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Norddeutschland Bahn fährt in die roten Zahlen: Konzern droht Milliardenverlust
Nachrichten Norddeutschland Bahn fährt in die roten Zahlen: Konzern droht Milliardenverlust
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09:13 03.12.2015
Die Deutsche Bahn steckt in einer wirtschaftlichen Krise Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Die Deutsche Bahn rutscht nach zwölf profitablen Jahren wieder tief in die roten Zahlen. Kosten für den Konzernumbau, Probleme der Gütersparte, Streiks und Unwetterschäden drücken den Bundeskonzern in diesem Jahr mit mindestens einer Milliarde Euro ins Minus, wie jetzt aus Aufsichtsratskreisen verlautete.

Dabei hatte der Konzern noch im Juli einen Gewinn von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Laut Aufsichtsratskreisen droht nun trotz eines Rekordumsatzes von etwa 40,6 Milliarden Euro ein Verlust. Vom voraussichtlichen Vorsteuergewinn von 1,75 Milliarden Euro gehen demnach 700 Millionen Euro für Konzernumbaukosten ab, weitere 1,3 Milliarden Euro für Abschreibungen im Güterverkehr. 850 Millionen Euro überweist die Bahn wie geplant als Dividende an den Bund als Eigentümer. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn bei einem Umsatz von 39,7 Milliarden Euro einen Gewinn von 988 Millionen Euro ausgewiesen.

Ob und wie das Bilanzergebnis Folgen für den Norden hat, ist offen. Auswirkungen auf geplante Investitionen in Schleswig-Holstein fürchtet das Kieler Wirtschaftsministerium aber nicht. „Dafür gibt es absolut keine Anzeichen“, sagte Ministeriumssprecher Harald Haase. Es handele sich dabei um langfristige Investitionspläne. Erst Anfang November hatte Bahnchef Rüdiger Grube in Lübeck angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 550 Millionen Euro in Schleswig-Holstein investieren zu wollen. Neben der Anbindung an die Beltquerung und dem Bau einer neuen Querung über den Fehmarnsund will der Konzern auch die Strecke zwischen Lübeck und Bad Kleinen elektrifizieren.
Darüber hinaus geht Grube den iefgreifendsten Umbau des Konzerns seit mehr als zwei Jahrzehnten an. „Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat am 16. Dezember ein mehrjähriges Programm für mehr Qualität, mehr Kunden und mehr Erfolg vorlegen“, sagte ein Sprecher. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Euro in die Qualität des Angebots investiert werden, etwa bessere Informationssysteme und ein Frühwarnsystem für Weichenstörungen. Die Pünktlichkeit soll steigen, der Service besser werden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn in Schleswig-Holstein rechnet aber trotz Konzernumbau und Verlusten nicht mit großen Tarifsteigerungen. „Da die Bahn weiterhin unter Druck durch die Fernbusse steht, ist das kaum wahrscheinlich, wenn man es mit der Attraktivitätssteigerung ernst meint“, sagt Vorsitzender Stefan Barkleit. Realistisch seien aber Angebotskürzungen im Güterverkehr. Insbesondere die Gütersparte DB Schenker bringt dem Konzern große Verluste.

Auch einen Stellenabbau hat Grube nicht ausgeschlossen. Die Bahn ist mit rund 196 000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland.

Oliver Vogt