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Norddeutschland Bahn: Behindertenverband kritisiert neue Doppelstockwaggons
Nachrichten Norddeutschland Bahn: Behindertenverband kritisiert neue Doppelstockwaggons
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19:28 18.11.2019
So könnten die neuen Doppelstockwaggons aussehen, die ab 2022 durch Schleswig-Holstein fahren. Quelle: Kiss DB Regio
Lübeck/Hamburg

220 Millionen Euro: So viel Geld soll in die neuen Doppelstockzüge von Stadler investiert werden, die ab 2022 zwischen Hamburg und Lübeck pendeln. Behinderten- und Fahrgastverbände bemängeln jedoch, dass die neuen Züge nicht barrierefrei genug seien.

Rampe zu steil: „Das ist gefährlich“

„Ein Rollstuhlfahrer muss einen Höhenunterschied von 20 Zentimetern bewältigen. Aber die Rampe ist mit 15 Prozent zu steil“, kritisiert Heike Witsch vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter die neuen Kiss-Züge. Kiss steht dabei für: komfortabler, innovativer, spurtstarker S-Bahn-Zug.

„Wenn der Rollstuhl nicht verstellbare Fußstützen hat, stoßen die gegen den Fußboden und könnten kaputtgehen. Wenn es keine Fußstützen gibt, besteht sogar die Gefahr, dass man aus dem Rollstuhl rutscht. Das ist gefährlich“, sagt Witsch.

Auch Karl-Peter Naumann vom Landesfahrgastverband Pro Bahn Schleswig-Holstein ist von der Barrierefreiheit des Zugmodells nicht überzeugt: „Die steile Rampe sorgt für eine hohe Geschwindigkeit, die zum Sicherheitsrisiko werden kann. Zudem müssen Rollstuhlfahrer sich auch wenden können, um zum unteren Abteil zu kommen. Das geht so nicht gut.“

„Die Norm entspricht nicht der Realität“

Auf rechtlicher Ebene gelten die Züge allerdings als barrierefrei, da sie die Norm einhalten. Für Naumann steht fest: „Die Norm entspricht nicht der Realität.“ Dessen ist sich der Verkehrsverbund Nah.SH auch bewusst, erklärt Sprecher Dennis Fiedel: „Wir wissen, dass diese Norm nicht unbedingt ausreicht, um komfortabel genug zu sein. Deswegen befinden wir uns derzeit noch in Gesprächen mit Stadler.“

Für den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter wären „einstöckige Waggons für Mobilitätseingeschränkte“ die beste Lösung. „Eine andere Möglichkeit sehen wir nicht“, stellt Heike Witsch klar.

Änderungen seien schwierig

Einstöckige Wagen seien jedoch schwierig, erklärt Fiedel: „Wir haben uns auf der Strecke HamburgLübeck bewusst für doppelstöckige Wagen entschieden, um den starken Pendlerverkehr optimal abzudecken. Wir lassen allerdings gerade überprüfen, inwiefern der Einbau eines Hubliftes möglich wäre.“ Zudem seien Änderungen schwierig, da es sich beim Kiss-Zug um ein Standardmodell handle und dementsprechend nur begrenzt Änderungen möglich seien.

„Rollstuhlfahrer sind zu wenig einbezogen worden“

Für Karl-Peter Naumann genügen die Züge nicht: „Im Grund genommen, müsste man diese Züge eigentlich umrüsten. Rollstuhlfahrer sind einfach zu wenig einbezogen worden.“ Heike Witsch zeigt eine ähnliche Haltung: „Ich finde es ärgerlich, dass wir nicht in die Planung eingebunden wurden. Gerade weil diese Züge ab 2022 fahren sollen, wo Deutschland ja eigentlich barrierefrei sein will.“

Von Lisa-Marie Pohlmann

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