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Bäcker in SH in Not: Brot und Brötchen werden teurer

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09:27 16.11.2021
Kemal Tanriverdi (62) von „Unser Mühlenbäcker“ in Lübeck muss auch für Weizenmehl deutlich mehr bezahlen.
Kemal Tanriverdi (62) von „Unser Mühlenbäcker“ in Lübeck muss auch für Weizenmehl deutlich mehr bezahlen. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Harte Zeiten für Bäcker: Steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal setzen die Betriebe unter Druck. Die Folge für den Kunden sind vielfach höhere Preise für Brot und Brötchen. „Im Durchschnitt sind es vier bis sieben Prozent“, sagt Jan Loleit von der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord. Auch Weihnachtsgebäck und Stollen sind meist teurer als im vergangenen Jahr.

Kerne 50 Prozent teurer

„Es ist schlimm“, klagt der Lübecker Mühlenbäcker Kemal Tanriverdi. Weizenmehl sei zwölf Prozent teurer geworden, Körner und andere Zutaten seien teilweise kaum zu bekommen. „Auf Magnesium warten wir bis zu sechs Wochen.“ Für Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Sesam und Hafer müsse er 50 bis 60 Prozent mehr bezahlen. Auch Mandeln und Rosinen seien knapp. Bei den Energiekosten habe er einen Zweijahresvertrag, wenn der auslaufe, werde er jedoch sicher 20 bis 30 Prozent mehr bezahlen müssen.

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Backen braucht viel Energie

Klaus Lorenzen, Geschäftsführer der Lübecker Landwege Genossenschaft, zu der das Freibackhaus gehört, spricht von 40 bis 50 Prozent höheren Energiekosten. „Backen ist sehr energieintensiv.“ Auch die Papierkosten seien gestiegen, dies betreffe vor allem Verpackungsmaterial wie Brötchentüten. Um etwa fünf Prozent hätten die Preise schon erhöht werden müssen, aufgrund der Energiekosten werde man in absehbarer Zeit weitere fünf Prozent aufschlagen müssen.

Junge will Kosten einsparen

Die Lübecker Bäckerei Junge spricht von „extremen Preisanstiegen“ bei Zutaten wie Mehl, Butter, Milcherzeugnissen, Gemüse, Obst, Fleisch, Ei, Kaffee, Getreide und Saaten. Daraufhin seien Arbeitsabläufe beim Backen, in der Logistik und im Verkauf optimiert worden, teilt Junge-Sprecher Gerd Hofrichter mit. Man habe mit den Lieferanten „hart, aber fair“ verhandelt und werde weiter intensiv an Kosteneinsparungen arbeiten, ohne die Qualitätsansprüche zu senken. Um eine Preiserhöhung werde die Bäckerei nicht umhin kommen. „Wie hoch sie ausfällt und zu welchem Zeitpunkt, ist derzeit noch nicht zu sagen“, so Hofrichter.

Angst, Kunden zu verlieren

Auch Mario Mohr, Inhaber der Lübecker Bäckerei Mohr, berichtet von immer drückenderen Kosten. „Als ich voriges Jahr angefangen habe, habe ich für meine Ölheizung 35 Cent pro Liter bezahlt. Jetzt sind es 86 Cent pro Liter.“ Trotzdem wolle er keine Preissteigerung bei Brot und Brötchen riskieren. Nach wie vor koste das normale Brötchen bei ihm 40 Cent, ein Körnerbrötchen 70 Cent. „Sonst wandern die Kunden nur zu den Discountern ab oder fangen an, am Brot zu sparen.

Kein Geld für Investitionen

Nicht zuletzt die Personalkosten, unter anderem bedingt durch steigende Mindestlöhne, belasten laut Loleit von der Bäckervereinigung die Handwerksbetriebe. Die Tankrechnungen für die auszuliefernde Ware würden steigen. Hinzu komme die EEG-Umlage, von der Industriebetriebe sich befreien lassen könnten, die Handwerksbetriebe jedoch nicht. Bei den Produktpreisen sei die „Schmerzgrenze erreicht“, wolle man die Kunden nicht verprellen. Für Investitionen in neue, energiesparende Maschinen bleibe kein Geld mehr übrig.

Personal schwer zu finden

Da die Arbeitsbedingungen insgesamt schwierig seien und Personal schwer zu finden, hätten einzelne der insgesamt 170 in der Vereinigung organisierten Betriebe schon tageweise oder ganz schließen müssen. Es gebe tendenziell immer weniger kleine Bäckereien und dafür zunehmend große Ketten, die den Markt dominierten. „Durch die hohen Kosten besteht die Befürchtung, dass sich das zuspitzt.“

Von Marcus Stöcklin