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Nachrichten Norddeutschland In diesen Jobs werden Azubis gesucht
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18:42 31.05.2019
Dominik Oldenburg (20) ist Anlagenbauer-Azubi, er misst einen Ablauf aus. Sein Chef Eckhard Saß (48) schaut zu. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Freie Ausbildungsplätze gibt es genug – zumindest in einigen Berufen. Insgesamt sind auf dem Ausbildungsmarkt Schleswig-Holstein laut Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit aktuell (April 2019) rund 9500 Ausbildungsplätze unbesetzt. Dem gegenüber stehen mehr als 7200 aktuell unversorgte Bewerber.

Wenig Interesse am Verkäuferberuf

In den Berufe Kaufmann im Einzelhandel und Verkäufer gibt es die größten Lücken. Aber warum gibt es dort nicht ausreichend Bewerber?

„Die Arbeitszeiten spielen sicher eine Rolle“, sagt Sebastian Grotkopp, stellvertretender Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck. „Manche Geschäfte haben bis 24 Uhr geöffnet, 20 Uhr ist eigentlich schon Standard. Und auch der Sonnabend ist ein normaler Arbeitstag.“

Arbeit auch körperlich anstrengend

Hinzu komme an der Ostseeküste vielerorts die Sonntagsöffnung. Jeden Tag in der Woche theoretisch verfügbar sein zu müssen, das sei für viele Schulabgänger keine angenehme Vorstellung. Selbst Azubis können abends und am Wochenende eingesetzt werden, wenn sie volljährig sind, sagt Grotkopp. Hinzu komme der körperlich anstrengende Teil des Verkäuferdaseins: Neu angelieferte Waren annehmen und in die Regale räumen, dabei können man schon ins Schwitzen geraten und sich auch einmal schmutzig machen.

Bei CB-Mode im Lübecker Citti-Park hängen Miriam Kruse (18), Auszubildende Jacqueline Killait (22) und ihre Kollegin Stefanie Langkammer (51, v. l.) Shirts an den Ständer. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Während Verkäufer eine zweijährige Ausbildung ist, muss für den Kaufmann im Einzelhandel drei Jahre gelernt werden. Die Branche habe einen großen Fachkräftebedarf, erklärt Grotkopp. Viele größere Einzelhandelsunternehmen würden daher mit der Zusage um Lehrlinge werben, dass der Aufstieg im Unternehmen möglich sei. Dennoch entschieden Jugendliche, die gerne einen kaufmännischen Beruf lernen wollten, sich öfter für die vermeintlich attraktiveren Berufe Kaufmann im Groß- und Einzelhandel oder Industriekaufmann.

„Es ist ein Problem“, sagt auch Filialleiter Markus Behling von CB-Mode im Lübecker Citti-Park. Er möchte in diesem Jahr zwei Azubis einstellen. „Eine haben wir praktisch schon“, berichtet er. Er sei bereit, auch jungen Leuten mit weniger guten Schulnoten eine Chance zu geben. In manchen technischen Berufen sei dies nicht immer so.

Auch Anlagenmechaniker fehlen

Das bestätigt Innungs-Obermeister Eckhard Saß aus Lübeck von der Innung Sanitär-Heizung-Klima. Er sucht pro Jahr zwei Lehrlinge. „Ich habe auch zwei, vielleicht ist es hilfreich, dass ich Obermeister bin. Aber Kollegen haben nicht selten Probleme, geeignete Bewerber zu finden, die die Voraussetzungen mitbringen. Wer gute Noten hat, will oft lieber studieren.“

An freien Stellen als Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik herrscht jedenfalls kein Mangel. Schuld sei möglicherweise ein falsches Image des Berufes, das zu falschen Vorstellungen bei Schulabgängern führe, sagt Hauptgeschäftsführer Enno de Vries vom Fachverband Sanitär Heizung Klima Schleswig-Holstein. „Natürlich gehört auch das Thema Toiletten dazu, aber es macht nur einen kleinen Teil der Arbeit aus.“

Top Ten: Jobs mit freien Ausbildungsplätzen

1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 8312. Verkäufer/in: 5243. Anlagenmechaniker/-in für Sanitär- /Heizungs- und Klimatechnik: 2984. Elektroniker/-in für Energie- und Gebäudetechnik: 2855. Koch/Köchin: 2566. Kaufmann/-frau für Büromanagement: 2357. Kfz-Mechatroniker/-in: 2258. Fachverkäufer/-in – Fleischerei: 2239. Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/r: 22110. Fachverkäufer/-in – Bäckerei: 220

Im Bad gehe es darum, Wohlfühloasen zu schaffen, im Haus spiele das Thema Energiewende und Wärmewende eine Rolle. Den Beruf gibt es seit 2003, sagt de Vries. Die Ausbildungen Heizungsbauer und Gas-/ Wasserinstallateur seien dafür zusammengelegt worden. „Ein umfangreiches Berufsbild, das aber auch viele Chancen bietet.“

Kfz-Mechatroniker sind gefragt

Trotz der vielen freien Stellen werde im Beruf des Kfz-Mechatronikers mehr ausgebildet denn je, sagt Geschäftsführer Jan-Nikolas Sontag vom Landesverband des Deutschen Kraftfahrgewerbes in Kiel. „Die Zahl der Ausbildungsverträge wächst, seit 2016 in Schleswig-Holstein um fast 20 Prozent.“

Von 16 300 Beschäftigten in der Branche seien 3200 Azubis. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei groß. Sontag: „Nur wer selbst ausbildet, hat später auch genug Fachkräfte.“ Weniger gefragt dagegen sei zuletzt der Beruf des Automobilverkäufers gewesen. Während es im städtischen Bereich noch genügend Bewerber gebe, fehlten

Auszubildende Jella Jacobsen (17) und Werkstattleiter Toni Schiefner (30) überprüfen beim Autohaus Evers eine Zylinderkopfdichtung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

diese in strukturschwachen, ländlichen Regionen. So seien die freien Stellen wohl zu erklären. „Der Bedarf ist da“, räumt Sontag ein.

„Die Situation ist heute so, dass wir uns um die Bewerber bewerben“, meint Sabine Dingeldey, Azubi-Beauftragte des VW-Autohauses Evers in Lübeck. „Wir schalten Anzeigen und suchen auf Facebook.“ Das Autohaus sucht zwei Bewerber pro Ausbildungsjahr. „Einen haben wir fast.“ Attraktiv sei der Beruf – Mechatroniker würden nicht selten von der Industrie abgeworben. Und auch Frauen entscheiden sich zunehmend für den Job.

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