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Norddeutschland Bären bekommen ein neues Zuhause
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06:01 29.03.2019
„Mascha“ zählt zu den Tieren, die in den Norden umziehen. Quelle: Deutscher Tierschutzbund
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Kappeln

Die beiden Tierpfleger Stephanie Schunke und Leif Loth vom Tierschutzzentrum Weidefeld in der Nähe von Kappeln (Landkreis Schleswig-Flensburg) gehen jetzt oft auf Reisen. Ihr Ziel sind Besuche bei „Mascha“, „Maya“, „Ronja“, „Balou“ und „Serenus“. Das sind drei Braunbär-Damen sowie zwei Kragenbär-Männchen, die derzeit noch ihr Domizil im Anholter Bärenwald bei Isselburg im äußersten Westen des Münsterlandes (Nordrhein-Westfalen) haben.

Pachtverträge im alten Zuhause laufen aus

Allerdings können die Petze dort nicht mehr lange bleiben. Die Pachtverträge für die Bärengehege auf einem Privatgrundstück laufen nämlich aus. Doch Glück im Unglück: Das Tierschutzzentrum im Norden, das vom Deutschen Tierschutzbund betrieben wird, soll die fünf Großbären schon bald aufnehmen. Die zwei künftigen Betreuer in Weidefeld machen sich jetzt bereits mit den Tieren vertraut, lernen ihre Vorlieben, Fressgewohnheiten und anderes mehr kennen, was man über die Haltung der großen Raubtiere wissen muss.

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„Balou“ soll wie die anderen Bären möglichst artgerecht leben. Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Für September ist der Umzug der Bären in den Norden geplant, sagte die Leiterin des Tierschutzzentrums, Katrin Umlauf, den LN. Derzeit wird auf der Anlage in Weidefeld allerdings noch heftig gewerkelt. Es entstehen drei große Gehege mit jeweils rund 5000 bis 6000 Quadratmetern Fläche.

Bären bekommen Badeteiche

Neben Bäumen, Sträuchern, Klettergerüsten und Verstecken wird es auch Badeteiche für die wasserliebenden Tiere geben. Dazu kommen noch zwei kleinere Gehege von rund 1000 Quadratmetern, in denen die Tiere auch mal einzeln gehalten oder vom Tierarzt behandelt werden können. Ehemalige Bunker auf der einstigen Militärfläche in Weidefeld werden zu Rückzugsräumen ausgebaut, in denen die Tiere dann auch ungestört ihren Winterschlaf halten können.

Den Bären soll auch in der neuen Heimat ein möglichst artgerechtes Leben ermöglicht werden, erklärte die Verhaltensbiologin Umlauf. In freier Wildbahn sind Bären nämlich Einzelgänger. Und Kragenbären etwa lieben das Klettern.

Gehege kosten über eine Million Euro

„Wir freuen uns auf die Bären und hoffen, dass sie sich bei uns wohlfühlen werden“, sagte die Tierschützerin. Für mehr als eine Million Euro werden die künftigen Gehege errichtet. Besondere Sicherheitsvorkehrungen mit stabilen, elektrisch gesicherten Zäunen gehören ebenso dazu wie Innenstallungen, ein Futterlager oder eine große Waage, mit der die Tiere beim Darüberlaufen gewogen werden können.

Die Bären hätten in ihrem bisherigen Dasein bereits Schlimmes erlebt, berichtete der Bären-Experte Patrick Boncourt. „Mascha“ etwa musste lange in einem viel zu kleinen Gehege hausen. „Maya“ wiederum wurde jahrelang in einem Käfig neben einer Gaststätte in Litauen gehalten. Wohl als eine lebende „Attraktion“ gedacht, wurde sie von Gästen mit Kuchen, Eis, Pommes und Cola vollgestopft.

Zurück in die Wildnis können die Tiere nicht

Die Organsiation „International Bear Federation“ befreite die Tiere schließlich aus der nichtartgerechten Haltung. Für die fünf Bären gebe es nun allerdings gar „keine andere Wahl“, als sie in Weidefeld unterzubringen. Zurück in die Wildnis könnten sie keinesfalls gebracht werden.

Besucher des Tierschutzzentrums sollen auch auf die Probleme der Haltung von Bären in Tierparks und Zoos aufmerksam gemacht werden. „Eigentlich dürften Bären gar nicht mehr in Gefangenschaft gehalten werden“, meinte Katrin Umlauf. Spenden und Patenschaften für die Bären werden gern angenommen.

Reinhard Zweigler

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