünf ihre Ruten mit der Hoffnung auf einen fetten Dorschfang ins Wasser halten. „Papiere bitte“, fordert Dahms freundlich. Nach einem kurzen Blick ist klar: Das Angelschiff ist unterbesetzt. Neben dem Schiffsführer hätte noch ein Decksmann an Bord sein müssen. Der sei kurzfristig krank geworden, antwortet der Schiffsführer kleinlaut — eine Anzeige folgt trotzdem. Auch den Anglern ergeht es nicht besser: Zwei Männer aus Dresden haben keine Angelerlaubnis. Ihnen droht jetzt eine Strafanzeige wegen Fischwilderei. Ein weiterer hat seinen Fischereischein vergessen — auch das ist eine Ordnungswidrigkeit. Statt Dorsch nehmen die Angler Anzeigen mit an Land: Das Schiff muss sofort in den Hafen Sassnitz zurückkehren.

In den vergangenen Jahren sorgten Paraffin-Anspülungen zweimal an der Küste Rügens für Aufregungen. Frachter wuschen auf See ihre Laderäume aus, die chemische Substanz landete dann in Klumpen an den Stränden. Für die Wasserschutzpolizei gleicht die Suche nach dem Umweltsünder einem Puzzlespiel. Aus den Strömungs- und Windmodellen, dem aufgezeichneten Schiffsverkehr werden die verdächtigen Schiffe herausgefiltert und dann Zug um Zug überprüft, erklärt Richter. Für die erste Verschmutzung wurde ein italienischer Frachter ausfindig gemacht. Im zweiten Fall läuft die Suche nach dem Verursacher noch.

35 Mitarbeiter arbeiten in Sassnitz — von rund 270 Wasserschutzpolizisten in ganz Mecklenburg-Vorpommern. In den vergangenen Jahren wurden im Zuge der Polizeistrukturreform auch in diesem Bereich Stellen abgebaut. „Wir sind im Grenzbereich angelangt“, sagt Sprecher Richter.

„Ausrüstungsmängel
auf den Charterbooten
sind im Ernstfall ein echtes Sicherheitsrisiko.“
Polizeikommissar Uwe Bruchalla

Martina Rathke

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