Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Bart-Trend wird für Feuerwehren in Schleswig-Holstein zum Problem
Nachrichten Norddeutschland Bart-Trend wird für Feuerwehren in Schleswig-Holstein zum Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 19.01.2020
Karinko Matthews (40) vom Kreisfeuerwehrverband Segeberg demonstriert, wie Atemschutzmaken getragen werden. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck/Kiel

Eine Zeit lang habe man „kurze Schnauzer“ durchaus erlaubt, berichtet Sönke Hanßen, Kreiswehrführer in Dithmarschen.

Doch in den vergangenen Jahren habe es immer wieder Diskussionen gegeben, wie der Bart unter der Maske denn nun aussehen dürfe. „Das wollten die Übungsleiter, die das jährliche Training in der Atemschutzübungsstrecke leiten, nicht mehr mitmachen. Da haben wir entschieden, dass gar keine Bärte für Atemschutzgeräteträger mehr erlaubt sind“, sagt Hanßen. Das führt schon seit Monaten zu heftigen Diskussionen an der Westküste. „Wir haben auch Atemschutzgeräteträger verloren.“

Giftige Rauchgase könnten in die Maske gelangen

Dabei ist die Feuerwehr-Dienstvorschrift eindeutig: „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet.“ Es könnten giftige Rauchgase in die Maske gelangen, wenn der Gummirahmen nicht richtig aufliege, erläutert Christian Heinz, stellvertretender Geschäftsführer der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse (HFUK) Nord in Kiel.

Dabei kann der Bartwuchs schon nach 24 Stunden zu Undichtigkeiten führen. Auch ein sogenannter Drei-Tage-Bart gilt als Bart, heißt es bei der HFUK Nord. Die Maske schließe dann nicht optimal mit dem Gesicht ab. Grundsätzlich seien Bartträger bei der Feuerwehr willkommen – jedoch nicht bei Einsätzen unter Atemschutz.

Eine haarige Geschichte

Der Streit um den Bart hat bei der Feuerwehr eine lange Geschichte: Schon in den 1970er Jahren hatten die Bundesländer versucht, dem Bartwuchs mit einem Barterlass Herr zu werden. 2002 fand der Bart dann Eingang in die Feuerwehrdienstvorschrift 7, die bundesweit gültig ist. Rund 150 Jahre zuvor waren Feuerwehrleute dazu angehalten, sich einen Vollbart stehen zu lassen, der sie bei Löscheinsätzen vor schädlichen Stoffen schützen sollte.

Damit allerdings können sie bei der Brandbekämpfung nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden. „Wir gehen auch schon bei einem normalen Autobrand mit Atemschutz ran, weil da sehr viel Kunststoff verbaut wird“, berichtet Landesbrandmeister Frank Homrich. Die Brandbekämpfung im Innenangriff oder ein Gefahrguteinsatz etwa sind nur unter Atemschutz möglich.

Berufsfeuerwehr Lübeck toleriert Bartwuchs nicht

„Die Dichtigkeit der Atemschutzmaske ist für die Einsatzkraft, aber auch für die jeweils zu rettenden Personen in besonderen Situationen sogar lebenswichtig“, erklärt Bernd Neumann, Leiter der Berufsfeuerwehr Lübeck. Dort muss jeder Kollege „atemschutztauglich“ sein. „Da wird kein Bartwuchs im Bereich der Dichtfläche der Atemschutzmaske toleriert“, erzählt er. Hin und wieder müssten Kollegen von ihren Wachabteilungsleitern darauf hingewiesen werden, dass sie sich ordentlich zu rasieren haben, wenn sie zum Dienst kommen.

Schwerste gesundheitliche Schäden möglich

„Manche sind auch so cool, die halten Einwegrasierer vor“, sagt Jörg Nero, Kreiswehrführer Segeberg. In seinem Kreisverband gibt es das nicht. Bart ab – oder „A“ ab, so die klare Linie. Soll heißen: Wer Bart tragen will, muss das Symbol für Atemschutzgeräteträger abgeben. Da sei man sich beim letzten Treffen mit den Amtswehrführern schnell einig gewesen, berichtet Nero.

Dennoch habe man zum Jahresende noch mal ein Rundschreiben verschickt. „Schlecht sitzende Masken sind eine Gefahrenquelle“, warnt er. Nicht nur für den Kollegen selbst, sondern auch für den Teamkollegen. Denn die Einsatzzeit könnte verkürzt sein, es könnte zu einer Rauchvergiftung kommen. „Brandrauch ist hochgradig giftig“, sagt Heinz von der HFUK Nord. „Schwerste gesundheitliche Schäden sind möglich.“

Lesen Sie auch:

Von Julia Paulat

Auf dem Gelände des abgeschalteten Kernkraftwerks Brunsbüttel darf der Kernbrennstoff aus dem früheren Betrieb weiterhin aufbewahrt werden. Das hat die schleswig-holsteinische Atomaufsichtsbehörde – das Energiewendeministerium – angeordnet.

19.01.2020

Erst Pusten, dann Fahren: eine neue EU-Richtlinie verpflichtet Autobauer künftig eine Einbau-Erleichterung für Alkohol-Wegfahrsperren in ihren Fahrzeugen zu installieren. Die Lübecker Firma Dräger gehört auf dem Gebiet zu den Marktführern.

19.01.2020

Ein Reh, ein Wildschwein läuft plötzlich auf die Straße und schon ist er passiert: ein Wildunfall. Jährlich gibt es Tausende solcher Kollisionen in Schleswig-Holstein. Und die Zahl steigt.

19.01.2020