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Norddeutschland Kramp-Karrenbauer macht das Rennen – Lob aus der Nord-CDU
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19:29 07.12.2018
Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue Chefin der Bundes-CDU. Kiels Ministerpräsident Daniel Günther gratuliert. Quelle: foto: dpa
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Hamburg/Kiel

Im zweiten Wahlgang machte Annegret Kramp-Karrenbauer alles klar: Mit 517 zu 482 Stimmen zog die 56-Jährige am Freitag auf dem Parteitag in Hamburg ihrem 63-jährigen Mitbewerber Friedrich Merz knapp davon. Jetzt ist die bisherige Generalsekretärin neue Vorsitzende der CDU Deutschlands.

Zehn Minuten Parteitags-Applaus für Vorgängerin Angela Merkel

Kramp-Karrenbauer folgt auf Angela Merkel, die nach 18 Jahren nicht mehr als Parteivorsitzende antrat. Sie hatte sich zuvor in einer bewegenden Rede aus dem Amt verabschiedet, bekam von den stehenden Delegierten zehn Minuten Applaus. Der dritte Mitbewerber für die Merkel-Nachfolge, der 38-jährige Gesundheitsminister Jens Spahn, war im ersten Wahlgang mit 157 Stimmen ausgeschieden.

Verloren: Friedrich Merz unterlag Annegret Kramp-Karrenbauer im zweiten Wahlgang. Quelle: imago

Kiels Ministerpräsident Daniel Günther hatte sich bereits im Vorfeld klar für Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Parteichefin ausgesprochen. Sie habe Regierungserfahrung im Saarland, habe schon Wahlen gewonnen und kenne die Partei gut. Die ehemalige Saarländische Regierungschefin gilt zudem als Verfechterin des Merkel-Kurses, dem auch Günther nahe steht. Entsprechend erleichtert reagierte er gestern auf das knappe Wahlergebnis. „Mit ihr an der Spitze bleiben wir als Volkspartei der Mitte in der Breite unserer Gesellschaft verwurzelt“, sagte Günther. Gemeinsam stehe man jetzt vor der Herausforderung, den Aufbruch der CDU „geschlossen mit Leben zu füllen“ und dabei alle in der Partei mitzunehmen.

Unterlegen: Gesundheitsminister Jens Spahn schied bereits im ersten Wahlgang aus dem Rennen um den Parteivorsitz aus. Quelle: imago

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Kieler CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp, ist hingegen enttäuscht. Er hatte für Merz gestimmt. „Sein wirtschaftsliberaleres Profil hätte uns gutgetan“, sagt Arp. Das knappe Ergebnis sollte für Kramp-Karrenbauer jetzt ein Signal sein, dass sich die Partei eine klarere Abgrenzung zu anderen Parteien wünsche, so wie Merz es vorgemacht habe.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue Bundesvorsitzende der CDU Deutschlands. Quelle: imago

Auch Landtags-Fraktionschef Tobias Koch hat für Merz gestimmt, gibt aber zu: „Kramp-Karrenbauer hat die bessere Rede gehalten.“ Merz habe professoral gewirkt, bei ihr sei der Funke übergesprungen. Er sei mit dem Ergebnis jetzt genauso zufrieden.

Glosse: Abschiedsschmerz

LN Volontärin Josephine Andreoli (23) kennt eigentlich die Zeit vor Angela Merkel gar nicht mehr. Hier schreibt sie eine kleine Glosse zum Abschied an eine Ära.

Es fühlt sich an, als hätte man mir versehentlich verraten, dass die Serienheldin sterben würde. Nicht am Ende der Staffel, sondern mittendrin. Zack, und weg. Angela Merkel, 13 Jahre lang Kanzlerin und ganz verlässlich jeden Abend zur Tagesschau zu Gast in meinem Wohnzimmer, verschwindet von der Bildfläche. Unmerklich, aber dennoch. Deutschland mit jemand anderem an der Spitze als Merkel? Unvorstellbar – denn seit ich mich erinnern kann, war da immer nur Angela Merkel.

Natürlich war da diese leise Vorahnung, dass etwas passieren würde, dass Merkel nicht mehr allzu lange bleiben würde. Aber ich habe sie trotzig verdrängt – und wurde kalt erwischt: Am 29. Oktober hatte Merkel bekannt gegeben, dass sie nicht noch einmal für den Parteivorsitz der CDU kandidieren wolle. Heute ist der Tag gekommen, an dem ihr Nachfolger an die Spitze der CDU gewählt und sie ablösen wird, nach 18 Jahren als Parteivorsitzende. Noch ist sie Kanzlerin. Erst einmal jedenfalls. Es fragt sich nur, wie lange noch.

Es ist ein Bangen: Serien-Junkies, die gebannt, vielleicht auch angstvoll, auf ihren Fall, ihren Rückzug warten. Leute wie mich. Aber eine Zeit ohne Merkel? Ohne Raute, bunte Kostüme, das eine wie das andere? Eine Ausgabe der Tagesschau ohne die nüchtern gesprochenen Worte von Angie? Unvorstellbar. Seit ich fünf Jahre alt bin, sehe ich Merkel, die mir so fremd und zugleich so bekannt ist, täglich im Fernsehen, in der Zeitung, im Netz. Ich sehe meine Großeltern vor meinem geistigen Auge an ihrem Esstisch mit der gelb geblümten Wachstischdecke sitzen, wie sie mit meinen Eltern über die Politik von Merkel diskutieren. Ich erinnere mich, wie mein Vater mich am 11. März 2011 nach unten ins Wohnzimmer rief, wie wir über die Nuklearkatastrophe von Fukushima redeten – im Hintergrund die Stimme Angela Merkels. Im Jahr 2015 dann die Flüchtlingskrise, Angela Merkel sagte „Wir schaffen das!“ – und ich glaubte ihr. Die AfD, Trump, G20Merkel war immer da. Beruhigend, irgendwie. Und jetzt? Es ist der Anfang vom Ende. Merkel-Fan hin oder her, sie wird mir fehlen.

Eine Ära wird schon bald zu Ende sein. Aber, und auch das habe ich mittlerweile gelernt: es wird eine neue Staffel, eine neue Serie und ganz sicher einen nächsten Serienhelden geben. Fragt sich nur, wer das sein wird.

Von Josephine Andreoli

Viel Lob für die neue Parteichefin kommt vom Bundestagsabgeordneten und Segeberger Kreischef Gero Storjohann. „AKK hat über Zukunftsthemen gesprochen, mit Lösungsversprechen und Emotionen“, sagt Storjohann. Die Lübecker Ex-Kreischefin Anette Röttger ist sich ebenfalls sicher: „Annegret Kramp-Karrenbauer kann mit viel Mut, will mit viel Mut und wird mit viel Mut das Amt ausfüllen und die Flügel der Partei zusammenführen.“

Der UV Nord hofft auf mehr Volkspartei und weniger Grüne Ideen

Bei der Wirtschaft im Norden hofft man, dass Kramp-Karrenbauer jetzt die Flügel der CDU wieder vereinen kann. Die CDU müsse als Volksparteien die Themen und Sorgen der Menschen und der Wirtschaft aufnehmen, sagt UV-Nord-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. Man verspreche sich von der Union, dass Hartz IV nicht weiter aufgeweicht werde, dass es zu einer Steuerreform und zum Bürokratieabbau komme und dass sich die Partei nicht zu sehr an Grünen-Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen annähere.

Hier geht’s zum Nachlesen zum Liveticker. Und hier gibt es weitere Berichte vom CDU-Bundesparteitag in Hamburg.

Wolfram Hammer

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