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Norddeutschland Zehn neue Lokführer im Norden
Nachrichten Norddeutschland Zehn neue Lokführer im Norden
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20:59 23.10.2018
Ein Lokführer steht an der Tür zu einem Führerstand. Quelle: Gollnow/dpa
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Berlin/Kiel

Problem erkannt, aber noch nicht gebannt. Nach den zahlreichen Zugausfällen der vergangenen Monate, die vor allem auf fehlende Triebfahrzeugführer zurück gingen, hat die Deutsche Bahn (DB) nun Konsequenzen gezogen und die Ausbildung neuer Kräfte intensiviert. Im Bereich der DB Regio im Norden wurden in diesem Jahr jedoch nur zehn neue Lokführer eingestellt. Das teilte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Nord-Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle (Grüne) mit. Für Pendler und Reisende waren zuletzt die Ausfälle auf den Strecken von Lübeck nach Kiel, Lüneburg, Neustadt-Fehmarn oder nach Travemünde besonders ärgerlich gewesen.

29 Lokführer fehlen

Die Flensburger Politikerin hielt mit ihrer Enttäuschung über die geringe Zahl an neuen Lokführern nicht hinter dem Berg. Auch der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sagte, die Zahl sei „natürlich nicht genug, aber immerhin ein Anfang“. Nach LN-Informationen fehlten im Norden Anfang des Jahres 29 Triebfahrzeugführer. Bundesweit waren nach Einschätzung des Chefs der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, Claus Weselsky, „mindestens 1200 Lokführerstellen“ nicht besetzt. Oft werde der Mangel durch Überstunden ausgeglichen. „Zehn neue Lokführer für den Norden sind zu wenig, um das Vertrauen in die Bahn zurückzugewinnen. Dabei ist die Notwendigkeit einer Personaloffensive für Lokführer durch die Ausfälle Anfang September im Raum Lübeck nochmals mehr als deutlich geworden“, sagte die Grünen-Abgeordnete Nestle den LN.

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Bahn verspricht Personaloffensive

Allerdings hatte die Bahn Anfang des Jahres eine große Personaloffensive angekündigt. Allein 19 000 neue Beschäftigte wollte der bundeseigene Konzern in diesem Jahr einstellen. Darunter „über tausend Lokführer und Lokführer-Azubis“, wie Bahn-Personalvorstand Martin Seiler in einem Interview Ende Januar versichert hatte. Der Vorstandschef der DB Regio, Jörg Sandvoß, hatte dem Kieler Verkehrsminister zudem zugesichert, dass die offenen Lokführerstellen im Norden „schnellstmöglichst besetzt“ würden. Mit Blick auf die zahlreichen Zugausfälle in den vergangenen Wochen im Netz Ost hatte Minister Buchholz den DB-Regio-Chef noch im September aufgefordert, „die Probleme zu lösen und vertragsgemäßen Bahnverkehr zu bieten“. Der FDP-Politiker hatte den Bahnvorstand außerdem noch einmal daran erinnert, dass gelte: „Wir bezahlen keine ausfallenden Züge.“

Grünen-Abgeordnete: Zu wenig Stellen für den Norden

Nestle kritisierte außerdem, dass Schleswig-Holstein bei der Verteilung der neuen Stellen bei der Bahn viel zu kurz wegkomme. Von den bundesweit 19 000 angekündigten neuen Beschäftigten bei der DB entfielen lediglich 236 auf den Norden. Davon seien 209 bis Ende September besetzt worden. Gemessen am Streckennetz im Land – 1200 von bundesweit 33 348 Bahn-Kilometern – müssten es eigentlich drei Mal mehr sein, rechnete Nestle vor. Buchholz räumte ein, dass der Markt für Lokführer bundesweit „schwierig“ sei. Die DB habe ohne jeden Zweifel bei der Ausbildung von Lokführer-Nachwuchs „über viele Jahre etwas versäumt“. Mit dem Blick in die Zukunft meinte er: „Ich gehe davon aus, dass die DB das Versäumte jetzt endlich nachholt.“ Dabei sei es ihm völlig egal, wie viel Prozent des bundesweit neuen Bahn-Personals in Schleswig-Holstein eingesetzt werde. „Der Verkehr muss laufen“, forderte Buchholz.

Reinhard Zweigler